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„ich werde nur ein Jahr und etwas darüber dauern,*) denket darau, in dieſem Jahre tüchtig zu wirken²s. Vor der Kirche rief ſie den Prieſtern zu:„Ihr Leute der Kirche ſtellet Proceſ⸗ ſionen und Gebete zu Gott an!“ und ritt ſodann mit dem Marſchall von Sainte-Sévère und einem bedeutenden Gefolge, welches theils aus Soldaten theils aus Bürgerwehr beſtand, nach Romorantin?:!. Am 8. Juni folgte ihr der Herzog von Alencon?s. 1800 Mann waren in Romorantin vereinigt, die Truppen aus Orleans fehlten noch. Letztere wurden nicht abge⸗ wartet, ſondern noch an demſelben Tage der Marſch in der Richtung auf Orleans angetreten. Die Nacht brachte man in einem Walde zu, vor welchem am nächſten Morgen die Mannſchaft von Orleans unter dem Grafen Dunois und Florent d'Illiers ankam. Durch dieſen Zuwachs ſli das Heer auf die Zahl von 3600 Kriegern, allerdings eine kleine Schar für eine ſolche es zumal wenn man erwog, daß die Engländer mit einer überlegenen Unterſtützungs⸗ armee im Anzuge waren. Viele der Kriegsoberſten waren deshalb der Meinung, der Feldzug müße einſtweilen noch aufgeſchoben werden, bis das Heer eine größere Stärke erlangt hätte. Als Johauna die Beſorgnis derſelben bemerkte, ſprach ſie:„Fürchtet Euch vor keiner Ueber⸗ macht und traget kein Bedenken, die Engländer anzugreifen, denn Gott leitet Euer Werk. Wäre ich nicht ſicher, daß Gott unſere Sache führte, ich würde lieber die Schafe hüten, als ſolchen Gefahren mich preisgeben?«“ Dies Wort des Glaubens drang zu Herzen. Der Marſch ward fortgeſetzt nach Orleans, wo der ganze Zug am 6. Juni eintraf, gerade einen Monat ſpäter, als Johanna die Stadt verlaßen hatte. Die Bürger waren in lauter Freude, ihre Retterin wiederzuſehenso. Sie hatten aus Dankbarkeit und in der Hoffnung, des Druckes ledig zu werden, den die feindliche Beſetzung der Nachbarſtädte auf Orleans ausübtest, bereits große Anſtrengungen gemacht, um das königliche Heer mit Nahrungsmitteln, Artillerie und Leuten zu verſorgens², und wie es ſcheint, begeiſterte die Gegenwart der Jungfrau viele Einwohner zu dem Entſchluße, ſich noch nachträglich in die Reihen der Kämpfer zu ſtellen. Wenigſtens wird die Zahl der Krieger, mit welchen Johanna ins Feld rückte, von den Fuverläßigſten Berichter⸗ hetiern zu zweitauſend bis dreitauſend Mann und ebenſo viel oder noch mehr Bürgermiliz an⸗ eeſchlagenss.. 3 Sonnabend den 11. Junis“ ſetzte ſich gegen 12 Uhr die Armee, mit zahlreichem Geſchütze verſehenss und geführt von dem Herzog von Alençon, dem Marſchall von Sainte⸗Sévére, den Grafen Dunois und von Vendôme(Ludwig von Bourbon), dem Admiral von Culan, den Herrn von Graville, von Loré, Florent d'Illiers, Walther von Bruſac, Jamet von Tillay, Tugdual von Kermoiſan, La Hire u. ſ. w. unter Johannas Panierss nach Jargeau in Bewegungs:.
Jargeau war nach Orleans derfeſteſte Platz der Orléanais und dermalen der Hauptſtützpunkt der Engliſchen Macht an der Loire. Der Graf von Suffolk, welcher ſeit dem Abzuge von Orleans den Oberbefehl in Jargeau führte, hatte mit ſeinen Brüdern, Johann und Alexander Poless, die Zeit der Waffenruhe eifrig benutzt, um Stadt und Brücke in tüchtigen Vertheidigungsſtand zu ſetzen, indem er inſonderheit für eine ausreichende Anzahl grober Geſchützſtücke Sorge trugso. Die Beſatzung beſtand theils aus 600 bis 700 Mann Engliſcher Kerntruppen⸗o, theils aus den wehrhaften Bürgern von Jargean, welche der Engliſchen Fremdherrſchaft ebenſo entſchieden zugethan waren, wie die Bewohner der Schweſterſtadt Orleans feſtgehalten hatten an der Treue gegen den rechtmäßigen Landesherrn..
Die Franzoſen erwarteten, der Graf von Suffolk werde ſich dem Grundſatz gemäß, den er vor Orleaus beobachtet hatte, in die Ringmauern von Jargeau einſchließen und ihnen die Vor⸗ ſtädte ohne Schwertſchlag preisgeben. Allein in dieſer Erwartung fanden ſie ſich getäuſcht. Was der Graf vor Orleans, wo ihm eine zahlreiche Armee zu Gebote ſtand, aus übertriebener
) Desjardins, S. 72: Son admirable instinct l'avertissait que des missions telles que la sienne sont d'autant moins durables qu'elles sont plus éclatantes.


