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3 (1859)
Entstehung
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1§. 4.. Der Feldzug an der ſoirt.

Die Jungfrau nahm ſich nicht die Zeit, auf ihren Siegeslorbeeren inmitten eines dank⸗ baren Volkes auszuruhen, ſondern wohl wißend, daß ihr zur Rettung des Vaterlandes eine nur kurze Friſt verſtattet ſei, beſchloß ſie, ſchon am folgenden Tage Orleans zu verlaßen. Johanna lebte nicht ſich ſelber, ihrem Gott und ihrem Berufe lebte ſie. Der Herzpunkt ihrer Miſſion aber war der Auftrag, den König nach Reims zu führen, damit er zum Statthalter Gottes über Frankreich gekrönt werde, und kaum war daher in der Befreiung von Orleans gleichſam die Vorbedingung dazu erfüllt, ſo war dies der einzige Gedanke, welcher Johannas ganze Seele mit heiliger Begeiſterung durchglühte. Perſönlich wollte ſie dem König die Kunde von den großen Thaten bringen, die Gott durch ſie vor Orleans vollbracht hatte, und ihn auf Grund der himmliſchen Beglaubigung, welche die Werke ihren Worten verliehen, zum Krö⸗ nungszuge nach Reims aufrufent. Demgemäß nahm ſie am Morgen des 9. Mai, von ihren Wirtsleuten, denen ſie zum Andenken ihr Barret ſchenkte?, und von den Bürgern Orleaus Ab⸗ ſchied. Dieſe weinten Freudenthränen und äußerten unter den lebhafteſten Dankesbezeugungen, Johanna möge mit ihnen unt ihren Gütern fortan ſchalten, wie es ihr beliebe. Freundlich dankend begab ſich die Jungfrau auf ihregottgewieſene Reiſe, begleitet von dem Marſchall von Rais, dem Herrn von Coulonces und mehreren Ritterns. An demſelben Tage kam ſie nach Blois, wo ſie auch am 10. Mai verweilte.. Am 11. Mai brach ſie auf nach Tours und traf daſelbſt wenige Stunden vor Ankunft des Königs ein, welcher ſich von Chinon aufgemacht hatte, um ſeine Wohlthäterin auf halbem Wege zu begrüßen:.

Als die Jungfrau vor dem König erſchien, fiel ſie ihm ſogleich zu Füßen und ſprach, ſeine Kniee umfaßend:Edler Dauphin, ziehet hin nach Reims, Eure Salbung zu empfangen. Es liegt mir ſehr an, daß Ihr dahin gehet, und habt des keinen wetter daß Ihr in dieſer Stadt die Salbung erhalten werdet, die Euch gebührts. Karl hieß ſie aufſtehen und behan⸗ delte ſie überhaupt mit großer Auszeichnung und Herzlichkeit; auch die Hofleute wetteiferten, ihr die Huldigung darzubringen, welche ſowohl die Frömmigkeit ihres Wandels, als die Wunder ihrer Kriegsthaten verdientens.

Jetzt muſte ſich's zeigen, ob der König die über alle Erwartung glückliche Befreiung Or⸗ leans als das von ihm im Gebet erflehte Zeichen anerkannte, wodurch Gott das Siegel der Beſtätigung auf Johannas Bekenntniſſe und Verheißungen drückte. Glaubte der König unbe⸗ dingt, ſo muſte er ſonder Zagen und Wanken die Rathſchläge ſeiner gottbegeiſterten Prophetin be⸗ folgen, jedem Widerſpruche menſchlicher Weisheit, mochte er aus der eignen Bruſt oder aus dem Munde ſeiner Räthe kommen, Schweigen gebieten und in feſter Zuverſicht der Hoffnung die Bahnen gehn, welche der Wille des Herrn ihm durch die Jungfran vorzeichnete. Zu einem ſolchen Glauben gehört ein ſtarker Charakter, ungetheilt gibt nur der Starke ſich hin, nur er beſitzt die Kraft, ſeine ganze Perſönlichkeit in die Durchführung einer großen Idee zu legen. Karl war zur Zeit nicht Mann genug, das erhabene Ziel, welches ihm die Jungfrau vor die Augen ſtellte, ſofort mit ſiegesfrohem Glauben zu erfaßen und mit beharrlicher Thatkraft zu verfolgen; die Schwäche der Unentſchiedenheit und Unthätigkeit bildete ſo ſehr den Grund⸗ zug ſeines Characters, daß er ſich nie zu ſelbſtändigen Entſchlüßen erheben konnte, ſondern einem ſchwankenden Rohre gleich von jedem Winde der Meinungen treiben ließ. Auch jetzt konnte er ſich zu keiner anderen Maßnahme entſchließen, als die Kriegshäupter und die hohen Würdenträger des Hofes nach Tours zu berufen, um Johannas Idee deren Benrtheilung zu unterwerfen!. Entſchuldigen wir immerhin den König, daß er nicht ohne weiteres auf Iohan⸗ nas Vorſchlag einging, weil für eine ſo große Idee ſeine Seele zu klein war: unverzeihlich bleibt es, daß er ſich nicht ſofort an die Spitze der Volksbegeiſterung ſtellte und alle ſeine Ge⸗ treuen in demſelben Augenblicke unter die Fohnen rief, wo er die Feldoberſten und Hofbeam⸗