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4 (1860)
Entstehung
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um ihre Anſicht zu befragen, was nach dem dargelegten Sachverhalt am beſten zu thun ſei. Der Erzbiſchof ſchickte die Ermahnung voraus, daß jeder der Anweſenden ſeine Pflicht, dem Könige nach beſtem Wißen und Gewißen zu rathen, in Treuen erfülle: möge, und begann darauf die Stimmen zu ſammeln, indem er der hergebrachten Sitte gemäß, von den jüngern Mitgliedern ausgehend, bis zu den älteſten und bewährteſten fortſchritt. Die Meinungen waren getheilt, nur wenige riethen zur Gewalt oder zur Fortſetzung des Zuges nach Reims, die bei weitem überwiegende Mehrzahl hingegen erklärte ſich einhellig dahin: In Erwägung ſowohl der von dem Erzbiſchof angeführten Gründe, als inſonderheit des Umſtandes, daß hon die Stadt Auxerre, die doch weder ſo feſt noch ſo gut vertheidigt ſei, wie Troyes, dem Könige den Einzug geweigert habe, ſei es das Geeignetſte, wenn der König mit ſeinem Heere wieder an die Loire zurückkehre, weil ein längeres Verbleiben vor Troyes oder ein Weiterziehen nach Reims vorausſichtlich das völlige Verderben des ganzen Heeres zur Folge haben würdenn. So ſtand denn Johannas großes Werk, für das ſich Gott ſo ſichtbar mit Segen und Zeichen bekannt hatte, abermals auf dem Punkte, an dem Unglauben von Menſchen zu zerſcheitern, welche Augen nur zu haben ſchienen um nicht zu ſehen; aber Gott lenkte es anders, als die Selbſtſucht und Verzagtheit dachte. Als nämlich die Reihe der Abſtimmung an Robert Le Macon, Herrn von Tréves und weiland Reichskanzler, kam, da ſprach dieſer: Meiner Anſicht nach muß man Johanna herbeirufen, da ſie möglicher Weiſe einen dem König heilſamen Rath weiß. Der König hat den Feldzug unternommen nicht im Vertrauen auf ſeine große Heeres⸗ macht oder ſeine reichen Geldmittel, auch deshalb nicht, weil ihm derſelbe leicht ausführbar ſchien; vielmehr hat er die Heerfahrt einzig und allein auf Ermahnung der Jung⸗ frau beſchloßen, die ihm beſtändig zurief, er möge hinziehen zu ſeiner Krönung nach Reims, wenig Widerſtand werde er da finden, denn es ſei der Wille Gottes. Wenn Johanna nichts anderes vorbringt, als was bereits in dieſer Rathsſitzung geſagt iſt, dann ſtimme ich der allgemeinen Meinung bei, daß König und Heer dahin zurückgehen, woher ſie gekommen ſinds. Das war das rechte Wort zur rechten Zeit. Johanna ward herbeigerufen. achdem ſie ſich ehrfurchtsvoll vor dem König verneigt hatte, theilte ihr der Kanzler den Gegenſtand der Berathung mit und forderte ſie auf, dem Köͤnig ihre Anſicht darüber kund zu thun. Die Jungfrau wandte ſich darauf an den König mit der Frage, ob er ihren Worten glau⸗ ben würde. Karl erwiderte, wenn ſie etwas nützliches und vernünftiges vorbrächte, ſo wolle er ihr gern glauben. Zum zweitenmale fragte ſie, ob er ihr glauben würde. Eben der Glaube war ja das Ein und Alles, woran es dem König gebrach, weshalb er keine feſten Tritte thun konnte. Je nachdem Du reden wirſt, antwortete Karl bezeichnend genug.Edler Dauphin hob darauf Johanna an, laßt Eure Krieger kommen und die Stadt Troyes belagern. Haltet nicht ferner ſo lange Rath, denn im Namen Gottes, bevor drei Tage vergehen, werde ich Euch in die Stadt Troyes hineinführen, ſei's durch Güte, ſei's durch Gewalt oder Tapfer⸗ keit, und das falſche Burgund wird in große Beſtürzung gerathen.Johanna, entgegnete der Erzbiſchof, wäre man gewis, die Stadt in ſechs Tagen zu haben, man wartete gern; aber iſt denn das wahr, was Ibr ſagt?Zweifelt nicht daran, ſprach die Jungfrau, den Blick auf den König gerichtet: Morgen werdet ihr Herr der Stadt ſein. Niemand wagte ferner eine ſolche Glaubensſicherheit mit Worten anzufechten. Und wer hätte wohl die Stirn gehabt, wer ſich die Blöße geben mögen, auf einen noch früheren Abmarſch zu dringen? Kurz man beſchloß abzuwarten, ob Johannas Verheißung ſich erfüllen würde. Sofort beſtieg(8. Juli Nach⸗ mittags) Johanna ein Roſs, ſtellte ſich mit dem Banner in der Hand an des Heeres Spitze und führte daſſelbe in die Nähe der Stadtgräben. Darauf ſetzte ſie alle Krieger, wes Standes ſie ſein mochten, Ritter und Knappen nicht minder, als gemeine Soldaten und Werkleute in Thätigkeit. Während die einen Reisbündel zu Faſchinen herbeiſchleppen muſten, um damit die Gräben zu füllen, trugen die andern Balken, Thüren, Fenſter und Dachſparren zuſammen, ſo viele deren im Lager und in der Umgegend zu ſinden waren, um Sturmhütten und Schutz⸗ dächer daraus zu verfertigen. Auch wurden die wenigen Kanonen und Bombarden, welche