Druckschrift 
4 (1860)
Entstehung
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Hier empfing der Erzbiſchof das heilige Geräth mit dem Kroͤnungsöl aus des Abtes Händen und brachte es in die Liebfrauenkathedrale, wo er es auf dem Hochaltare niederſetzte. Die vier Großwürdenträger ritten beſtändig an ſeiner Seite bis in die Kirche hinein und ſtiegen erſt am Eingange des Chors von ihren Roſſen, um der Krönungsweihe beizuwohnen²o. Un⸗ terdeſſen hatten ſich die in Reims anweſenden Prelaten, Furſten, Ritter und Herrn, welche theils den Feldzug mitgemacht hatten, theils von nah und fern herbeigeſtrömt waren, in dem Dome verſammelt und in der Nähe des Altars die für ſie beſtimmten Sitze eingenommen. Dicht neben dem Altare nahm Johanna Platz, ihre Fahne in der Hand haltend,die, weil ſie in der Mühſal geweſen, auch die Ehre zu theilen verdiente.*) In der That war es die Jung⸗ frau allein, die durch ihren gottbegeiſterten Heldenmuth Frankreichs Schickſal gewendet und den am Rande des Verderbens Loantenden Koͤnig zu dieſer erhabenen Feier geführt hatte. Auf ihr ruhten deshalb vorzugsweiſe die Blicke des Volkes, welches in unzählbarer Menge die un⸗ geheueren Räume der Kirche füllteen. Die Hauptfeier ward damit eingeleitet, daß der Wappenkönig von Frankreich ſich vor den Hochaltar ſtellte und die alten weltlichen Pairs: die Herzöge von Burgund, von der Normandie und von Aanitanien, die Grafen von Flan⸗ dern, Toulouſe und Champagne bei ihren Namen aufrief. Als dieſelben nicht erſchienen, traten als Stellvertreter: der Herzog von Alençon, die Grafen von Clermont und von Vendome, die Herrn von La Trémouille, von Laval und von Albret hervor, ſämmtlich in königlichem Kleiderſchmuck. Der Herzog von Alencon verſah an Stelle des Herzogs von Burgund den Dienſt des erſten Pairs von Frankreich, der Herr von Albret hielt das Reichsſchwert. Von geiſtlichen Pairs waren nur der Erzbiſchof von Reims und der Biſchof von Chalons gegen⸗ wärtig, die abweſenden wurden durch die Biſchöfe von Orleans, Séez und zwei andere Pre⸗ laten erſetzte. Nunmehr erſchien der König in einer der Herrlichkeit des Tages entſprechenden Tracht und kniete vor den Stufen des Hochaltars nieder. Der Erzbiſchof von Reims trat vor ihn an der Spitze der Geiſtlichkeit und ſprach der hergebrachten Sitte gemäßes:Wir fordern Dich auf, zu geloben, daß Du uns und den uns anvertrauten Kirchen ihr kanoniſches Vorrecht, das ſchuldige Recht und Gerechtigkeit bewahren wolleſt und uns ſchirmen und ver⸗ theidigen, wie es die Pflicht eines Königs in ſeinem Reiche gegen jeden Biſchof und die ihm an⸗ vertraute Kirche erheiſchet. Der König erwiderte hierauf die vorgeſchriebenen Worte:Im Begriffe, durch Gottes Gnade zu einem Könige von Frankreich geſetzt zu werden, gelobe ich an dem Tage meiner Weihe vor Gott und ſeinen Heiligen, daß ich das kanoniſche Vorrecht, Recht und Gerechtigkeit gegen einen jeden von Euch Prelaten bewahren werde und Euch beſchir⸗ men nach meiner Macht, mit Gottes Hülfe, wie von Rechtes wegen ein König in ſeinem Reiche jeden Biſchof und die ihm anvertraute Kirche ſchirmen ſoll Und weiter:Ich verſpreche in Jeſu Chriſti Namen dem mir untergebenen chriſtlichen Volke folgende Dinge: Erſtens, daß ich alles chriſtliche Volk der Kirche bewahren werde und alle Zeit den wahren Frieden nach Eurem Rath. Desgleichen, daß ich es ſchützen werde vor allem Raube und vor Ungerechtigkeit jeder Art. Desgleichen, daß ich bei ailen Urtheilen Billigteit und Barmherzigkeit empfehlen werde, damit der milde und barmherzige Gott mir und Ench ſeine Barmherzigkeit gewähre. Desgleichen, daß ich in rechter Treue mich nach meinem Vermögen beſtreben will, alle von der Kirche erklärten Irrgläubigen aus meinem Lande und meiner Gerichtsbarkeit zu verbannen. Alle dieſe Dinge gelobe ich eidlich. Nachdem der König auf dieſe Weiſe das ordnungsmäßige

*) So Johanna 0. I. 104. 301. 187. 304. Die Richter legen der Jungfrau das Tragen der Fahne

in der Kirche als Hochmuth aus(I, 300) und deuten mit der Frage(1, 187. 304), ob man bei

der Krönung die Fahne dem König um das Haupt geſchwungen habe, auf eine abergläubiſche Verehrung

derſelben hin. Der Mönch Richard, welcher ſeit der Uübergabe von Troyes dem königlichen

Heere folgte, war ebenfalls bei der Krönungsfeier gegenwärtig; daß er die Fahne gehalten habe, davon weiß Johanna nichts(I, 104. 301). 1 12 1.

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