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5 (1863)
Entstehung
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Man hätte denken ſollen, Karl würde nunmehr den Ufern der Marne entlang auf Paris losgehen, ſtatt deſſen aber führte er das Heer über Montmirail in Brie(1. Aug.)¹ο nach Pro⸗ vins(Dienſtag den 2. Aug.), ſetzte alſo in einer Paris gleichlaufenden Richtung ſeinen Zug nach Süden fort. Die Liebe der Bürger bereitete ihm eine glänzende Aufnahme. Bald nach ſeiner Ankunſt traf auch der Herzog René von Bar, Schwiegerſohn des Herzogs von Lothringen und Bruder des Königs von Sicilien, in der Stadt ein, um dem König ſeine Huldigung dar⸗ zubringen und deſſen Armee mit ſeinem ſtattlichen Gefolge zu vergrößern. Bis Freitag den 5. Auguſt blieb Karl in Provinstl. 3

Inzwiſchen war am 3. Auguſt der Cardinal von Wincheſter aus Paris nach Rouen ab⸗

ereiſt und Tags darauf(Donnerſtag 4. Aug.) der Herzog von Bethford mit der Geſammtſtärke ſinen neugeſchaffenen Heeres von mehr als zehntauſend Mann über Corbeil nach Melun auf⸗ gebrochen, mit dem Vorgeben, dem Koͤnig eine Schlacht zu bieten. Was hätte der Jungfrau und ihren ſiegesmuthigen Scharen erwuncheer ſein koͤnnen, was für die Engländer, was für Paris verhängnisvoller werden müßen, als eine offene Feldſchlacht! Auf erhaltene Nachricht rückte Karl in der Morgenfrühe des 5. Auguſt mit ſeiner ganzen Streitmacht bis nach dem Schloße La Motte-de-Nangis dem Feinde entgegen. Kamfbegierig ſtanden die Truppen faſt den ganzen Tag in Schlachtordnung, die Englaͤnder aber ließen vergebens auf ſich warten. Bethford hatte durchaus keine Luſt, das Schickſal Englands von dem Ausfall eines Haupttreffens ab⸗ hängig zu machen ¹2. Der König und ſeine Räthe waren mit dieſer Wendung der Sache im höchſten Grade zufrieden. Karl hatte nämlich ſo eben einen Waffenſtillſtand auf vierzehn Tage mit dem Herzog von Burgund abgeſchloßenauf die Bedingung hin, daß dieſer ihm am Ende der vierzehn Tage die Stadt Paris friedlich übergebe. Das war die reife Frucht der Unter⸗ handlungen, welche man ſeit dem Krönungsfeſte mit dem Burgunder gepflogen hatte. Wohl weislich hatten Koͤnig und Räthe die Verhandlungen in das Dunkel des tiefſten Geheimniſſes gehüllt, um erſt mit der vollbrachten Thatſache an's Licht der Oeffentlichkeit zu treten und auf dieſe Weiſe jedem zu gewärtigenden Widerſpruch von vorn herein die Spitze abzubrechen. Kein Zweifel, daß ſich diesmal mehr wie ein Robert Le Macon gefunden haben würde, der dem König das Gewißen geſchärft und ihn ermahnt hätte, keinen entſcheidenden Schritt ohne den Rath der Jungfrau zu thun, die Gott ihm offenbar als Rettungsengel geſandt. Denn was war doch der ſonnenklare Zweck des Vertrages? Nicht allein der geringere, dem König in dem Augenblick Hände und Füße zu binden, wo er mühelos einen Triumph nach dem anderen über ſeine Gegner davontrug, ſondern und das war die Hauptſache ihn zu dem Aergſten, worüber er mit ſeinen Räthen brütete, zur Rückkehr an die Loire zu verleiten und dadurch ſo⸗ wohl Paris vor einem ängſtlich gefürchteten Angriff zu behüten als ſämmtliche während und nach dem Kroͤnungsfeldzug gemachte Eroberungen in Frage zu ſtellen. Vor Johannas hellem Blick lagen die Schleichwege burgundiſcher Argliſt deutlich aufgedeckt. In dem Briefe vom 5. Auguſt anihre lieben Freunde, die guten und getreuen Franzoſen der Stadt Reims, dem wir die Kenntnis von dem Waffenſtillſtand verdanken, fügt ſie der Angabe der Thatſache die be⸗ deutſamen Worte hinzu:Wundert euch unterdeſſen nicht, wenn ich nicht ſoſſchnell in Paris einziehe, obwohl ich mit der Waffenruhe, welche auf dieſe Weiſe geſchloßen iſt, nicht zufrieden bin und nicht weiß, ob ich ſie einhalten werde. Wenn ich ſie einhalte, ſo ge⸗ ſchieht es allein, um die Ehre des Königs zu wahren. Alber ſie ſollen das königliche Blut nicht misbrauchen, denn ich werde die Armee des Koͤnigs

Daß die Jungfrau ſtets bemüht war, die Zucht im Heere aufrecht zu erhalten, erſieht man aus dem Berichte ihres Pagen, O. III, 73: Quadam vice, juxta villam Castri-Theodorici, cum vidisset quamdam mulierem amasiam(amiete= petite amie, mattresse) cujusdam hominis armorum, qucæ erat eques, eamdem mulierem insecuta est cum gladiohevaginato; quam tamen mulierem non percussit, sed eam dulciter et caritative monuit ne se inveniret amodo in societate armatorum, alias eidem mulieri faceret displicitum. 4