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Mehrere der letzteren, unter andern La Hire, ſprachen zu Gunſten des Grafen, Alenſon aber erklärte auf Grund des ihm gewordenen Verhaltungsbefehles, Arthurs Bitten nicht willfahren zu können, und drohte ſogar, im entgegengeſetzten Falle das Heer augenblicklich zu verlaßen. Johanna, deren ſtetes Bemühen darauf gerichtet war, alle Kräfte Frankreichs in Enacht gegen den Reichsfeind zu verbinden, muſte wenn auch mit ſchwerem Herzen Alencon Recht eben⸗ weil des Königs Gebot für ſie ſo lange als möglich Richtſchnur des Handelns war. die Mehrzahl der Generale folgte ihrem Vorgange, und ſo kam der Beſchluß zu Stande, dem Grafen einen abſchläglichen Beſcheid zu geben und ihn zugleich zu bedeuten, daß man ihn noͤ⸗ thigenfalls mit bewaffneter Hand zurückweiſen würde. Darüber war es Abend geworden. Die Vorbereitungen der Belagerung aber wurden nicht unterbrochen, ſondern während der ganzen Nacht die Kanonen aufgepflanzt, um in aller Frühe das Werk der Zerſtörung zu be⸗ ginnen:s. Als der Morgen ſo eben graute, durchhallte der Geſchützesdonner die Stadt und⸗ währte den ganzen Tag(Freitag 17. Juni) ohne Anierhrkchund fort. Die Belagerten erwi⸗ derten von Brücke und Citadelle das Feuer mit Nachdruck, aber ſie konnten ſich nicht verhehlen, daß an erfolgreichen Widerſtand gegen eine ſolche Übermacht durchaus nicht zu denken ſei. Schneller Uutſat blieb das einzige Rettungsmittel. Sie Lerſahen daher einen Reiter mit ſchriftlichen und mündlichen Aufträgen an Talbot und brachten den elben mittels eines kräftigen Ausfalls aus den Mauern der Stadt. Während der Bote in ſcharfem Ritt Yenville zueilten“, rückte der Graf von Richemond mit ſeinen Begleitern Baugenci näher und ließ Johauna demüthig bitten, ihm Verzeihung und Gnade beim König zu erwirken und ihn mit ſeiner ganzen Macht in den Dienſt des Königs aufzunehmen. Es kam zu ähnlichen Auftritten, wie am Abend vorher, und namentlich beharrte Alengon uerfantntih bei ſeinem Vorſatze. Mit einem Male traf die Kunde ein, das ganze Engliſche Heer ſei unter Talbot und Falſtolf im Aumarſch. Wie ein Blitz durchzuckte die Nachricht Feldhern und Soldaten. Der Ruf: Zu den Waffen! erſcholl. Damit gewann die ganze Sachlage eine veränderte Geſtalt, die ſtreitige Frage eine höhere Bedeutung. Johaun gab der allgemeinen Stimmun den entſpre⸗ chenden Ausdruck: Die Noth gebicket, daß man ſich wechſelweiſe unterſtütze. Pat Alençon war es Ehrenſache geworden, ſich in kuiſcheldenber Stunde nicht vom Heere zu entfernen. Er ſelbſt wie die übrigen Kriegsoberſten erſuchte Johanna, aus eigner Machtvollkommenheit die Bitte des Grafen zu gewähren und nachträglich den Frieden deſſelben mit dem Koͤnig zu ver⸗ mitteln. Johanna übernahm die Verantwortung unter dem Vorbehalt, daß der Connetable in ihrer und der Oberſten Gegenwart ſchwöre, dem Könige beſtändig als treuer Unterthan zu dienen und nimmer etwas zu thun oder zu ſagen, was dem König misfallen könnte. Um den Connetable unverbrüchlich an dieſen Schwur zu binden, verlangte Johanna überdies, daß ſich die Generale durch Brief und Siegel verpflichteten, gegen den Grafen vereint aufzutreten, ſofern er ſeinen Eid jemals brechen ſollte. Darauf wurde Arthur ſammt ſeinen Kriegern mit Freuden empfangen und ihm der Eid abgenommen. Bei der Begrüßung ſoll er die Jungfrau mit den Worten angeredet haben:„Johanna, man hat mir geſagt, Ihr wolltet mich bekämpfen. Ich weiß nicht, ob Ihr von Gott ſeid oder nicht, ſeid Ihr von Gott, ſo fürchte ich Euch anz und gar nicht, denn Gott kennt meinen guten Willen; ſeid Ihr vom Teufel, ſo fürchte ich Euch noch weniger“ 75.. 21. e Diesmal war die Botſchaft von dem Anrücken der Engläuder kein blinder Lärm. Talbot war an dem Morgen(16. Juni), wo die Franzoſen vor Baugenci erſchienen, in Yenoille angelangt und hatte die Engliſchen Feldherrn, bei denen auch Thomas von Scales aus Meun angekom⸗ men war, rückſichtlich der Frage, was unter den bewandten Umſtänden zu thun ſei, in großer Unſchlüßigkeit gefunden. Der beſonnene Falſtolf ſetzte im Kriegsrath die Gefahren auseinander, welche nach ſo vielen Niederlagen und ſo augenfälliger Entmuthigung der Soldaten dem Ver⸗ ſuche, Baugenci zu entſetzen, offenbar im Wege ſtanden. Er rieth, die Belngerten dem Geſchick der Unterhandlung zu überlaßen und ſo lange jedem Zuſammenſtoß mit dem ſiegberauſchten Feinde auszuweichen, bis man demſelben bedeutendere Kriegermaſſen entgegen merien könnte,


