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4 (1860)
Entstehung
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Hier wie in der Stadt ließer gleich darauf zu wiederholten Malen verkündigen, niemand, wes Stan⸗ des er auch ſein möge, ſolle bei Strafe des Stranges ſich unterſtehen, den Einwohnern von Troyes oder andern, die ſich unter ſeine Botmäßigkeit begeben hätten, irgend ein Leid anzu⸗ thunse. Die Armee blieb nach des Königs Befehl während dieſes Tages und der folgenden Nacht unter Ambroſius von Loré in ihrem Feldlager. Erſt am nächſten Morgen(des 11. Juli) hielt das ganze Heer in ſchönſter Ordnung einen Durchzug durch die Straßen von Troyes unter dem Schalle der Trompeten und dem Jubelruf des Volkesso. Wie ſehr die Stimmung des Volkes ſich zum Vortheil der Jungfrau geändert hatte, davon gibt unter andern der Umſtand Zeugnis, daß ein Bürger von Troyes ſie während ihrer kurzen Anweſenheit zur Taufpathin ſeines Kindes erkoré!..

Karl verweilte in Troyes nur bis zum Morgen des 12. Juli, wo er auf Bitten der Jungfrau, die ihn beſtändig zur Eile trieb, ſich mit dem ganzen Heere nach Chalons an der Marne in Marſch ſetztesé. Nunmehr ſollte ſich die tiefgreifende Wirkung offenbaren, welche Johannas thatkräftiges Vorgehen gegen Troyes weit und breit hervorgebracht hatte. Unter den Bewohnern vonChalons hatte urſprünglich eine durchaus feindſelige Stimmung gegen Karl VII. geherrſcht, wie in Troyes. Als die Bürger von Troyes ihnen des Königs Ankunft mit der Verſicherung meldeten, ſich auf's äußerſte vertheidigen zu wollen, ſchrieben jene unmittelbar darauf in hoffährtigem Tone nach Reims, ſie wären ebenfalls feſt entſchloßen, aus allen Kräften den Feinden Widerſtand zu thunss. Aber der Demüthigung von Troyes war auch die Ent⸗ muthigung in Chalons auf dem Fuße gefolgt, und Karl brauchte die Unterwerfung dieſer Stadt jetzt bloß zu verlangen, um ſie zuverläßig zu erhalten. Er ſandte ſeinen Herold Montjoie nach Chalons voraus und ließ die Einwohner auffordern, ſich auf ſeinen Empfang gefaßt zu machen und ihm vollen Gehorſam zu leiſten. Sogleich ſchickten ihm die Bürger mehrere Ab⸗ geordnete bis nach Buſſy⸗Lettréentgegen. Dieſe brachten erwünſchte Nachricht nach Chalons zurück, worauf die Bürgerſchaſt in großer Verſammlung einmüthig beſchloß, Karl VII. als rechtmä⸗ ßigen Landesherrn anzuerkennen und in ihre Mauern aufzunehmenss. Demgemäß ging dem König, als er Donnerſtag den 14. Juli vor der Stadt eintraf, der Biſchof mit einer großen Anzahl von Bürgern entgegen und überreichte ihm in aller Unterthänigkeit die Thorſchlüßel. Zur allgemeinen Freude zog Karl ſodann an der Spitze ſeiner Krieger in Chalons ein, wo er nicht minder gefeiert wurde, wie in Troyesss, und ſammt dem Heere Nachtlager fand.*)

Eine beſondere überraſchung ward der Jungfrau in Chalons zu Theil. Es hatten ſich nämlich daſelbſt vier ihrer Landsleute aus Domremy und Grenx eingefunden, welche das wunderbare Kind, das in ſtiller Unſcheinbarkeit in ihrem Dorfe aufgewachſen war, in dem Glanze ſeiner Siegesherrlichkeit zu ſchanen wünſchten. Welch ein Wiederſehen! Welche Unter⸗ haltung! Eine bedeutſame Antwort, welche Johanna dem Gerardin d'Epinal, wir wißen nicht auf welche Frage gab, hat dieſer der Geſchichte aufbewahrt:Ich fürchte nichts als Verrathl Den alſo fürchtete ſie, und daß ſie ihn fürchtete, fürchtete ſogar in ihren ſchönſten Ruhmestagen, wer will es ihr verdenken, wenn er ſich der vielfachen Treuloſigkeiten erinnert, welche Johanna auf ihrer kurzen Laufbahn, ja ſo eben noch vor Troyes erfahren hatte, und dabei nicht vergißt, in wie hohem Grade ihr die Gabe der Geiſterprüfung verliehen war.

*) In dem von dem Stadtſchreiber zu Metz, Johann von Erſche(d'Eche) unterzeichneten Briefe O. V, 353sd. vom 16. Juli, findet ſich folgende Stelle:Auch haͤt er(Karl VII.) heren(Bouſſac), der ſin oeberſte capitanie iſt, für zwo ſtette uff Sant Margreten tag(13. Juli): diu eine heis⸗ ſet Sant Mancholt(Sainte-Menebould), die ander Bitry(Vitry); die ſint belegen, aber man meint, ſie gebent ſich uff. Der herczog von Angdy(Anjou), der grafe von Rechemont, der grave von Harecourt die ſollen uff durnſtag nach Sant Macgreten tag mit Konigin zu Renſe ſin, und

ſint geczunt jn Epernay, das heit ſich diſer wochen des(dem) König ergeben. Für dieſe An⸗ gaben, welche wir der Vollſtändigkeit halber nicht übergehen, finden ſich anderwärts keine Belege.