Druckschrift 
5 (1863)
Entstehung
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vor einem Handſtreich zu ſchützen; nach dieſem entſcheidenden Erfolge war es ein Leichtes, den Regenten der Engländer in der Normandie zu verfolgen und ihn zwiſchen den Heeren des Königs und des Grafen v. Richemond zu zermalmen. Nach einem Aufenthalte von anderthalb Wochen4 gab end⸗ lich der König dem Drucke nach, den Johannas kühnes Vorgehen auf ſeine Entſchließungen ausübte. Er ließ Compiogne auf Verlangen der Bürger unter dem Oberbefehl des Wilhelm von Flavy, eines der angeſehenſten Edelleute aus der Picardie, der ſich durch ſeine kriegeriſche Tüchtigkeit auszeichnetens, und folgte wahrſcheinlich am 29. Auguſt*) dem Zuge der Jungfrau bis nach Senlis, jedoch nurmit großem Widerwillen und nicht, um den Weitermarſch eiligſt anzu⸗ treten, ſondern um die koſtbare Gnadenfriſt freventlich daſelbſt zu verträumen.Es hatte den Anſchein, klagt Perceval von Cagny,als wäre er in einer dem Willen der Jungfrau ent⸗ gegengeſetzten Weiſe berathen4¹. Kein Zweifel, daß ein Angriff auf Paris ganz außer dem Plane des Königs lag. Burgundiſche Trugbilder und ſeiner Räthe Einflüſterungen galten ihm mehr, als Johannas Verheißungen und alle Bürgſchaften des Gelingens, welche ſowohl der unfertige Vertheidigungsſtand der Hauptſtadt als das Vorhandenſein einer königlichen Partei in derſelben darbot. Wie? ſo mochte ſein Unglaube ſich fragen, entfremde ich mir nicht durch einen Sturm auf Paris die Gemüther der Einwohner? Und wenn der Sturm fehlſchlagen ſollte, würde dies nicht den Friedeusunterhandlungen nachtheilig ſein und die Ueberlieferung von Paris, wenn auch nicht geradezu gefährden, doch auf unwillkommene Weiſe verzögern? Im Rathe wurden natürlich alle dieſe und ähnliche Fragen ohne Johanna und gegen ſie entſchieden, und es bedurfte durchaus nicht der wiederholten Geſaudtſchaft Philipps von Burgund, welche dem König die alten Verſprechungen auf's neue bekräftigen ſollte, um letztern gerade ſolange in Senlis feſtzuhalten(bis 7. Septbr.), bis die Pariſer ihre Maßregeln zum Widerſtande getroffen hattenso. Wer ermißt die fieberhafte Spannung und Ungeduld, welche während der ganzen Zwiſchenzeit, wo jeder Tag das Schickſal Frankreichs in ſeinem Schoße trug, das Herz der Jungfrau durchſchütterte! Seit ihrer Ankunft in Saint⸗Denis umkreiſte ſie Pariswie eine junge Löwin einen Schaſſtall. Täglich führte ſie ihre Leute zwei bis dreimal zu Scharmützeln bald vor das eine, bald vor das andere Thor von Paris in der Abſicht, die Lage der Stadt in Augenſchein zu nehmen und den zum Sturme geeignetſten Punct auszuſpähen, wohl auch um die Haltung der Einwohner auf die Probe zu ſtellens! Einen wirklichen Angriff auf Paris aber unternahm Johanna nicht. Zu einem ſolchen gehörte der König, gehörte die ganze fran⸗ zöſiſche Heeresmacht. Durchdrungen von dieſer Ueberzeugung ſchickte die Jungfrau und der Herzog von Alencon, welcher vollſtändig in die Ideen der Heldin eingegangen war, Boten auf Boten nach Senlis. Der König kam nicht. Alençon machte ſich am 1. September auf, um perſönlich ihn zur Eile zu treiben. Karl verſprach am folgenden Tage aufzubrechen. Den⸗ noch kam er nicht. Mehrere Tage harrte Alencon mit Ungeduld, am 5. September reiſte er nochmals nach Senlis und ſetzte es mit aller Gewalt durch, daß Karl um Mittag des 7. September mit ſeiner Armee in Saint⸗-Denis erſchien. Bedeutende Truppenmaſſen, welche in Saint-Denis keinen Platz fanden, wurden in den umliegenden Ortſchaften untergebracht.*)

*) An dieſem Tage unterwarf ſich Lagny an der Marne freiwillig der königlichen Herrſchaft. Wenn die Cheoniken berichten, die Geſandten von Lagny ſeien nach Saint-Denis zum König gekom⸗ men, ſo iſt das ungenau, ſ. G. 1V, 88. V, 70. Buchon 1. 1. p. 366. Vergl. IV, 48.

**) Ein Vorfall, der ſich in Senlis ereignete, wird von den Richtern der Jungfrau zum Ver⸗ brechen gemacht, 0. I, 104 sq. 159. 160. 264s9. Vergl. V, 267. Der wahre Sachverhalt iſt dieſer: Johanna war eines Pferdes benöthigt zu den Strapazen des Krieges und der Reiſen. Sie wandte ſich deshald an den Herrn von La Trémouille. Dieſer nahm das Lieblingsroſs des Biſchofs von Senlis in Beſchlag und überwies daſſelbe der Jungfrau. Da ſich das Thbier zu dem beabſichtigten Zwecke un⸗ brauchbar zeigte, und Johanna überdies erfuhr, daß der Biſchof daſſelbe nur mit Widerſtreben verabfolgt babe, ſo ſchrieb Johanna dem Biſchof, er ſolle ſein Pferd wiederbekommen, wenn er es wünſche, und ſchickte letzteres in dieſer Abſicht dem Hertn von La Trémouille zurück. Ob dieſer ihrem Willen ent⸗