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Guethin und Mathe-Gough, überließ ihnen zur Vertheidigung der Feſte 500 bis 600 Krieger und eilte ſelbſt mit etwa 320 Mann nach Yenville, um Falſtolf zur ſchleunigſten Hülfleiſtung aufzurufen?!. Gegen Mittag(16. Juni) erſchien die Franzöſiſche Armee vor Baugenci. Im erſten Anlauf ward die Stadt genommen, denn die Engländer, zu ſchwach um ernſthaften Widerſtand zu leiſten, zogen ſich in das feſte Schloß und das Brückenbollwerk zurück. Die Beſetzung der Stadt ging jedoch für beide Theile nicht ohne einige Opfer an Todten und Verwundeten von ſtatten, indem mehrere beherzte Engländer ſich in den Häuſern verbargen und aus ihrem Hinterhalte plöͤtzlich über die Franzoſen herfielen, welche keiner Gefahr gewär⸗ tig Quartier ſuchten. Unmittelbar nach dem Einzug in die Stadt wurden ſtarke Wachen vor die Burg und Brücke delegt um mögliche Ausfälle der Belagerten zurückzuſchlagen, und die zu einem kräftigen Bombardement erforderlichen Geſchützſtücke ausgewählt:2. Mit dieſer Vor⸗ bereitung war man noch beſchäftigt, als ein Ereignis eintrat, welches die Fackel der Zwie⸗ tracht unter die Franzöſiſchen Heerführer zu werfen drohte.
Der Connetable Arthur, Graf von Richemond, hatte ſeit ſeiner Verbannung vom Hof und Heer(1427) zu Partenay in einer Zurückgezogenheit gelebt, die für einen Mann ſeines Characters um ſo drückender ſein muſte, je dringender mit jedem Tage die Lage Frankreichs ſeine Dienſte zu erheiſchen ſchien. Geradezu unerträglich wurde für den Grafen dieſe ernie⸗ drigende Unthätigkeit, als Johannas Heldenthaten vor Orleans jedes edle Franzoſenherz mit Vaterlandsbegeiſterung durchflammten, und der Koͤnig alle Getreuen ſeines Volkes zum Frei⸗ heitskampfe unter die Fahnen rief. Jetzt, wo alle Schwerter gegen den Erbfeind gezückt wur⸗ den, machten Ehrgeiz und Vaterlandsliebe es dem Grafen durchaus unmöglich, das Schwert des Connetable, welches zuerſt unter allen für des Reiches Sicherheit und Wohlfahrt gezogen werdenſollte, unthätig in der Scheide roſten zu laßen. Ausgeſchloßen auf La Tremouilles Betrieb aus der Sant der Edlen, welche Karl zur Vertheidigung ſeines Thrones berufen hatte, faßte Arthur den ſtolzen Gedanken, ſich ſogar wider ſeines Königs Willen in die Reihen der Frei⸗ heitskämpfer zu ſtellen. In dieſer Abſicht ſammelte er, durch den Herzog von Alençon von dem bevorſtehenden Loirefeldzuge benachrichtigt, in Poitou und der Bretagne eine anſehnliche Kriegerſchar und verband dieſelbe mit den Garniſonen von Sablé, La Floche und Duretal zu einem Truppenkorps von 1200 Reitern und 800 Bogenſchützen.“*) Der Graf von Perdriae, die Herrn von Beaumanoir und Roſtrenen ſowie die Bretagniſchen Edlen Robert von Mon⸗ tauban, Wilhelm von Saint⸗Gilles, Alain von La Feuillée führten nebſt anderen Rittern unter des Connetable Oberleitung die kleine Armee in's Feld. Arthur ſchlug die Richtung nach Orleans ein, dem Sammelpunkte der Franzoſen nach Jargeaus Erſtürmung. Sobald der Koͤnig Kunde davon erhielt, ſchickte er den Herrn von La Jaille dem Grafen nach Loudun mit dem drohenden Befehle entgegen, ſofort umzukehren und keinen Schritt weiter zu gehen, widrigenfalls er Gewaltmaßregeln gegen ihn ergreifen würde. Was ich thue, erwiderte Arthur trotzig, geſchieht zu des Reiches und des Köͤnigs Beſtem, und ich möchte den ſehen, der mir das wehren will. Darauf verfolgte er ſeinen Marſch weiter, ſetzte über die Vienne und ge⸗ langte durch Amboiſe und Blois bis in die Nähe von Baugenei, deſſen Belagerung er in Amboiſe erfahren hatte. Unverweilt ließ er durch die Herrn von Roſtrenen und Tugdual von Kermoiſan den Herzog von Alencon um die Erlaubnis erſuchen, mit ſeinen Leuten ſich dem königlichen Heere anſchließen zu dürfen. Inzwiſchen hatte der König dem Herzog von Alencon den gemeßenſten Auftrag ertheilt, dem Connetable unter keiner Bedingung Aufnahme bei der Armee zu geſtatten. Alencon ging ſogleich mit Johanna und den Feldherrn zu Rathe.
) So berichtet, wahrſcheinlich übertreibend, des Grafen Lebensbeſchreiber Wilhelm Gruel, 0. IV, 316. Journal redet von 1500, 0. IV, 178, Johann Chartier, O. 1V, 66 und 70, weiß von nicht mehr als 1000 bis 1200(vergl. O. IV, 249), Perceval von Cagny, 0. IV, 14, ſogar nur von 500 bis 600 Streitern. Die Brüder von Laval, 0. V, 108, geben 600 hommes d'armes und 400 hommes de traict an. Vergl. IV, 238 und 240. 2406.—


