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Mittlerweile hatten die in Orleans zurückgebliebenen Krieger und Befehlshaber die Hände nicht in den Schooß gelegt. Johanna hatte am Morgen geſagt, ſie werde über die Brücke nach Orleans zurückkehren und damit die Weiſe bezeichnet, wie man von der Stadt aus an den Feind gelangen könne. Man hatte ihren Wink verſtanden und eiligſt Balken herbeigeſchafft, um die drei abgebrochenen Brückenbogen durch eine Holzüberlage zu erſetzen. Mit großer Mühe war die Nothbrücke zu Stande gebracht, als das Krachen der Geſchütze und der Lärm des Kampfes den letzten Sturm verkündigte. Da warfen ſich die Krieger auf die ſchwankenden Balken, an ihrer Spitze der Rhodiſerritter Nicolaus von Giresme, und drangen auf die Nord⸗ ſchanze los. Sie ward zu derſelben Zeit erſtürmt, als Johanna ihr Banner auf den Zinnen der Südſchanze errichtete!¹s.
Alsbald ergab ſich auch das Schloß der Türmel’o.
Die Minderzahl der Beſiegten wurde gefangen genommen, die meiſten und unter ihnen die ſämmtlichen Befehlshaher lagen als Leichen auf den Schanzen oder in den Fluthen ¹so. Den Franzoſen koſtete dieſer glänzende Sieg eine verhältnismäßig ſehr geringe Zahl von Todten und Verwundeten!st. Und doch hatte der Kampf beinahe ununterbrochen von Morgen bis Abends acht Uhr gewüthet!82. Der Geſammtverluſt der Engländer während der drei Tage des Kampfes wird von dem Burgundiſchen Chroniſten Monſtrelet zu ſechs bis achthundert Erſchlagenen und Verwundeten, die Einbuße der Franzoſen auf ungefähr hundert Mann angegeben ss.
Erfüllt war am Abend, was Johanna am Morgen verheißen hatte. Die Feſte war genommen, die Siegerin zog mit einer ſchweren Wunde am Abend über die Brücke in Orleans ein¹s4.„Gott weiß, ſagt Perceval von Cagny, mit welcher Freude ſie ſammt ih⸗ ren Leuten empfangen wurde.“ Es war der überſtrömende Dankesjubel, den ein gerettetes Volk ſeinem Retter entgegenträgt. Jeder Mund war ihres Lobes vollss. Aber nicht ihre Ehre war es, welche die demüthige Heldin ſuchte, dem Herrn allein die Ehre zu geben, war ihre Luſt¹ss. Auf ihr Verlangen wurden alle Glocken geläutet und alle Kirchen geöffnet. Krie⸗ ger und Bürger knieten im Danke zu Gott und den Schutzheiligen der Stadt, die Geiſttlichkeit und das Volk ſangen aus einem Herzen: Dich Gott loben wir¹s:.»Das Jubellied der Franzoſen war ein Grabgeſang für den Stolz Englands.“ Den langjährigen Ruhm ihrer Un⸗ überwindlichkeit hatten ſie in drei Tagen an ein Weib verloren. Keine Hand hatten die Feld⸗ herrn geregt, um das Verderben von ihren Waffenbrüdern abzuwehren, keinen Ausfall auf die von Streitern halb entblößte Stadt gemacht, um dieſelbe mit ihrer Uebermacht in dem Augen⸗ blicke zu erdrücken, wo die Wagſchale des Sieges am jenſeitigen Ufer auf⸗ und niederſchwankte und das Vertrauen der Franzöſiſchen Feldherrn bereits auf den Nullpunkt geſunken wartss.
Spät kam Johauna in ihrer Wohnung an. Ein Wundarzt legte einen Verband auf ihre Wunde, welche binnen 14 Tagen vollkommen heilte. So nüchtern, wie ſie ausgezogen, war ſie wieder nach Hauſe gekommen trotz allen Mühſalen Leibes und der Seele, die ſie an dieſem heißen Tage beſtanden hatte, und auch jetzt beguügte ſie ſich mit ein wenig Brot und einer Taſſe voll ſtark gemiſchten Weines 189.
In der Nacht hielten die Engliſchen Feldherrn großen Rath und kamen überein, die Be⸗ lagerung aufzuheben, weil dieſelbe nach dem Verluſte der Südſeite unhaltbar geworden war. Noch vor Aufgang der Sonne(Sonntags den 8. Mai) ¹* brachen die Truppen ihre Zelte ab und legten Feuer an einige der Bollwerke!ei. Doch nicht als Flüchtige wollten die Feld⸗
Brandſchiffs berichten. Faſt alle leiten den Zuſammenſturz der Brücke von dem Gedränge der Flüchtigen— 355 III, 80, von einer enurd din d'Aulon auf die Brücke habe richten laßen; die Chronik,. V, 294, behauptet ſogar, die Engländer hätten die Balken eingeſägt, um die verfolgenden Franzoſen zu verderben, und wären ſomit in die Geube gekallen, die ſie für andete gegraben. Außer O. 1V, 162 Note und V, 293 finde ich nur 1V, 230(und 340) die Andunung: dedans lesqu'elles(les Tournelles) Francois boutérent le feu, ohne Angabe der Zeit. 4 8


