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3 (1859)
Entstehung
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den ſie überwältigen, ihre Stunde iſt gekommen. Die Feldherrn ſtellten ihr dagegen vor, man müße vor allem das Südufer der Loire vom Feinde ſäubern, damit der Stadt aus Berry und den dem Könige treu gebliebenen Landſchaften Nahrungsmittel zugeführt werden könnten. Es hielt nicht ſchwer, Johanna für dieſen Plan zu gewinnen, um ſo weniger als ihr heller Blick in der Befreiung gleichviel welcher der beiden Stromſeiten die Rettung der ganzen Stadt erkennen muſte. Nur von dem Warten, bis man den Feind vom jenſeitigen ufer herübergelockt habe, wollte ſie, ſcheint's, nichts wißen. Man einigte ſich demnach allerſeits in dem Beſchluß, zuerſt die Boll⸗ werke der Südſeite zu erobern, und ertheilte den Kriegsoberſten den Auftrag, noch am ſelbigen Abend alles zum Sturm nothwendige Geräth in Stand zu ſetzen und die Truppen frühmor⸗ gens bereit zu halten ¹27. Johanna erließ den beſonderen Befehl an die Soldaten, keiner ſolle ſich erdreiſten, am nächſten Tage gegen den Feind auszurücken, ohne zuvor gebeichtet zu haben, auch ſollten ſie alle unzchtigen Weibsleute fortſchicken, denn um der Sünden willen laße Gott die Schlachten verloren werden ¹²s.

Uebrigens war der Tag dem Heiligen geweiht. Zur Vesperzeit ließ Johanna ihrer Ge⸗ wohnheit gemäß, alle Glocken eine halbe Stunde lang läuten und die Einwohner zur Andacht rufen. So bereitete ſich Orleans durch kirchliche Feier und Gebet zum heiligen Kampfe für die Freiheit!¹²9. 4

Am Abend gebot Johanna ihrem Seelſorger, ihr am nächſten Morgen in aller Frühe die Beichte abzunehmen ¹30.

Pasquerel ſtellte ſich mit Tagesanbruch in der Wohnung der Johanna ein und hörte ihre Beichte. Dann las er vor ihr und ihren Leuten die Meſſe3.

Um neun Uhr, Freitag den 6. Mai, zog Johanna umgeben von den angeſehenſten Gene⸗ ralen und Rittern mit etwa viertauſend Kriegern durch das Burgunderthor an das Ufer der Loire. Man muſte in Schiffen über den Strom ſetzen und beſtimmte zum allgemeinen Sam⸗ melpunkte eine Inſel) dicht bei der Engliſchen Feſte Saint⸗Jean-le⸗Blanc. Von dieſer Inſel wollte man mit zwei Schiffen eine Brücke an das jenſeitige Ufer ſchlagen. Saint-Jean⸗le-Blanc war natürlich das nächſte Ziel des Angriffs. Zwiſchen dem neuen Turm**) und Sanct Lupus fand die Einſchiffung ſtatt,ns) doch konnte dieſelbe, da die Fahrzeuge nicht ausreichten, nur allmählich erfolgen ¹132...

Die Engländer hatten kaum die Anſtalten der Feinde bemerkt, als ſie auf Anordnung Glasdales, welcher den Oberbefehl über die Südſchanzen führte, Saint-Jean⸗le-Blanc in Brand ſteckten und ſich theils in die Auguſtiner⸗ theils in die Tournellenburg zurückzogen, ſo daß die Franzoſen von der verlaßenen Stätte ungeſtört Beſitz nahmen¹²s. Den Franzöſiſchen Feld⸗ herrn genügte, wie es ſcheint,**ns) dieſer Erfolg für jetzt vollkommen, war ja doch durch die Zerſtörung von Saint⸗-Jean⸗-le-Blanc das Haupthindernis der Verbindung Orleans mit Berry

*) G. III, 79 Note: Il s'agit ici d'une ile qui adisparu lors de la reconstruction du pont d'Or- léans, mais qui figure encore sur les anciens pians sous le nom d'Jle-aux-Toiles. Dans le Journal du Siége on l'appellela petite fle au droit de Saint-Aignan. Elle joignait presque la levée de Saint- Jean-le-Blanc.

*) 0. IV, 98 Note: Située à la pointe orientale de le ville sur le bord de la Loire.

**) Daß nicht das ganze Heer eingeſchifft worden iſt, bemerkt Perceval von Cagny, 0. IV, 7. Ein großer Theil blieb wahrſcheinlich zum Schutze der Stadt zurück und zwar auf Veranſtaltung der Feldherrn.

*) Wir verweiſen hier namentlich auf den Beſchluß, den die Generale noch an dieſem Abend nach Erſtürmung der Auguſtinerbaſtille faßten, die Brückenburg nicht anzugreifen. Daß bei Saint⸗ Jean-le-Blanc die einzige Stelle war, wo bei niederem Waßerſtande Schiffe das Ufer erreichen und Lebensmittel einnehmen konnten, iſt früher bemerkt worden. 0. 1II, 69. Note: Les An- glais, en fortifiant cette position, avaient vonlu en faire moins une bastjlle qu'un»gueèt pour garder le passage. IV, 148.