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con, Herr von Trèves, war unſtreitig der Beſte, aber nicht der Mann, die Ränke ſeiner Amtsgenoßen zu durchſchauen, geſchweige ihnen zu begegnenlk?’.. 1
Bir ſehen, und das iſt einer der tieftragiſchen Züge dieſer Geſchichte, daß während das Volk wie aus einem Munde und Herzen ſeiner Heldin Hoſianna rief, auch die Phariſäer nicht fehlten, welche der Jungfrau ihre gottgewieſene Bahn zu einem wahren Dornen⸗ und Kreuzes⸗ wege machten. Nicht in den Reihen der Engländer und Burgunder, im eignen Parteilager erwuchſen der Jungfrau die gefährlichſten Gegner und ſchlimmſten Feinde. Der Unglaube derjenigen, deren Heil Johannas Glaube werden ſollte, iſt ihres Lebens Qual und die letzte Urſache ihres Märtyrerthums geweſen.
Johanna verdoppelte ihre Thätigkeit angeſichts der eifrigen Gegenbeſtrebungen. Bereits am folgenden Tage(25. Juni) ſchickte ſie einen Brief an die Bewohner von Tournay, worin ſie dieſelben aufforderte:„Haltet Euch als treue Franzoſen und ſeid alle bereit zur Krönung Karls nach Reims zu kommen, wo wir in der kürze ſein werden; gehet uns entgegen, wann Ihr unſere Annährnng erfahret!s. Gleichzeitig richtete ſie an den Herzog von Burgund ein Schreiben ähnlichen Inhaltes!, und wir dürfen annehmen, daß ſie noch viele Einladungen der Art hat ergehen laßen. Wie die erſteren, ſo werden auch die übrigen redende Denkmale der Glaubensgewisheit geweſen ſein, womit Johanna bei jeder Gelegenheit die baldige Krönung Karls VII. verkündigteis.
Wahrſcheinlich an demſelben Tage forderte Karl durch Herolde die Befehlshaber der Feſtungen Bonny, Cosne und La Charité zur Unterwerfung auf. Alle drei gaben abſchlägige Antworten. Bonny in Feindeshand zu laßen, mochte dem König beſonders bedenklich erſcheinen, weil die Stadt in der Nähe von Gien lag. Deshalb ſandte er den Admiral von Culan mit zahlreicher Mannſchaft ab, um den Platz zu erobern. Das bloße Erſcheinen der Franzoſen genügte, um die Beſatzung zu Unterhandlungen zu beſtimmen, welche die ſofortige Räumung der Feſte(am 26. Juni) zur Folge hatten ¹s.
Um dieſelbe Zeit berief der König auf mehrſeitigen Wunſch ſeine edle Gemahlin, Marie von Anjon, nach Gien. Die hochherzige Frau kam in der Hoffnung, mit nach Reims zu gehen und die Krönungsfeier zu theilen. Allein im Rathe erhob ſich Widerſpruch dagegen. Die Königin war in dem Falle, daß der König fiel oder in die Gewalt des Feindes gerieth, die Regentin des Reiches und Vormünderin des Kronprinzen. Durfte man ſie der gleichen Gefahr mit dem König ausſetzen? Dieſer auf den erſten Blick ſehr beſtechende Gegengrund war im Munde des Herrn von La Trémouille und ſeines Gleichen ſchwerlich viel mehr als ein Vorwand, umdie einſichtsvolle Frau, welche das Unweſen der Günſtlinge am Hofe von jeher mit misfälligen Augen betrachtet hatte, nach wie vor von dem Könige fern zu halten. Die Frage wurde ſchnell im Sinne der Gegner entſchieden, worauf die Koͤnigin wieder nach Bour⸗ ges zurückreiſtenn. 1 3
Inzwiſchen ging Johannas Verſicherung:„Ich werde Leute genug haben, viele werden mir folgen“ auf eine Weiſe in Erfüllung, wie man kaum geahnet hatte. Von allen Seiten ſtrömten Adlige und Ritter mit ihren Geſolgſchaften, Soldaten und Bürgerwehrmänner zuſam⸗ men, um unter Johannas Erlöſerfahne dem Koͤnige nach Reims zu folgen. Niemand zwei⸗ felte an dem Gelingen, weil man in den Thaten der Jungfrau die ſicht⸗ und greifbare Gewähr für ihre göttliche Berufung zu haben glaubte; alle erklärten unumwunden, ſie ſeien bereit überall hinzugehen, wohin Johanna ſie führen würde. Adlige und Begüterte dienten auf eigne Koſten, manche Edelleute, die zu arm waren, um in ſtandesgemäßer Ausrüſtung zu erſcheinen, kamen auf kleinen Pferden, bloß mit Bogen oder Schwert bewaffnet. So groß war die Menge der Streiter,„daß man leichtlich haͤtte alles wieder erobern können, was die Engländer im Reiche beſaßen, wenn man alle, die da kamen, hätte annehmen wollen.“ Daß dies nicht ge⸗ ſchah, daſäde ſorgte der Herr von La Trémouille mit ſeinen ſauberen Amtsbrüdern. Angſt und bange ward ihnen für das eigne liebe Ich beim Anblick ſolcher Begeiſterung und jeden ſchickten ſie wieder nach Hauſe, von deſſen Geſinnung ſie ſich nicht völlig verſichert hielten. Der


