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5 (1863)
Entstehung
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zuſammenhalten, um beim Ablauf der vierzehn Tage durchaus ſchlagfertig dazuſtehen, wo⸗ fern ſie nicht Frieden uachen ¹s. Eine ſtolze Rede, bei der wir nicht aus dem Auge laßen dürfen, daß Johanna ſich als Gottberufene wußte. Ihre ſchmerzliche Ueberraſchung mußte ſich zu moraliſchem Unwillen ſteigern, als der Entſchluß des Königs, nach der Loire zurückzukehren, offen zu Tage trat. Die beſten der Feldherrn theilten Johannas Gefühl, und das ganze Heer durchfuhr auf dieſe Kunde ein Schrei der Entrüſtung. Vergebens vereinigte Johanna mit den Generalen ihre Bemühungen, den Vorſatz des Königs, womit er Gott dem Helrn ſeine Wohl⸗ thaten geradezu vor die Füße warf, zu erſchüttern. Karl forderte durch ſeine Boten die Bewoh⸗ ner von Bray an der Seine auf, ihm Huldigung zu leiſten und den Uebergang über den Fluß ſeinem Heere frei zu laßen. Er erhielt eine zuſagende Antwort. In der Nacht auf den 6. Auguſt aber geſtatteten jene einer ſtarken Abtheilnng von Engländern und Burgundern, den Eingang in die Stadt, und als am Morgen die Vorhut der königlichen Truppen an der Brücke erſchien, wurden die vorderſten Krieger theils gefangen genommen theils getödtet. Den Durchmarſch zu erzwingen, wäre für eine ſo ſtarke Armee eine Kleinigkeit geweſen, aberniemals vielleicht wurde eine Schlappe mit ſolcher Freude von einem Heere aufgenommen. Johanna benntzte mit den Hauptleuten das glückliche Zuſammentreffen der Umſtände, um Karl unter Hinweiſung auf die Thatſache, daß die Engländer Tags zuvor keinen Kampf gewagt hatten, zur Umkehr zu bewegen¹¹. Das Gelingen wurde dadurch erleichtert, daß ſämmtliche Brücken, welche in dieſer Gegend über die Seine führten, ſich in Feindes Hand befanden und der König allen Maßregeln der Gewalt im höchſten Grade abhold war.*)

Noch einmal ſah ſich der König wider ſeinen Willen auf die Bahn der That gedrängt. Er ging am 7. Auguſt von Bray nach Conlommiers in Brieis und von da nach Chateau⸗ Thierry zurückis. Hier die Marne überſchreitend, kam er über La Ferté-Milon(10. Auguſt) Donnerſtag den 11. Auguſt vor Crépy in Valois¹7. Von allen Seiten ſtrömte ihm das fröh⸗ liche Volk mit den Prieſtern unter dem Jubelruf Nosël! und dem GeſangeDich Gott loben wir entgegen. Als Johanna die große Freude des Volkes ſah, deſſen Blicke ſich nächſt dem König zumeiſt auf die jungfräuliche Heldin richteten, brach ſie in einen Strom von Thränen aus und ſagte zu dem Erzbiſchof von Reims und dem Grafen Dunois, in deren Mitte ſie rittis: Das iſt ein gutes Volk, ich habe noch nie ein Volk geſehen, das ſich ſo ſehr gefreut hätte über

die Ankunft eines ſo edlen Königs. Wäre ich doch ſo glücklich, am Ende meiner Tage in die⸗ ſer Erde zu ruhen!**)

In Crépy erhielt der Koͤnig vom Herzog von Bethford folgenden Fehdebrief, welchen dieſer am 7. Auguſt in Montereau abgefaßt und darauf den Rückmarſch nach Paris angetreten hatteis:Wir Johann von Lancaſter, Regent von Frankreich und Herzog von Bethford, thun euch zu wißen, Karl von Valois, der ihr euch Dauphin von Viennois zu nennen pflegt und nunmehr ohne Grund auch Koͤnig heißet: Ihr habt von neuem ein Unternehmen begonnen gegen die Krone und die Herrſchaft des ſehr erhabenen und ausgezeichneten Fürſten Heinrich, des wahren, natürlichen, rechtmäßigen Königs von Frankreich und England durch Gottes Gnade. Ihr thut dem gemeinen Volke kund, daß ihr kommet, um ihm Frieden und Sicherheit wiederzugeben; dem aber iſt nicht ſo und kann nicht ſo ſein, in Betracht der Mittel, die ihr anwendet, um das unwißende Volk zu verführen. Denn ihr bedienet euch abergläubiſcher und verworfener Leute, wie z. B. eines unordentlichen und verrufenen Weibsbildes in Mannstracht

*) Wallon meint I, 153 sq.: Si le duc de Bourgogne devait, au terme de quinze jours, rendre Paris, il convenait sans doute d'étre à portée de le recevoir: la trève même qu'on venait de conclure faisait un devoir à la cour de se rapprocher de la capitale. 5

v) Ueber das Geſpräch, welches ſich auf dieſe Veranlaßung zwiſchen Johanna und dem Erz⸗ biſchof entſpann, ſ. S. 1. Der Schluß, welchen das Tagebuch, 0. 1 V, 189, der Unterredung gibt, iſt vielleicht aus III, 12 entlehnt. Uebrigens mögen wir es nicht unterlaßen, auf die ungemeine Tiefe der Liebe hinzuweiſen, welche in Johannas Worten ſich ausdrückt.