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Jungfrau mit dem Herzog von Alencon und einer tüchtigen Schar auserleſener Krieger die Stadt Compiègne ohne Ernchtignn des Königs*) und begab ſich auf den Weg nach Paris. In Senlis machte ſie zwei Tage Halt, offenbar in der Erwartung, der König werde ihr folgen, verſtärkte ihre Streitkräfte, als ſie dieſe Ausſicht ſchwinden ſah, mit einem Theile der Truppen, welche Senlis am Tage der Unterwerfung beſetzt hatten, und rückte am 26. Aug. ohne Schwert⸗ ſchlag in Saint-Denis eina.„So gab ſie dem Königthume gegen den Willen des Königs die Stadt der Königsgräber wieder nach der Stadt der Krönung.“*
Nicht ſogleich erreichte Johanna ihren Zweck. Der König blieb in Compioègne voll Er⸗ wartung der Dinge, die ihm von Arras kommen ſollten Die Geſandtſchaft kam, beſtehend aus dem Herrn Johann von Luxemburg, dem Biſchof von Arras, dem Herrn David von Brimeu und andern hervorragenden Männern, aber nicht kamen dieſe Herrn, um Frieden zu ſchließen, ſondern um den Koͤnig mit Friedensverſicherungen hinzuhalten und zu tänſchen.„Johann v. Luxemburg“, ſagt der Chroniſt von Berri,„machte viele Verſprechungen, den Frieden zwiſchen dem König und dem Herzog von Burgund zu Stande zu bringen; aber nichts that er, als ihn betrügen.“ Bereitwillig lieh Karl dem Treuloſen ſein Ohr, weil er brachte, wonach ſeine Thatenſchen gelüſtete. Vorläuſig ward am 28. Auguſt ein neuer Waffenſtillſtand bis auf Weih⸗ nachten abgeſchloßen. Auf alle Länder nördlich der Seine, Paris und die Plätze der Seine nicht miteinbegriffen, ſollte ſich derſelbe erſtrecken, die Stadt Compiègne, hochwichtig als Uebergangs⸗ punct über die Oiſe,**) dem Herzog von Burgund pfandweiſe überlaßen werden. Mit ſolchen Zugeſtändniſſen erkaufte Karl die Ausſicht auf den Frieden und auf den Wiederbeſitz von Paris¹4, erkaufte ſie von einem Fürſten, deſſen Unwahrhaftigkeit er lange genng erprobt hatte; in einem Glücksſtande, wo er nur zu kommen und zu ſehen brauchte, um zu ſiegen; unter Ver⸗ hältniſſen, wo ein Fünklein herzhaften, thatfrohen Glaubens ihm alles ohne Opfer verſchafft hätte, was er erſehnte. Denn ſo ſchwere Fehler auch gemacht, ſo neffliche Gelegenheiten auch verſäumt waren, die Bahn zum Siege lag offen nach wie vor.„Gott der Herr, welcher Jo⸗ hanna geſchickt hatte, ließ nicht ab, ſeine Hand nach Karl VII auszuſtrecken.“ In weniger als zwei Tagen konnte er mit ſeinem ganzen Heere vor Paris ſtehen, wo Schrecken noch die Geiſter be⸗ herrſchte und keine Maßregeln zur Vertheidigung getroffen waren4s. Schon Bethfords Rückzug von Montepilloy hatte als Niederlage gegolten, ſein Abmarſch nach der Normandie, dem Jo⸗ hannas Einzug in Saint⸗Denis auf dem Fuße ſolgte, noch größere Beſtürzung gebracht, und ſowenig hielt der Kanzler Ludwig von Luxemburg ſich der Treue der Pariſer verſichert, daß er an dem Tage, wo Johanna Saint⸗Denis betrat(26. Auguſt), die Präſidenten und Räthe des Parlamentes, die Würdenträger der Kirche und die Stadtbehoͤrden die Eide der Treue erneuern ließ, welche ſie den Herzögen von Burgund und Bethford(15. Juli) geſchworen hatten: in Frieden und Eintracht zu leben unter der Botmäßigkeit des Königs von Frankreich und Eng⸗ land, gemäß dem Friedensvertrage von Troyes¹s. In den dentlichſten Farben war dem König ſeine Aufgabe vor die Augen gemalt. Er mußte„ohne Zandern ſich auf Paris werfen, die Hauptſtadt in ihrer erſten Beſtürzung überraſchen, ihr keine Zeit laßen, ſich zu erholen und
*) Der bourgeois de Paris. ſ. Le Brun II, 394, gibt den 25. Auguſt als Johannas Ein⸗ zugstag in Saint-Denis an, und nach dem Briefe der Jungfrau an den Grafen Johann von Ar⸗ magnac, 0. JI, 246, hat Johanna ſchon am 22. Auguſt Compieégne verlaßen, wenn anders ihre Worte 1, 82 und 244: Damals wollte ich zu Pferde ſteigen, als ich ꝛc. nothwendig von dem Aufbruch ver⸗ ſtanden werden müßen. Möglich, daß Perceval von Cagny, dem wir gefolgt ſind, ſich(0. IV, 24) beidemal in der Zeitbeſtimmung um einen Tag geirrt hätte. Was jenen Brief ſelbſt betrifft, ſo iſt derſelbe veranlaßt durch eine Anfrage des Grafen J. von Armagnac, welcher von den damaligen drei Päbſten der rechte ſei!
**) Wallon I, 185: IIy avait dans le nord de la France une ville qui était alors pour Philippe le Bon comme la clef du royaume: c'était Compiègne. Placbe aux portes de V'Ile-de- France, elle la fermait ou l'ouvrait aux Bourguignons, selon qu'elle était au roi ou au duc.


