im Monat April, alſo vier Wochen nach Johannas Aukunft in Chinon bat La Trémouille den König von Aragon um eine Hülfsarmee. Erſt als die Unterhandlungen ſich an den Bedin⸗ gungen zerſchlugen, welche der König von Aragon ſtellte, und der Druck der Noth keinen andern Ausweg übrig ließ, that La Trémonille, was nicht zu ändern war, und entſandte Johanna mit einer Hand voll Kriegern zur Rettung Orleans. Sobald durch die Befreiung der Stadt die Hauptbedrängnis geſchwunden war, ward er der Hemmſchuh wenn nicht jeder weiteren, doch ſicherlich der großartigen Unternehmung, auf welche Johanna fortwährend hindrängte. Den ſelbſtſüchtigen Berechnungen des Höflings kamen auch in dieſem Falle die Fehler des Königs und zwar die Grundgebrechen deſſelben, die Gleichgültigkeit und die Trägheit, trefflich zu ſtatten, und er verſäumte nicht, ſie gründlich auszubeuten. Schon der Krieg an und für ſich muſte dem ſtarren Egoiſten widerwärtig ſein, weil er ihm wenigſtens keine Lorbeeren trug. Unter⸗ handlung, wenn auch mit Drangabe hochwichtiger Güter, war ſein Grundſatz, die Wege dazu ſich offen halten, ſeine Staatsweisheit. Nun gax der große Krieg, welche augenfälligen Gefahren drohte er ihm! Frankreich ſeufzte nach einem ſtarken Arm, um das Joch der Freind⸗ herrſchaft abzuſchütteln, und jedes tapfere Herz, das in Treue gegen König und Vaterland ſchlug, war der Schlaffheit ſatt und müde, welche am Hofe herrſchte. La Trémouille fühlte, daß er der Mann der Zeit nicht war, er wuſte, daß er weder die Liebe des Volkes noch des Heeres beſaß. Wie hätte er ſich auch dem Wahne hingeben können, man werde in Frank⸗ reich vergeßen, daß die Engländer, als ſie im Jahre 1428 die Orléanais unterwarfen, ſeine Stadt Sully verſchonten? Wem muſte nicht die Verbindung verdächtig ſein, worin der höchſte Reichsbeamte mit ſeinem Bruder und ſeinen übrigen Verwandten ſtand, welche ſämmtlich am Hofe oder in der Armee des Burgunderherzogs dienten? Das alles ſagte ſich La Trémouille ſelbſt und wie ein Geſpenſt verſoßhur ihn unaufhörlich der Angſtgedanke, vom Steuer des Staats hinweggeſtoßen zu werden. Zumeiſt zitterte er vor dem Connetable, der mit ſeinem zahlreichen Anhang, den rechten Augenblick erſpähend, in der Verbannung ſchmolltes. Was konnte unter dieſen Umſtänden eine Volkserhebung für La Trémouille bedeuten? welche Elemente des Widerſpru⸗ ches auf die Oberfläche treiben! Um keinen Preis alſo ein großer Krieg mit großen Heeresmaſſen! Ein Loirefeldzug und ſeines Gleichen allenfalls. Aber eine Heerfahrt nach Reims! die noch dazu den König ſelbſt an die Spitze ſeines Kriegsvolks rief! Wie ſollte hier jedem feindlichen Einfluß geſteuert, wie der Gefahr vorgebeugt werden, daß der Strom der Ereigniſſe den ſchwa⸗ chen Fürſten in eine der bisherigen entge ngeſhte Bahn hineinriß, wenn auch das ganze Kabinet ihn mit eiferſüchtiger Wachſamkeit anRand Auf alle dieſe Beſorguiſſe hatten die Erfahrungen des Loirefeldzuges das beſtätigende Siegel gedrückt. Richemond war trotz des ſchärfſten Gegen⸗ befehls durch die Macht der Verhältniſſe und Johannas Verbürgung zur Freude der Haupt⸗ leute wie der Krieger beim Heere zugelaßen worden, und einmüthig hatten in Chateauneuf die Kriegsoberſten Johannas Verwendung für den Grafen unterſtützt. In der That, La Tré⸗ mouille hätte nicht er ſelbſt ſein müßen, ſondern ein Kind von Einfalt und Argloſigkeit, wenn er ſich dem Krönungsfeldzuge nicht hätte mit aller Macht entgegenſtemmen ſollen. Nach⸗ dem aber vollends die Gewalt der Volksbegeiſterung, aller Gegenwirkung ungeachtet, der Jungfrau in Gien Siegeskraft gegeben hatte, war es für La Trémouille eine Lebensfrage ſeiner Machtſtellung, Johannas Einfluß Schranken zu ſetzens.— Als treuer Helfershelfer ſtand ihm in dieſem heilloſen Vorhaben der Erzbiſchof von Reims, Reinhold von Chartres zur Seite. Daß dieſer ſo wenig, als La Trémouille an Johannas göttliche Sendung glaubte, beweiſt die hinterliſtige Treuloſigkeit, womit er in Blois die Feldherrn von der Rückkehr nach Orleans zurückzuhalten trachtete. Heinctäete war überhaupt der widerlichſte Zug im Character des Pre⸗ laten, der Verlauf der Geſchichte wird noch mehrere Proben derſelben zu Tage legen 10.— Rudolph von Gaucourt hat ſeinem Unglauben ein glänzendes Zeugnis in Orleans ansgeſtellt. Wird er, der ſich auf ſeine früheren Kriegsthaten nicht wenig einbildete, der Jungfrau die Schmach verzeihen, womit ſie ihn am Morgen vor Erſtürmung der Brückenburg überhäufte und der Wuth des Volkes preisgabir?— Der Vierte im Rathe des Königs, Robert Le Ma⸗
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