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3 (1859)
Entstehung
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durch die Quellen nicht beſtätigt wird. Nach menſchlichem Ermeßen mochten ſolche Erwägungen der Vorſicht hinlänglich gerechtfertigt ſein, für Johanna, die ſich nicht mit Fleiſch und Blut berieth, ſondern den Eingebungen ihrer Stimmen lauſchte, hatten dieſelben keine Gültigkeit. Sie antwortete dem Abgeſandten kraft goͤttlicher Vollmacht:Ihr ſeid in Eurem Rathe ge⸗ weſen und ich in dem meinigen, ſeid verſichert, daß der Rath meines Herrn ſich erfüllen und feſt bleiben, der Eurige dagegen zu nichte werden wird! Morgen werde ich dieſe Feſte nehmen und über die Brücke in die Stadt zurückkehren. Dann ſprach ſie zu ihrem Beichtvater, der eben bei ihr war:Stehet morgen in aller Frühe auf, früher noch als heute. Haltet Euch ſtets in meiner Nähe, denn morgen werde ich viel zu thun haben und mehr denn je zuvor. Es wird morgen Blut aus meinem Leibe fließen oberhalb der Bruſt, vor der Brückenburg werde ich ver⸗ wundet werden 114. Dann begab ſie ſich zu Bette; aber die Sorge, die Feinde möchten ihre vor den Tournellen lagernden Krieger überfallen, ließ ihr wenig Ruhe 45. 2

Während der Nacht wurde das Bollwerk von Saint⸗Privé, das einzige, welches die Engländer außer der Brückenburg noch am Südufer hatten, von der Beſatzung in Brand geſteckt, welche ſich zu Schiffe in die gegenüberliegende Sct. Lorenzfeſte zurückzog. Viele ſollen bei der Ueber⸗ fahrt ertrunken ſein 146.

Mit der Dämmerung des Morgens verließ Johanna ihr Lager und hörte die Meſſel:, um ſich zu den Mühen des verhängnisvollen Tages zu weihen(Sonnabend 7. Mai) 4s. Während ſie im Begriffe ſtand, nüchtern das Haus zu verlaßen, kam ein Mann und brachte einen Mai⸗ ſiſch. Boucher lud ſie ein, zuvor den Fiſch mit ihm zu verzehren. Suchte er im Einverſtänd⸗ nis mit den Generalen die Jungfrau noch eine Weile aufzuhalten? Hebet den Fiſch auf bis dieſen Abend, erwiderte Johanna, ich bringe Euch heute Abend einen Godon,) der davon ſeinen Theil haben ſoll, das Schloß der Türme wird genommen werden und ich kehre über die Brücke in die Stadt zurückas.

Inzwiſchen waren die Feldherrn nicht müßig geblieben, ſondern hatten Maßregeln getroffen, um Johanna in Orleans feſtzuhalten und ihrem ſo beſtimmt erklärten Willen einen eiſernen Damm entgegenzuſetzen. Noch am Freitag Abend verſchloßen ſie das Burgunderthor und der Statthalter von Orleans, Herr von Gaucourt, bezog in eigner Perſon die Wache. Sie bedachten nicht, daß die Jungfrau mit unbeſchränktem Einfluß über Volk und Heer gebot, und daß, wenn die Freiheitsbegeiſterung des Volkes dem Thatendrang ſeiner Heldin begegnete, jeder Wi⸗ derſtand von ihrer Seite fruchtlos ſein muſte. In der That hatte ſich am Sonnabend Morgen kaum die Nachricht von dem Beginnen der Feldherrn in der Stadt verbreitet, ſo trat die Bür⸗ gerſchaft zuſammen, um über Gegenmaßregeln zu berathen, und noch hatte Johanna keinen Tritt über die Schwelle ihrer Wohnung geſetzt, als die Bürger ſich bei ihr einfanden und ſie erſuchten,den Auftrag, den ſie von Gott wie vom König habe, vollenden zu wollen.Im Namen Gottes, erwiderte ſie, ich will es thun, und wer mich lieb hat, der folge mir. Damit ſetzte ſie ſich zu Pferd und eilte an das Burgunderthor, Scharen bewaffneter Bürger und Krieger mit ihr. Sie fand das Thor verſchloßen, Gaucourt mit der Wache ſperrte ihr den Weg. Ein heftiger Auftritt erfolgte.Ihr ſeid ein ſchlechter Menſch, donnerte Johanna dem Statthalter entgegen, mögt Ihr wollen oder nicht, die Krieger werden kommen und ſiegen, wie ſie früher geſiegt haben. Gaucourt lief Gefahr, von dem wüthenden Volke zer⸗ malmt zu werden, mit Gewalt ward das Burgunderthor geöffnet und Maſſen Volks und Soldaten ſtromten durch daſſelbe wie durch ein benachbartes kleineres Thor aus der Stadt. Die Feldherrn ſahen ſich genoͤthigt, wenn ſie nicht alles aufs Spiel ſetzen wollten, der Heldin auf ihrer Bahn zu folgen sℳ. Die Sonne war noch nicht lange aufgegangen, als Johanna mit ihren Kampfgenoßen die Schiffe beſtieg¹⁵¹. Belagerungsgeſchütz und Nahrungsmittel wurden gſeichzeitig ider den Fluß geſchafft 52. 1 3 n

In

*) Spitzname der Engländer aus God-dam.