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3 (1859)
Entstehung
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ten zur Berathung in ſeine Nähe beſchied. Denn die ſchleunigſte und nachdrücklichſte Verfolgung des Sieges, damit der Feind ſich von dem erſchütternden Schlage nicht erhole, war unter allen Umſtänden gebotene Pflicht, mochten die Anſichten über das Wie der Kriegführung noch ſo verſchieden und der Mangel an Geld noch ſo fühlbar ſein. So aber ließ der König die Armee von Orleans erſt auseinandergehn, ganze Wochen wurden ähnlich wie in Chinon und Poiti⸗ ers mit Berathungen vergeudets, die bei gutem Willen kaum ebenſo viele Stunden erfordert hätten, und als endlich nach Monatsfriſt ein neues Heer ausgerüſtet war, hatten die Feinde Zeit genug gefunden, eine Streitmacht von 4000 bis 5000 Mann zuſammenzubringen, welche den bedrohten Loirefeſtungen zu Hülfe eilen ſolltes.

Vor dem Richterſtuhle der königlichen Räthe fand Johannas kühner Plan durchaus keinen Beifall. Lediglich den Maßſtab menſchlicher Klugheit anlegend, erklärten ſie denſelben für gänzlich un⸗ annehmbar. An Gegengründen fehlte es ihnen nicht. Sie ſtellten vor, der König habe nicht Geld genug, um eine ſo ſtarke Armee zu unterhalten, als zur Ausführung eines ſolchen Unter⸗ nehmens erforderlich ſei, und machten namentlich geltend, daß der Weg nach Reims hundert Meilen weit durch Feindesland gehe, wo eine einzige Niederlage dem von allen Hülfsquellen abgeſchnittenen, jedes Rückhaltes entbehrenden Heere Vernichtung drohe. Bevor man ſich 4 ferne Ziele ſtecke, gebiete die Vorſicht, die nächſt gelegenen Länder wieder zu unterwerfen; ehe von einer Heerfahrt nach Reims die Rede ſein könne, müſten erſt die feſten Plätze an der Loire den Engländern aus den Händen gerungen werden 1*. Johanna beharrte dabei, die Zeit ſei gekommen, wo Karl, um Krone und Salbung zu empfangen, nach Reims aufbrechen müße. Bei meinem Gotte, ſagte ſie, ich werde den edlen Dauphin und ſeine Leute ſicher und ohne Hindernis nach Reims führen, und da werdet Ihr ihn kroͤnen ſehen. Wenn der Dauphin ge⸗ krönt und geſalbt iſt, wird die Macht der Gegner immer mehr zuſammenſchmelzen,*) und ſie werden zuletzt weder ihm noch dem Reiche zu ſchaden vermoͤgen. Die Zuverſicht, womit Jo⸗ hanna redete, war ſo überwältigend, und ihre Thaten vor Orleans fielen ſo ſchwer in's Ge⸗ wicht, daß niemand offen zu widerſprechen wagten. Und wer moͤchte zweifeln, daß ihre Ver⸗ heißung ſchon jetzt That und Wahrheit geworden wäre, wenn ihr Glaube vollen Widerhall am Hofe gefunden hätte?

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*) Wie eng nach Johannas Idee vom Franzöſiſchen Königthume der Empfang der Krone mit dem Zerkall der feindlichen Herrſchaft zuſammenhängt, ſ. II. Theil,§. 2, S. 12 und S. 21 Anm. 1 Thl. S. 34. Haſe, S. 30: die Jungfrau blieb bei dem Gebote ihres Gottes, daß ſie den Dauphin nach Reims führen müße; und es lag eine tiefe Politik darin. Ein Theil von Frank⸗ reich hatte ſich dem fremden Könige unterworfen, der doch auch das Kind einer Tochter Frank⸗ reichs und unter gewiſſen Rechtsformen eingeſetzt war. Damals, wo religiöſe Traditionen noch die Gemüther beherrſchten, war es von unberechenbarer Wichtigkeit, wenn der Friede einem eini⸗ gen und ſelbſtändigen Volke wiederkehren ſollte, daß das gure Recht des eingebornen Königs, erſchüttert durch ſeine Gegenwart bei einem Verbrechen, durch Vater und Mutter ſelbſt ihm abgeſprochen, als ein göttliches Recht anerkannt würde durch jene Weihe, die ſeit Jahrhunderten den Königen von Frankreich im Dome zu Reims ertheilt worden war, und Karl VII ein Ge⸗ ſalbter Gottes werde, wie ſeine königlichen Abnen. Der Jungfrau war das freilich nicht Politik, ihre Heiligen haben's ihr geſagt, es iſt der kirchlich romantiſche Geiſt ihrer ganzen Erſcheinung, das Kind des Volkes fühlt aus des Volkes Herzen heraus, und der König, obwohl bereits zu Poitiers gekrönt, iſt ihr nur der zum Königthum berufene Dauphin, bis der wahre König von Frankreich, der König des Himmels, ihm durch den Erzbiſchof von Reims das Reich übergeben und ſeine Stirn geſalbt haben wird aus der heiligen Ampulla, die nach dem Glauben des Franzöſiſchen Valkes einſt zur Taufe Chlodwigs eine Taube vom Himmel gebracht hat, und aus welcher die Könige Frankreichs geſalbt worden ſind, bis Frankreich hoffte, nie wieder einen König zu ſalben und ein Deputierter des Convents die heilige Ampulla auf dem Straßenpflaſter zer⸗ ſchlug. Desjardins, S. 69: La jeune üllle qui sortait du peuple, savait aue, dans l'opinion populaire c'était le sacre qui légitimait les rois; en meme temps elle sentait que, dans les