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4 (1860)
Entstehung
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Unwille darüber war groß, aberman wagte der Zeit nicht, gegen Herrn von La Trémouille zu ſprechen, obſchon jeder deutlich ſah, daß der Fehler von ihm herkam ¹s. Der Fehler, ſagt der Chroniſt und kurz vorher: zum ſehr großen Schaden für König und Reich. Allerdings, wir haͤtten eine andere Geſchichte, wenn ein Mann wie der Connetable am Staats⸗ ruder geſtanden und in demſelben Augenblick, wo Karl die Krönungsfahrt nach Reims an⸗ trat, eine tüchtige Armee gegen die von Truppen entblößte Hauptſtadt Paris geführt hätte.

Die Anſtrengungen, welche Johanna machte, um für die Bedürfniſſe der Truppen zu ſorgen und die Zurüſtungen zum Aufbruch zu beſchleunigen, grenzten an's Unglaubliche. In Wahrheit, ſie ließ ſich die Krone ſaurer werden, als der gemächlich hinträumende König. Letzterer erzählte ſpäter oftmals, er habe eines Tages die Jungfrau in Saint⸗Benoits) von aller Mühſal, die ſie ſich aufgebürdet, ſo erſchöpft geſehen, daß es ihm zu Herzen gegangen ſei, und er ihr geboten habe, ſich Ruhe zu gönnen. Darauf ſei Johanna in Thränen ausgebro⸗ chen und habe geſagt, er möge doch keinen Zweifel hegen, er würde ſein ganzes Reich wieder⸗ erhalten und binnen kurzer Friſt gekrönt werden ¹*. Die Jungfrau, welcher die Gabe die Geiſter zu prüfen und die Herzen zu durchſchauen verliehen war, ſtraft in dieſer Mah⸗ nung den Unglauben des Königs an ihre himmliſche Sendung und an den glücklichen Aus⸗ gang der Krönungsfahrt.*)

Trotz dem, daß ſo vielen Kriegern die Aufnahme in die Armee verſagt wurde, ſtieg die Zahl derſelben bis auf 12000 Manno. Die Prinzen von Geblüt und die Häupter des Adels waren faſt alle in Gien eingetroffen, um den König auf ſeinem Chrenzuge zu begleiten. Vorzugs⸗ weiſe genannt werden: der Herzog von Alencon, die Grafen von Clermont WKarl von Bourbon), von Vendôme(Ludwig von Bourbon), von Boulogne, von Dunois; die Marſchälle von Sainte-Sévère und von Rais; der Admiral von Culan; die Gebrüder von Laval; die Herrn von Thouars, von Sully, von Chaumont an der Loire, von Prie, von Chauvigny, von Aulon, Karl von Albret, Theobald von Armagnac genannt von Termes, Jamet von Tillay, Tugdual von Kermoiſan, Poton von Saintrailles, La Hire. Daß die Kabinetsräthe des Königs: der Kanzler von Frankreich: Reinhold von Chartres, Erzbiſchof von Reims, die Herrn von La Tré⸗ mouille, von Gaucourt und von Troves(Robert Le Macon) den Feldzug mitmachten, verſteht ſich von ſelbſt. Wie hätten ſie auch den Köͤnig inmitten ſeines Volkes allein laßen mögeni!

Das ganze Heer war von hohem Glaubensmuthe beſeelt:z, welchen Johanna beſtändig anfeuerte, indem ſie den Kriegern dieſelben Worte zurief, womit ſie im Rathe geſiegt hatteꝛ¹. Kein Mann wurde misvergnügt oder verzagt über den geringen Sold von 3 Franken, welchen der König jedem Soldaten in Gien auszahlen ließ24. Nur der König lieh noch immer den einſchüchternden Einflüſterungen der Räthe ſein Ohr und ſuchte Vorwand auf Vorwand, um die ganze Unternehmung zu vereiteln. Da that endlich Johanna, der Ausflüchte und Saum⸗ ſeligkeiten überdrüßig, einen kühnen Schritt und rückte am 27. Juni mit mehreren Haupt⸗ leuten und einem Theile des Heeres in's Feld. Vier Meilen von Gien machte ſie Halt, wahr⸗ ſcheinlich in Briare2s. Zwei Tage ſpäter, am Sanct⸗Petritag den 29. Juni, ſah ſich der König trotz alles Widerſtrebens endlich genothigt, der Jungfrau zu folgen.

Das auf dieſe Weiſe wiedervereinigte Heer ſchlug die Richtung nach Aurxerre einzs. Johanna ſtand zu dem Heere in dem nämlichen Verhältniſſe, wie bei den früheren Feldzügen; ſie hatte nicht den Oberbefehl, ſie war die lebendige Seele deſſelben. Unterwegs ſchloß ſie ſich nach Gutbefinden bald dem Hauptkorps bald dem Nachtrab oder Vortrab anz¹. Letzterer wurde

*) Le Brun de Charm, II, 249: C'est apparemment Saint-Benoft-Fleury, bourg situé sur la Loire, à une lieue au nord-ouest de Sully.

*) Q. Aperç. p. 23: Mais comme cette scéne eut lieu à la veille du voyage de Reims, dans un moment ou Jeanne usait de toute sa vertu pour le lui faire entreprendre et ou, au contraire, il cherchait mille prétextes pour s'y dérober(IV, 17), il s'ensuit qu'il ne pouvait pas causer de plus grand chagrin à la Pucelle que de lui parler comme il ſaisait. in