31
aufhebe und der Engliſch⸗Burgundiſchen Beſatzung die Erlanbnis gewähre, ſammt ihrer Habe frei und ungekränkt abzuziehen. Der König wan mit dieſen Bedingungen vollkommen zufrie⸗ den und ließ unverzüglich(4G. Juli) die Vertragsurkunde ausfertigen. Den Griſtlichen, welche das Friedenswerk ſo eifrig gefördert hatten, beſtätigte er ihre Pfründen, mochten ſis dieſelben ven ſeinem verſtorbenen Bater oder dem Engliſchen Königa erhalten haben, indem er ihnen letzterg durch nem, nnter ſeinem Ramen ausgeſtellte Urkunden verbriafte. Den Biſchof Joh. Leguifé und deſſen Familie belohnte er noch überdies durch Erhebung in den Adelſtandss. Freude herrſchte in Kroyes über den glücklichen Ausgang der Unterhandlungen. So feind⸗ felig ſich die Bürger bisher gegen ihren rechtmäßigen Herrn verhalton hatten, eben ſo entzückt waren ſie jetzt über ſeine außerordentliche Milde. Sie beklagten es, ihm ſo lange widerſtanden zu haben, und nannten in ihrer Begeiſterung Karl den beſcheidenſten, einſichtsvollſten und tapferſten Fürſten, der je aus Frankreichs edlem Herrſcherſtamme entſprungen ſei. Den ausgehungerten Kriegern des königlichen Hocres verabreichten ſie Speiſo und Trank nach Herzensluſt. Nur die Englifch⸗Burgundiſche Beſatzung war über den geſchloßenen Frieden höchſt misvergnügt. Dis Herrn von Rochefort und von Plancy ſowis die andern Ritter und Knappen, welche vermuthlich in dem Wahne geſtanden hatten, der König werde ſich mit einem Abkommen ähnlich dem von Auxerre begnügen, machten Miene, ihm die Thore zu verſchließen; allein die ganze Stadtgemeinde gab ihnen durch zahlreiche Veutreter ihren unabänderlichan Entſchluß kund, daß wenn ſie den Vevtrag, der im Intereſſe der öffentlichen Wohlfahrt gemacht worden, nicht auerkennen wollten, man auch gegen ihren Willen die Leute des Königs in die Stadt einlaßen würdoess. Erfüllt war ſanach, was die Jungſrau Tags zuvor ihrem Könige und ſeinem Kanzler im Rathe verausgeſagt hatte:„Morgen werdet Ihr Herr der Stadt ſein.“ In aller Frühe dos falgenden Tages(Sonntags des 10. Juli) räumte die feindliche Garniſon die Stadt. In der Eile, womit dis Verhandlungen gapflogen waren, hatte man vergeßen, über eine Anzahl Franzöſiſcher Gefangener, welche ſich in der Hand des Feindes befanden, eins Beſtimmung in den Vergleich aufzunehman. Die Burgunder und Engländer wollten nun anf Grund des Zugeſtändniſſes, das ihnen Hab und Gut mitzunehmen erlaubte, auch ihre Gefangenen mit ſich führen, um das Löſegeld nicht einzubüßen. Der Buchſtabe ſprach für ſie, und wahrſcheinlich würden ſie ihren Willen duchgeſetzt haben, wenn Johanna nicht geweſen wäre. Am Thore ſtehend, als die Beſatzung ausmarſchierte, rief ſie beim Anblick ihrer unglück⸗ lichen Landsleute:„Im Namen Gottes, ſie ſollen ſie nicht mit ſich nehmen!“ Ihr ganzes Weſen ſträubte ſich dagegen. Der König mußte ſich in's Mittel⸗ legen und die Gefangenen loskaufen, indem or fün jeden derſelben dem Boſitzer eine Mark Silber auszahlen ließss. Nunmehr betrat Johanna zuerſt die Stadt und ſtellte die Straßen entlang, von dem Thore an, durch welches der König einziehen ſollte, bis zu der Kathedrale die Bogenſchützen in Spalier auf. Nachdem allos in Trayes zum feſtlichen Empfang bereit war, begab ſich Jo⸗ hanna wieder zum König. Dieſer beſtieg ſein Pferd und erſchien gegen neun Uhr in glän⸗ zendem Aufzug in der Stadt. Neben ihm ritt Johanna, ihre Fahne tragend, das weitere Gefolge bildeten die Fürſten, die Marſchälle und Heerführer, alle in reichen Gewanden, auf ſtolzen Roſſen.“*) Der Zug bewegte ſich unter dem freudigen Zuruf der Menge in den Dom, wo ein feierliches Hochamt gehalten wurde. Nach dem Gottesdienſt empfing der König den üblichen Huldigungseid, gab der Stadt einen Amtmann in der Perſon ſeines Hausmeiſters Wilhelm Bellier ſowis mehrere Hauptleute und Offiziere und kehrte ſodann in's Lager zurückss.
*) 0, 1, 102. 292: Interrogata qualem reverentiam sibi fegerunt eives Trecenses, in ingressu villae: respondit quod ipsi reverentiam sibi nom fecerunt. Diait ultra quod, prout ei videtur, frater Ricardus intravit cum ipsa et suis villam Trecensem; sed non vecordatur an viderit eum in ingressu.— Interrogata au ipse frater Ricardus fecerit sermonem, in adventn ipsius Johanuae apud villam praedictam: respondit quod non ibi diu stetit, nee jacuit in villa; et de ser- mone nihil scit.— 1


