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3 (1859)
Entstehung
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mit unwiderſtehlicher Gewalt in die Auguſtinerburg¹3:. Die Beſatzung wurde gröſtentheils niedergehauen oder gefangen, die wenigen, welche ſich retten konnten, ſuchten Zuflucht in der Brückenfeſte. Viele gefangene Franzoſen erhielten ihre Freiheit wieder, Vorräthe und Koſt⸗ barkeiten wurden in Menge gefunden, doch ließ Johanna, um ihre auf Beute erpichten Leute vor einem Ueberfall zu bewahren, alsbald Feuer an die Feſte legen, wodurch dem Plündern Einhalt geſchahtss. So wurde um die Vesperſtunde das erſte furchtbare Bollwerk zerſtört, welches der Graf von Salisbury um Orleans aufgeführt hattelss.

Noch an demſelben Abend wurde das Schloß der Türme, das Hauptbollwerk der Engländer auf der Südſeite belagert. Daß dies geſchah, war einzig Johannas Werk, wie der Verfolg zeigen wird. Sie beabſichtigte, die Nacht hindurch mit dem ganzen Heer vor der Feſte zu lagern und am frühen Morgen den Sturm auf dieſelbe zu beginnen. Allein die Feld⸗ herrn wuſten ſie mit Liſt von dieſem Vorhaben abzubringen. Johanna war nänlich theils durch die Anſtrengung des Kampfes, theils durch Faſten, was ſie an jedem Freitage zu thun pflegte, äußerſt erſchöpft und hatte ſich überdies vor der Auguſtinerburg durch einen Tritt in eine Fußangel verwundet. Alles dies nahmen die Generale zum Vorwande, um ſie zur Rück⸗ kehr in die Stadt zu bewegen.Sollen wir, hatte ſie anfangs eingewandt, unſere Leute im Stiche laßen? Morgen werde ich das Schloß der Türme haben, und ich gehe nicht nach Orle⸗ ans, bis daſſelbe in der Hand des guten Königs Karl iſt. Nach langem Sträuben willfahrte ſie jedoch den Bitten der Feldherrn unter der Bedingung, daß ein beträchtlicher Theil der Ar⸗ mee vor der Brückenfeſte zurückbleibe, und fuhr mit den Feldherrn ſammt dem Reſte des Heeres nach Orleans 110.

Die am linken Ufer übernachtenden Krieger wurden von den dankbaren Bürgern Orleans mit Brot, Wein und anderweitigem Bedarf aufs beſte verſorgt 14¹.

Johanna, in ihrer Wohnung angelangt, ſah ſich vor Ermattung genöͤthigt, von ihrer ſonſti⸗ gen Strenge im Faſten abzuweichen und ſich durch etwas Speiſe zu ſtärken. Sie war eben mit Eßen fertig, als ein vornehmer Ritter bei ihr erſchien und ihr im Auftrag der Feldherrn das Ergebnis einer Berathung verkündigte, welche dieſe ſo eben mit einander gehalten hatten.Es ſind unſer wenige, ſprach er, im Vergleich mit den Engländern, die Siege, die wir errungen haben, ſind eine große Gnade Gottes. Aber es ſcheint uns nicht wohlgethan, daß morgen die Krieger ausziehen. Die Stadt iſt mit Lebensmitteln reichlich verſehen und wir können die⸗ ſelbe wohl bewahren, während wir Verſtärkungen vom Könige abwarten. Der Sinn dieſer Rede war klar und der Grund enthüllt, weshalb die Feldherrn ſo eifrig auf Johannas Rück⸗ kehr vom Schlachtfelde gedrungen hatten. Ueberzeugt, wie ſie ſa efetic waren, daß es un⸗ möglich ſei,den Platz mit halb ſoviel Kriegern mehr, als ihnen zu Gebote ſtanden, innerhalb eines Monats zu nehmen ¹¹3, hatten ſie Johanna vom Kriegsſchauplatze weggelockt und den Entſchluß gefat ſie durch Ueberredung und nöthigenfalls durch Gewalt zum Aufſchieben ihres Vorhabens zu drängen. Daß auch die Beſorgnis, die Engländer koͤnnten mit geſammter Macht die Stadt überfallen, wenn dieſelbe von Truppen zu ſehr entblößt würde, bei den Feldherrn obgewaltet habe, iſt eine anſprechende Vermuthung neuerer Geſchichtsforſcher, welche indeſſen

D'Aulon folgte ihnen, wie es ſcheint. Ein gewaltiger Engländer vertheidigte mit mächtigen Streichen einen der Zugänge des Schanzwerks, ſo daß jene nicht vordringen konnten. Dies bemerkend, gab d'Aulon dem ausgezeichnetſten Schützen in Orleans, Meiſter Johann genannt, den Auftrag, auf den Engländer anzulegen. Meiſter Johann ſtreckte mit dem erſten Schuß den Engländer zu Boden. Da brachen die beiden Nebenbuhler durch die Paliſaden und ein ganzer Schwarm ihnen nach. Mit unweſentlichen Veränderungen wird dieſelbe Geſchichte bei der Bela⸗ gerung von Jargeau erzählt, wo der Herzog von Alencon den Engländer durch Meiſter Johann erſchießen läßt, G. IV, 171. su. 237. Uns ſcheint d'Aulons Bericht dadurch nicht an Glaub⸗ würdigkeit zu gewinnen.