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5 (1863)
Entstehung
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Trefflich wußten ſeine Feinde dieſe Zeit zu nützen. Der Herzog von Bethford zog am 25. Juli mit dem Cardinal von Wincheſter an der Spitze der vier bis fünftauſend Mann, welche dem letzteren aus England über das Meer gefolgt waren, in Paris ein, zum großen Troſte der Bürger, welche bei der geringen Beſatzung der Stadt vor der Gefahr einer Ueber⸗ rumpelung gezittert hatten. Auch die engliſchen und franzöſiſchen Mannſchaften, welche Bethford ſowohl in der Normandie als in den übrigen ſeiner Herrſchaft untergebenen Ländern aufgeboten hatte, kamen mit ihren Führern nach einander an, und Philipp von Burgund, der ſeine Rüſtungen mit der größten Eile betrieb, vermehrte die Streitkräfte ſeines Bundesgenoßen durch eine Abtheilung picardiſcher Krieger unter dem Befehle des Baſtards von Saint-Pol. Dieſem übertrug Bethford, um den Eifer des Herzogs von Burgund für die engliſche Sache zu erhöhen, die Statthalterſchaft von Meaux.

Während auf dieſe Weiſe die Feinde des Königs mit raſtloſer Thätigkeit eine Heeres⸗ macht verſammelten, welche, die pariſer Bürgerwehr mitgerechnet, der ſeinigen an Zahl gewach⸗ ſen war, warf dieſer, betrogen und ſich ſelbſt betrügend, die goldene Zeit mit Nichtsthun wegs. Um dieſe himmelſchreiende Sünde gegen Thron und Reich leichter zu verſtehen, duͤrfen wir die Unterhandlungen nicht vergeßen, welche in Reims noch keineswegs ihre Endſchaft erreicht hatten. Philipp wußte ſehr wohl, daß die Einnahme von Paris bei der damaligen Lage der Dinge nicht bloß für England, ſondern auch für ihn die verderblichſten Folgen haben mußte, und hatte deshalb das ganze Triebwerk ſeiner verſchmitzten Politik in Bewegung geſetzt, um dieſem Schlage vorzubeugen. Mit dem ganzen Blödſinn des Egoismus und des Unglaubens kam ihm der Köͤnig ſammt ſeinen Räthen entgegen. Sie wollten Paris lieber der Gnade des Herzogs, als den Waffen der Jungfrau verdanken. Und ſo war dem ſchlauen Burgunder ohne ſonderliche Anſtrengung der Meiſterſtreich gelungen, Karl VII in dem entſcheidenden Zeitpuncte, wodie Hand Gottes denſelben vorwärts zu deden ſchien und ihm alles über Bitten und Verſtehen von ſtatten ging, zum Stillſtehen in ſeinem Siegeslaufe zu vermögen und wenigſtens ſo lange in Unthätigkeit feſtzubannen, bis die drohendſte Gefahr für Paris beſeitigt war. Wird dieſer augenfällige Betrug den König zur Beſinnung bringen?.

Soiſſons verlaßend, zog er nicht auf der bisher eingehaltenen Straße weiter, ſondern ſchlug in ſüdlicher Richtung den Weg nach der Marne ein. Am 29. Juli kam er mit der Armee vor Chateau-Thierry an. Stadt und Schloß waren wohl befeſtigt und wurden von dem Herrn von Chatillon, der ſich mit ſeinen Leuten von Reims dahin zurückgezogen hatte, von Johann von Croy, Joh. von Brimeu und einer vierhundert Mann ſtarken Beſatzung vertheidigt. Da die burgundiſchen Herrn ſich zu erfolgreichem Widerſtande zu ſchwach fühlten, und die geſammte Bürgerſchaft gut franzöſiſch geſinnt war, ſo griffen ſie, wie es ſcheint, zu einer Liſt und ließen das Gerücht ausſtreuen, der Herzog von Bethford ſei mit der ganzen engliſchen Armee im An⸗ marſch. Sie erreichten dadurch wenigſtens ſo viel, daß das königliche Heer vorſichtshalber faſt den ganzen Tag unter Waffen blieb, ohne einen Angriff auf die Stadt zu machen, obwohl Jo⸗ hanna ſich für den Ungrund der Nachricht verbürgte. In der Hoffnung aber, der König werde ſich von der Feſte gänzlich zurückziehen, ſahen ſie ſich getäaͤuſcht und knüpften deshalb gegen Abend Unterhandlungen an. Karl deſtattete ihnen und ihren Kriegern freien Abzug mit Hab und Gut, worauf ſie den Platz übergaben und alsbald den Marſch nach Paris antraten, um die Macht des Herzogs von Bethford zu vermehren. Der König zog darauf in Chateau⸗Thierry ein und blieb daſelbſt bis zum Vormittag des 1. Auguſte. Johanna bezeichnete die Tage ge⸗ zwungener Nuhe durch eine Handlung, die ihrem Herzen zur Ehre gereicht. Sie erwirkte näm⸗ lich bei dem König den bereits erwähnten Steuererlaß für ihre Heimatsdörfer Domremy und Greux.*)

*) S. Reims. Die Frage der Richter, O. I, 103: Qui ſuerunt illi de societate ipsius, qui ceperunt papiliones in vexillo ejus, ante Castrum-Theodorici, weiſt Johanna ſcharf mit den Worten zurück: quod nunquam fuit factum de parte ipsorum: sed illi de parte ista adinvenerunt.

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