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Engländer zu entdecken, während die Maſſe der Vortruppen den Auftrag erhielt, den Feind, ſobald er aufgefunden wäre, durch unaufhörliche Plänkeleien und Neckereien in ſeinem Zuge aufzuhalten, namentlich aber zu verhüten, daß er ſich nicht hinter ſeinen Spitzpfählen ver⸗ ſchanze. Da man ſicher war, den Feind ſtets vor ſich zu haben, und demnach eine abgeſon⸗ derte Nachhut nicht bedurfte, ſo wurde der ganze Reſt der Armee zu einem großen Heerhaufen⸗ mit ſorgfältigſter Gliederung verbunden, angeführt von Johanna, dem Herzog von Alencon, den Grafen von Richemond, von Dunois und von Vendome, den Marſchällen von Nais und von Sainte⸗Séveère, dem Admiral von Culan, den Herrn von Gaucourt, von Chauvigny, von Albret, beiden Brüdern von Laval u. ſ. w. Beſtändig in Reihe und Glied, um jeder⸗ zeit ſchlagfertig dazuſtehen, ſollte die Hauptmacht unterwegs ſo nahe und raſch, als möglich, der Vorhut auf dem dße folgen. Dergeſtalt zweckmäßig geordnet und vom beſten Geiſte beſeelt, ſetzte ſich die ganze Armee gleich darauf in Bewegung. Meun rechts liegen laßend, zog ſie fünf bis ſechs Stunden lang durch die waldreichen Ebenen der Beauce mit von Kampfbegier beflügelter Schnelligkeit, ohne die Engländer, welche einen beträchtlichen Vorſprung hatten, zu Geſichte zu bekommen. Letztere waren in beſter Orduung ſchon bis auf eine ſtarke halbe Stunde von dem großen Dorfe Patay vorgerückt, als die Streifreiter ihrer Nachhut eine bedeu⸗ tende Menſchenmaſſe bemerkten. Hurtig ſprengten ſie, weil das Heranuahen des Franzoſen⸗ heeres vermuthend, zu dem Hauptkorps, welches Falſtolf, Talbot, Rameſton u. ſ. w. befehligten, und meldeten den Feldherrn, was ſie geſehen. Um ſich von der Richtigkeit der Wahrnehmung zu überzeugen, ſandten dieſe auf der Stelle Kundſchafter aus, ließen bis zu deren Rückkunft das ganze Heer Halt machen und gingen mit einander zu Rathe. Wohl hätten ſie bei angeſtreng⸗ tem Marſche die Feſtung Yenville noch erreichen koͤnnen, welche nur 2 Stunden von Patay entfernt war, aber je entſchiedener Falſtolf dazu ermahnte, und auf die Ungunſt des Glückes hinwies, deſto hartnäckiger beſtand Talbot auf ſeiner Forderung, die Ehre Englands durch eine offene Feldſchlacht zu retten. Energie und Anſehn verſchafften ihm die Oberhand und es war ſein Werk, daß der Beſchluß durchging, dem Feinde auf freiem Felde die Stirn zu bieten. Kurz darauf brachten die abgeſchickten Reiter die Beſtätigung, daß die ganze Heeresmacht der Franzoſen mit ſtarken Schritten herankäme. Es handelte ſich nunmehr bloß noch um die Wahl des Kampfplatzes. Einige ſchlugen vor, an Ort und Stelle ſtehen zu bleiben, und ſich mit dem Rücken an eine Hecke zu lehnen, welche in nächſter Nähe ſtand. Andere hielten es für vortheilhafter, noch eine Strecke weiter vorzugehen, bis an den Wald von Patay, welcher ſeiner ganzen Länge nach von dichten Hecken und Gebüſchen umſäumt war, und ſomit die beſte Rückendeckung gab. Dieſer Vorſchlag fand den Beifall der Mehrheit. Alles kam auf ſchnelle Ausführung an. Demgemäß erhielt die Vorhut die Weiſung, ſammt der Artillerie und Bagage eiligſt bis dicht an das befeſtigte Kloſter von Patay vorauszumarſchieren und ſich längſt des Waldſaumes aufzuſtellen. Die Hauptmacht ſollte unmittelbar nachfolgen und die Nachhut aufs ſchleunigſte herangezogen werden. Der Vortrab führte den Befehl ſofort aus. Darauf ſetzte ſich das Hauptkorps in Bewegung und marſchierte bis zu einem Engpaſs, Coynces genannt, welcher durch eine ſtarke, dem Waldſaum parallel laufende Hecke gebildet wurde. Dieſer Paſs, durch welchen die Franzoſen vordringen muſten, um ihre Gegner zu er⸗ reichen, erſchien Talbot zur Vertheidigung dergeſtalt geeignet, daß er ſich entſchloß, denſelben mit 500 auserleſenen Bogenſchützen ſo lange beſetzt zu halten, bis die Nachhut das ſie erwar⸗ tende Hauptkorps hinter dem Hohlweg eingeholt haben würde. Sobald dies geſchehen, wollte er ſich auf die Hauptmacht hinziehen, möchten die Franzoſen bereits angelangt ſein, oder nicht. Der Plan war gut, das Gelingen davon abhängig, daß die verſchiedenen Heerestheile der Engländer Zeit behielten, ſich vor Ankunft des Feindes mit einander zu verbinden, in kunſt⸗ gerechter Schlachtordnung aufzuſtellen und ſich an allen, dem Angriff offenen Punkten mit Spitzpfählen zu umſchanzen. Die ungeſtüme Kampfluſt der Franzoſen machte jede Berech⸗ nung zu Schanden. Die Vorreiter ihrer Avantgarde hatten, bevor ſie den Aufenthalt der Feinde aufgeſpürt, einen Hirſch aus ſeinem Verſtecke aufgejagt. Das ſcheue Thier lief in nord⸗


