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Euch durch den König des Himmels, meinen rechtmäßigen und oberſten Herrn, daß der Koͤnig von Frankreich und Ihr einen guten, feſten Frieden machen ſollt, der lange daure. Verzeihet einer dem andern von Grund des Herzens, wie es guten Chriſten geziemet, und wenn Euer Sinn nach Krieg ſteht, wohlan ſo ziehet gegen die Sarazenen. Fürſtvon Bur⸗ gund, ich bitte Euch, ich flehe und erſuche ſo demüthig, als ich Euch um etwas erſuchen kann, daß Ihr nicht ferner wider Frankreich, das heilige Königsland, im Streite ſtehet, ſondern heißet Eure Leute zur Stelle und unverzüglich aus den Städten und Burgen des beſagten heiligen Reiches heimkehren. Was den edlen König von Frankreich betrifft, ſo iſt er zum Frieden mit Euch bereit, unbeſchadet ſeiner Ehre, ſo daß es nur an Euch liegt. Und ich thue Euch kund durch den König des Himmels, meinen rechtmäßigen und oberſten Herrn, zu Eurem Beſten und um Eurer Ehre und Eures Lebens willen, daß Ihr gegen die getreuen Franzoſen keine Schlacht gewinnen werdet, und daß alle, die da Krieg führen wider das benannte heilige Königreich Frankreich, Krieg führen wider den König Jeſus, den König des Himmels und der ganzen Welt, meinen rechtmäßigen und oberſten Herrn. Darum erſuche ich und flehe Euch an mit gefalteten Händen, daß Ihr keine Schlacht wider uns thuet, und keinen Krieg wider uns führet, Ihr, Eure Dienſtleute und Unterthanen. Und glaubet gewislich, wie groß auch die Zahl Eurer Dienſtmannen ſei, die Ihr wider uns führet, ſie werden nichts ausrichten, und es wird ein großer Jammer ſein um die große Schlacht und das Blut, das von denen vergoßen wird, die wider uns ausziehen. Drei
ochen ſind es, ſeit ich Euch ein Schreiben geſandt und gute Botſchaft durch meinen Herold,
damit Ihr bei des Königs heiliger Salbung zugegen wäret, die heute, Sonntag den 17. Tag des gegenwärtigen Monats Julius in der Stadt zu Reims vor ſich geht, ich habe aber keine Antwort darauf erhalten, und auch keine Kunde von beſagtem Herold vernommen. Ich empfehle Euch Gott, möge er über Euch wachen, wenn es ihm gefällt, und bitte Gott, er wolle uns guten Frieden verleihen. Geſchrieben in dem beſagten Orte Reims, an dem 17. Tage des Juliusss.“
Um neun Uhr Vormittags begann die Krönungsfeiers«. Uraltem Brauche zufolge wurde dieſelbe damit eingeleitet, daß der Koͤnig vier Großwürdenträger des Reiches in die Abtei des heiligen Remigius ſandte, um das geweihte Gefäß mit dem heiligen Salböl(la Sainte-Am- poule) abzuholen, welches nach dem Glauben des Franzöſiſchen Volkes eine weiße Taube vom Himmel zur Taufe Chlodwigs Peracht hatte.“) Zu dieſem ehrenvollen Amte wurden von Karl VII. die Marſchälle von Sainte Sévere und von Rais, der Admiral von Culan und der Großmeiſter der Armbruſtſchützen Johann Malet Herr von Graville auserſehen. Zu Pferd, in voller Rüſtung und ihre Banner tragend, begabenſie ſich unter glänzender Bedeckung in die Kirche des heiligen Remigius. Nachdem ſie daſelbſt mit den herkömmlichen Eiden gelobt hatten, die heilige Ampulla ſicher geleiten und zurückführen zu wollen, nahm der Abt, mit einem oberprieſterlichen Prachtgewande angethan und mit einem reichen Grachun der überhan⸗ gen, das geweihte Gefäß, ging mit ſeinen Moͤnchen aus der Abtei und trug das Kleinod, in ehrfurchtsvoller Haltung unter einem koſtbaren Baldachin einherſchreitend, bis vor die Kirche des heiligen Dionyſius, wo er nach altväterlicher Gewohnheit ſtillſtand. Mittlerweile hatte der Erzbiſchof, mit allen Abzeichen ſeiner Würde bekleidet und von den Domherrn umgeben, die Kathedrale verlaßen und war dem Abt bis vor die Dionyſiuskirche entgegengegangen.
*) o. IV, 513(Pabſt Pius): Opinantur Galli candidam olim columbam e coelo missam beato Remigio, ejus urbis antistiti, liquorem olei attulisse quo reges inungerentur; idque summa religione custodiunt neque imminui putant, quamvis a Clodoveo usque in haec tempora
permulti reges illo sintusi; negantque verum esse regem qui hoc oleo non sit delibutus. Ob eam causam quum de transportando liquore saepius Anglici consuluissent, divina volun- tate praepeditum propositum arbitrantur. 479. 527. III, 464.


