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4 (1860)
Entstehung
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Gien nur von Maßnahmen zur Ausführung des Unternehmens die Rede ſein. Man denke ſich das Erſtaunen und den Schmerz der Jungfrau, als bei den Berathungen der Feldzug ſelbſt in Frage geſtelltwurde! Und waren es etwa neue Gründe, aus einer veränderten Sachlage geſchöpft, welche die Zweifler und Widerſacher in die Wagſchale zu werfen hatten? Nur die alten Einwände wurden wieder aufgefriſcht: Reims iſt von Gien hundert Meilen entfernt; viele feſte Städte und Plätze, von Engländern und Burgundern wohl beſetzt, ſperren den Weg; eine einzige Niederlage in Feindesland kann dem Heere, kann dem Könige und mit ihm ganz Frankreich zum Verderben werden.Das alles weiß ich wohl, entgegnete Johanna, und ümmere mich nicht darum. Denn Gott will es, daß der Dauphin nach Reims ziehe, um dort geſalbt und gekrönt zu werden. Die Zeit iſt da, darum getroſt vorwärts, alles wird glücklich gehen. Fürchtet nichts, wir werden niemand ſinden, der uns ſchaden könnte, auf keinen Widerſtand werden wir ſtoßen. Im Namen Gottes, ich führe den edlen Dauphin Karl ſicher ſammt ſeiner Armee und gekrönt wird er werden in Reims. Auch der Mangel an Geld wurde von den kleinlichen Seelen als Gegengrund vorgeſchützt.Macht Euch keine Sorge, ich werde Leute im Überfluß haben, und viele werden meiner Fahne folgen, verſetzte die Jung⸗ frau und verwies auf den lebendigen Thatbeweis ihrer Behauptung, der in den Scharen Freiwilliger und auf eigne Koſten Dienender aller Welt vor Augen ſtand. Dergeſtalt abge⸗ fertigt, nahmen die königlichen Räthe ihre Zuflucht zu Gegenvorſchlägen, in der Hoffnung, den Krönungsfeldzug abermals durch eine Zwiſchenunternehmung hinauszuſchieben. Die einen beſtanden darauf, daß zuvörderſt der ganze Loireſtrom von Feinden gereinigt, daß insbeſondere Bonny, Cosne, La Charité dem königlichen Scepter wieder unterworfen würden; die andern riethen, die Macht Englands in ihrem Hauptſitze, der Normandie, zu brechen, was der größeren Nähe halber viel leichter und gefahrloſer ſein werde. Mag immerhin die Idee, von dem Mit⸗ telpunkte der Franzoͤſiſchen Herrſchaft aus gegen die nächſtliegenden Städte und Länder der Feinde vorzugehen, den Grundſätzen entſprechen, welche eine beſonnene Kriegs⸗ und Staatskunſt unter alltäglichen Verhältniſſen einzuhalten hat: nach der glänzenden Thatbewährung der Jung⸗ frau und bei der damaligen Ohnmacht der Engländer ſind jene Vorſchläge, ganz abgeſehen von der hohen Bedeutung, welche die Kroͤnung in Reims für das rel di oltiſh Zeitbe⸗ wuſtſein hatte, im tiefſten Grunde weiter nichts, als klägliche Heuzmiſſ von dem Unglauben und Egoismus ihrer Urheber. Johanna ließ ſich auf keinerlei Zugeſtändnis oder Vermittlung ein.Es iſt Zeit, weil Gottes Wille, wiederholte ſie, ſobald der Dauphin gekrönt iſt, wird der Feinde Macht immer mehr zuſammenbrechen, zuletzt werden ſie weder dem Koͤnig noch dem Reiche ſchaden können. Aber nicht in der erſten Rathsſitzung errang Johanna durch die Beharrlichkeit ihres Glaubens den Sieg. Mehrere Tage lang zogen ſich die Berathungen hin, bis die Heerfahrt nach Reims nochmals zum Beſchluß erhoben und ein neues Truppen⸗ aufgebot in großem Maßſtabe angeordnet ward. Wer nun waren diejenigen, welche der Jungfrau abermals ſolche Schwierigkeiten in den Weg legten? Hunah der Koͤnig ſelbſt. Er war zu ſchwach zu einem ſtarken Glauben und deshalb jeder Einflüſterung des Zweifels preisgegeben, womit bald das eigne Herz, bald der Eigennutz ſeiner gewißenloſen Günſtlinge ihn zu berücken wuſten. Kaum gibt es auf dem weiten Gebiete der Geſchichte einen ſo ſchneidenden Gegenſatz, als den in ungläubiger Thatenſcheu hinbrütenden König und die in gottbegeiſterter Thatkraft glühende Heldenjungfrau. Nicht von Herzen Johannas Gegner, wurde er ihr ärgſter Plagegeiſt durch das Nichts ſeiner mattherzigen Halbheit und wantelmaͤthien Willensſchwäche. Die letzte Urſache alles Leides für Johanna aber war ihres Königs Unglaube. Sich ſelbſt und ſeine Aufgabe in ſeiner Zeit verſteht nur, wer ſich und die Welt aus Gott faßt. Nur das Bewuſt⸗ ein göttlicher Pflichten und Rechte gibt namentlich dem Fürſten das wahre Vertrauen zu ſich elber, gibt die Kraft der That und den Opfermuth für das allgemeine Wohl. Auch iſt's der Glaube allein, der den Character zu eiſerner Stärke vollendet. Karl entbehrte das alles, weil ihm das eine fehlte, was noth thut. Und weil dies, ſo erkannte er auch in Johannas Werken den Rath Gottes nicht und vermochte weder die Lage der Dinge im rechten Lichte zu ſchauen,