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herrn abziehen. Sie ſtellten deshalb die viertauſend Krieger, die ihnen geblieben waren ¹9², vor der Stadt in Schlachtordnung auf ¹93. Die Sonne ging eben auf, da rückten ſchleunigſt auch die Franzöſiſchen Heerführer mit großer Macht aus Orleans, in Erwartung, der Feind werde die Stadt angreifen, und bereit, Gewalt mit Gewalt abzuſchlagen*4. Johanna, von dem Be⸗ ginnen des Feindes in Kenntnis geſetzt, verließ ſofort ihr Lager, warf, um ihre Wunde zu ſchonen, bloß ein leichtes Panzerhemd von Eiſenringen über und eilte an die Spitze der Ihri⸗ gen¹es. Selbſt ordnete ſie die Truppen zum Kampfe 96. So ſtanden beide Heere in geringer Entfernung kampfgerüſtet einander gegenüber ¹⁹. Die ſieggewohnten Franzoſen bezeigten große Luſt, einen letzten Schlag auf ihre Gegner zu führen ¹58, allein Johanna wehrte ihrem Eifer und verbot ihnen„um der Liebe und Ehre des heiligen Sonntags willen, die Engländer zuerſt anzugreifen,“ denn fügte ſie hinzu,„es iſt das Wohlgefallen und der Wille Gottes, daß man ſie ziehen laße, wenn ſie ziehen wollen,“ aber,„wenn die Feinde Ench angreifen, dann wehrt Euch tapfer und ſeid ohne Furcht, Ihr werdet ſiegen ½99.“ Darauf ließ Johanna einen trag⸗ baren Altar herbeibringen und vor den Augen der Feinde zwei Meſſen leſen²o. Die Eng⸗ länder, weit entfernt den Kampf zu ſuchen,*) traten vielmehr nach Ablauf einer Stunde den Abmarſch an2ol. Am Ende der zweiten Meſſe fragte Johanna, ob die Feinde das Angeſicht oder den Rücken der Stadt zugekehrt hätten, und als man ihr die Antwort gab, ſie hätten ſich nach Meun gewandt, ſprach ſie:„Bei meinem Gott ſie gehen, laßt ſie ziehen und uns Gott dafür danken, verfolgen wir ſie nicht, denn es iſt der Tag des Herrn ²⁰² Der Jubelruf „Nosl“ erſchallte aus jedem Munde, die Prieſter aber ſtimmten Preis⸗ und Dankeshymnen an und die Krieger antworteten im vollen Chor, während die Feinde in der Ferne verſchwanden 203. Orleans war befreit204. 1r31— eru 2 113111 2r
Die geſammte Engliſche Armee hatte ſich in zwei Hauptmaſſen getheilt, von denen die eine unter Suffolk und deſſen Bruder Johann Pole ſich nach Jargeau, die andere unter Talbot und Scales nach Meun, Baugenci und andern von ihren Landsleuten beſetzten Plätzen zurückzog205. Doch nicht ganz ohne Verluſt kamen ſie davon*). 1u 1eel T5t? Lua Hire, Loré und etwa hundert Reiter ſetzten ihnen nach, um zu beobachten, wohin ſie ihren Weg nehmen würden, und erbeuteten durch wiederholte Angriffe auf den Nachtrab viel Gepäck, beſonders ſchweres Geſchütz und andere Waffenſtücke206. 1 11 riattdn
Während deſſen war das Volk in Scharen aus der Stadt geſtrömt. Soldaten und Bür⸗ ger eilten nach den Bollwerken. Sie fanden in denſelben eine Menge Kranker, aber auch
*) Weshalb? Der Burgunder Monſtrelet antwortet, O. IV, 367: Les Angloix qui véoient leur puissance malement affoiblie et trop diminuée, et aussi qu'il étoit impossible à eulx de là plus demourer, se pis ne vonloient laire, se mirent à chemin eic. Günſtig genug war die Ge⸗ legenheit, um die erlittene Scharte auszuwetzen, und wären die Engländer noch die Helden von Rouvray geweſen, ſie hätten die Schlacht gewagt, um zu ſiegen oder zu ſterben. Denn der Sonn⸗ eag hinderte fie ſchwerlich. 2 G *)) Bei dem Rückzug der Engländer ereignete ſich ein drolliger Vorfall, welcher Q. IVY, 63. 165. 233. V, 56 erzählt wird. Im Engliſchen Lager defand ſich nämlich ein Franzöſiſcher Hauptmann von großer Tapferkeit, Namens Le Bourg du Bar als Gefangener. Talbot hatte denſelben ſeinem Beichtvater, einem Auguſtinermönch, zu geiſtiger und leiblicher Pflege anvertraut. Als nun die Engländer abzogen, nahm der Auguſtiner den vergeßenen Hauptmann, welcher an den Füßen ge⸗ feßelt war, auf den Rücken und ſchleppte ihn eine Strecke dem Heere nach. Als det Hauptmann ſah, daß die Engländer auf dem Abmarſche waren, benutzte er den Umſtand, daß der Mönch mit ſeiner Laſt dem Heere nicht ſchnell genug nachkommen konnte, packte denſelben mit ſeinen derben Fäuſten am Halſe und gebot ihm nach Drleans umzukehren, widrigenfalls er ihm thun würde, was ihm nicht behagen ſollte. Was wollte der Mönch machen, er muſte den Gefangenen auf ſeinen Schultern in die Stadt tragen. So kam der Hauptmann los ohne Löſegeld zum allge⸗ meinen Ergötzen.— ns


