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Bei der vor der Brückenburg gelagerten Mannſchaft angekommen, verſammelte Johanna die Befehlshaber und beſprach mit ihnen den Angriffsplantss. Um denſelben zu verſtehen, haben wir uns die Anlage und Einrichtung des ganzen Brückenbollwerks zu vergegenwärtigen. Das Ganze beſtand aus drei Haupttheilen, welche eine geſchloßene Einheit ausmachten. Den Mittelpunkt bildete das Schloß der Türme, welches auf der Bruͤcke ſelbſt erbaut war. Geſchützt wurde die Turmfeſte nach der Waßerſeite hin durch eine Schanze(Nordſchanze), hinter welcher drei Brückenbogen abgebrochen waren. Dieſer Schanze, gegenüber hatten die Franzoſen lauf der Brücke das Bollwerk vom ſchönen Kreuz aufgeführt, ſo ziemlich iu der Mitte des Stromes. Nach der Landſeite hin war das Schloß der Tuürme, durch eine außerordentlich ſtarke, rings von einem tiefen Graben umgebene Schanze(Südſchanze) gedeckt. Letztere hing durch eine Zugbrücke, unter welcher die Loire vorbeifloß, und einen Brückenbogen mit den Türmen zu⸗ ſammen. Es lag in der Natur der Sache, daß der Hauptſchlag vom Lande her erfolgen und daß hier der erſte Angriff auf die Südſchanze gerichtet ſein muſte. Aber auch von der Waßer⸗ ſeite her, und zwar von dem Bollwerk des ſchönen Kreuzes aus ſollte der Feind beſchäftigt werden, um zunächſt die Kräfte deſſelben zu theilen und dann im rechten Augenblick einen ſchweren Streich gegen ihn zu führen. Endlich wurde, wir wißen jedoch nicht, ob in dieſer Verſammlung, beſchloßen, ein großes Schiff mit Reisbündeln, Pferdeknochen, alten Schuhen, Schwefel und andern brennbaren Stoffen zu füllen, welche angezündet einen dicken Rauch und übelen Geruch verbreiten. Mit dieſem Brandſchiff wollte man erſtens die Zugbrücke, welche die Verbindung der Türme mit der Südſchanze vermittelte, in Flamme ſetzen, um dem Feinde, wenn er in Maſſe zur Vertheidigung der Südſchanze ausgerückt wäre, den Rückzug in die Türme abzuſchneiden; zweitens hoffte man mit dem Feuer des Branders auch das Pfahlwerk der Ver⸗ ſchanzung zu erreichen und zu dieſem Zwecke außerdem noch mit Harz und Schmeer beſtrichene Lappen zu verwenden; wahrſcheinlich erwartete man drittens, daß der ſtinkende Qualm den Engländern den Kampf ſehr erſchweren würde ¹s4. 5 10.
Große Entwürfe und Anſtalten zu einem großen Kampfe. So gewaltig war die ganze Brückenfeſte und ſo vollſtändig mit allem zu einem nachdrücklichen Widerſtande erforderlchar verſehen, daß Alencon von ihr wie von der Auguſtinerburg behauptet hat, mit ein paar Mann hätte er darin eine Woche lang jeder beliebigen Macht Trotz bieten wollen ¹s5. Glasdale, welcher den Oberbefehl darin führte, galt für einen der furchtbarſten Soldaten der Engliſchen Armeelss, und die etwa 500 Mann ſtarke Beſatzung beſtand aus der Blüte der Engliſchen Ritterſchaft und Krieger¹s7. Aber auch der Kern der Franzöſichen Streitmacht und Ritterſchaft war unter Johannas Siegesbanner vereinigtiss. Gegen ſieben Uhr Morgens!s wurde das Zeichen zum Angriff gegeben. Sofort begannen die Geſchütze von Franzöſiſcher und Engliſcher Seite zu ſpielen, und bald donnerten auch die Kanonen vom ſchönen Kreuz herüber1¹so. Ihre Fahne in der Hand, führte Johanna die ſiegesmuthigen Streiter an den Rand des Schauz⸗ grabens und auf allen Seiten zugleich hob der Sturm gegen das Bollwerk an ¹61. Mit gleicher Wuth wurde von beiden Theilen geſtritten. Unter den Zeitgenoßen wuſten ſich ſelbſt die älteſten eines ſolchen Kampfes nicht zu erinnern. Die Franzoſen warfen ſich mit Todesverachtung in den Graben, ſetzten Leitern an und ſtiegen mit einer Kühnheit die Schanze hinan,„als glaubten ſie unſterblich zu ſein.“ Aber auch die Engländer fochten als Helden, denen kein Ausweg zwiſchen Siegen oder Sterben gelaßen iſt. Mit Kanonen und ſonſtigen Feuerwaſſen, mit Aexten, Lanzen, Streithämmern und Kolben, ja mit bloßen Händen trieben ſie die Stürmenden zurück und ſchleuderten ſie zu wiederholten Malen von der Höhe hinunter. Viele Franzoſen wurden verwundet oder getödtet is2. Johanna bewährte auch hier dieſelbe Unerſchrockenheit, Ausdauer und Einſicht, welche Feldherrn und Soldaten bei den früheren Stürmen an ihr bewundert rttef⸗ ſie wich mit ihrem Banner keinen Augenblick vom Platze, war überall mit Rath und
hat zur Hand und ermahnte mitten in dem Schlachtgetöſe, auf den Schlachtenlenker zu hoffen und ſeinen Siegesverheißungen zu trauen.„Habe jeder, rief ſie beſtändig, nur guten Muth und gute Hoffnung auf Gott, zweifelt nicht, die Feſte iſt unſer, die Stunde iſt⸗da, wo dieſe


