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Werkes haben, ſo kann es nur von gänzlicher Vertreibung verſtanden werden*). Durch Perceval von Cagny, Alencons Haus⸗ und Stallmeiſter, wißen wir, daß Johanna dieſes Geſtändnis zu Chinon im Monat März 1429 abgelegt hatit. Auch Séguin, einer der Examinatoren in Poi⸗ tiers, hat Johanna daſelbſt vier Dinge vorausſagen hören¹2: 1) Die Engländer werden ver⸗ nichtet(destructi, dem fugare entſprechend) und die Stadt Orleans wird von ihnen befreit werden; 2) der König wird in Reims geweiht werden; 3) die Stadt Paris wieder unter die Botmäßigkeit des Königs kommen; und 4) der Herzog von Orleans aus England zurückkehren. Allerdings ſagt Séguin nicht, worauf die Gegner Gewicht legen, daß Johanna alle dieſe Thaten als ihre Aufgabe aufgezählt habe, aber er macht auch keinen Unterſchied, ſondern ſtellt ſie ſämmt⸗ lich auf gleiche Linie. Der Grund, weshalb er dieſe Form des Ausdrucks wählte, iſt auf jeden Fall derſelbe, welcher Dunois und ſeine Mitzeugen zur Zurückhaltung beſtimmte.**)
Sehen wir nunmehr, wie Johanna ihre in Chinon und Poitiers gethanen Aeußerungen bis über Reims hinaus und in die Gefangenſchaft hinein aufrecht hielt. In Selles ſetzte ſie am 6. Juni dem Herrn Veit von Laval Wein vor mit den Worten, ſie werde ihm bald in Paris Wein zu trinken geben, was jener am 8. Juni ſeiner Mutter ſchrieb.* Unter dem 21. Juni d. J. berichtete Perceval von Boulainvilliers, Seneſchall von Berri, dem Herzog von Mailand, Johanna ſage,„die Engländer hätten kein Recht in Frankreich, ſie ſei von Gott geſchickt, um dieſelben daraus zu vertreiben.... der Herzog von Orleans müße auf wunderbare Weiſe befreit werden.“ Johanna meint damit ihren Zug nach England, ſofern der Herzog nicht durch Austauſch gegen gefangene Engländer erlöſt werdei. Ungefähr um dieſelbe Zeit ſchrieben die Abgeſandten einer deutſchen Stadt oder eines deutſchen Fürſten in ihre Heimat:„Und iſt yetzund der König uff dem Felde mit Jungfrowen, und wil die Engelſchen uß dem Lande ſchlagen, wanne die Jungfrowe heit ime verheißen, ee dann Sant Johannes Tag des Deuffers kome in dem XXIX. Jare, ſo ſolle kein Engelſcher alſo menlich noch ſo geherit ſyn, das er ſich laße ſehen zu Velde oder zu Strite in Franckenreich¹s.“ Joh. Gerſon, Jak. Gelu, Heinr. v. Gorckheim und der Verfaſſer der Sibylla Francica gehen in ihren theologiſchen Unterſuchungen über die Glaub⸗ würdigkeit der Jungfrau von der Verheißung derſelben aus, dem König Karl ſein Reich wieder⸗ zuerobern und die Feinde daraus zu verjagen 1s. Am 4. Juli fordert Johanna die Bürger von Troyes im Namen Gottes auf, dem König Gehorſam zu leiſten, der in der Kürze in Reims und in Paris ſein werdelz. Am Kroͤnungstage(17. Juli) ſchreiben drei Edelleute vom Hofe Karls VII an deſſen Gemahlin, die Königin:„Morgen wird der König nach Paris ziehen. Die Jung⸗ fran hegt keinen Zweifel, daß ſie Paris ihm unterwerfen werdeis.“ Perceval von Cagny ſaßt in ſeiner Chronik unmittelbar nach der Beſchreibung der Kroͤnung:„Die Jungfrau hat die Ab⸗ ſicht, den König in ſeine Herrſchaft wieder einzuſetzen und ſein Reich unter ſeine Botmäßigkeit zu bringen¹9.“ Chriſtine von Piſan betrachtet in ihrem mit dem 31. Juli unterzeichneten Ge⸗ dichte die Vernichtung des engliſchen Weſens als den geringſten Gegenſtand von Johannas Miſſion 2o. Vor Ende des Juli, nach der Krönung, meldete Karls Geheimſchreiber Alain Chartier einem Fürſten des Auslandes, die Stimme des Erzengels habe der Jungfrau aufgetragen:
*) D'Aulon bezeugt, O. III, 209: der König habe nach der erſten Audienz Johannas in Chinon geäußert, letztere habe ihm geſagt, ſie ſei von Gott an ihn geſandt, um ihm zur Wiedereroberung ſeines Reiches zu verhelfen, welches damals größtentheils von den Engländern beſetzt war.
**) 0. Ap. p. 41. Wallon I, 146: Est-ce à dire que Jeanne düt atteindre à ce quadruple but sous peine d'étre en contradiction avec soi-meme! Non assurément. Elle disait qu'elle était envoyée pour le faire, mais non qu'elle le ferait en tout état de cause. II fallait qu'on y aidaàt. Et les choses dont elle avait annoncé l'accomplissement au roi finirent après tout par s'accomplir. Vergl. O. IV, 326(le doyen de Saint Thibaud de Metz vers 1445): Et adoncque dit au roi pre- mieèrement tout son affaire et la manière qu'il convenoit tenir: et s'il la vouloit croire et avoir foy en Dieu, en monsieur sainct Michel et Madame saincte Catharine, et en elle, qu'elle le moinroit corroner à Reims et le remectroit paisible en son royaume. Vergl. IV, 311.


