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Die Feſte wurde geſchleift, alles brennbare in Aſche gelegt, ein bedeutender Vorrath von Lebensmitteln und Kriegsbedarf erbeutet. Mit Entſetzen ſahen die Engländer ein ſolches Schau⸗ ſpiel jetzt zum erſtenmalius. Mit geringen Opfern hatten die Franzoſen dieſen Sieg erkauft ¹5. Groß war der Erfolg. Aus der Kette der feindlichem Belagerungswerke war eins der wichtig⸗ ſten Glieder gebrochen, welches durch ſeine Lage die Loire beherrſchte und den Uebergang über dieſelbe erſchweren konnte. Ein glänzender Anfang zur Befreiung Orleans war gemacht 10. Doch war der Machtverluſt für die Engländer, wie empfindlich er auch ſein mochte, bei weitem nicht ſo verhängnisvoll, als der moraliſche Eindruck niederbeugend1²¹1. Mit ſtolzem Siegesbe⸗ wuſtſein und frohem Muth zu neuen Thaten kehrten dagegen die Franzöſiſchen Truppen in die Stadt zurück. Johanna wurde vom Volke mit unaufhörlichem Zujauchzen begrüßt. Jeder ſah in dem glücklichen Anfange die Bürgſchaft für die Wahrheit ihrer ganzen Verheißung. Alle Glocken erſchallten, ganz Orleans pries in den Kirchen den Herrn mit Lob⸗ und Dankgeſängen und Bebetei Den Engländern aber verkündigte dieſe Feier, daß ihr Glückſtern in Frankreich zur Neige gehe²2.
3 Snt kam Johanna nach Hauſe und erfriſchte ſich durch ein mäßiges Mahli2.
Am folgenden Tage war das Himmelfahrtsfeſt. So ſehr die Heldin vor Begier brannte, das Rettungswerk Orleans zu vollenden, ſo beſchloß ſie doch, um der Heiligkeit des Tages willen, weder einen Kampf zu beginnen, noch ihre Waffen anzulegen, ſondern ganz der Andacht zu leben. Noch am Abend ſagte ſie dies ihrem Kaplan mit dem Beifügen, ſie wolle morgen beichten und das heilige Abendmahl nehmen!².
Für das ganze Heer war das Feſt der Himmelfahrt(Donnerſtag 5. Mai) ein Raſttag ². Johanna benutzte die Waffenruhe zu einem Friedenswerk. In der Hoffnung, das Unglück des geſtrigen Tages habe den Hochmuth der Feinde herabgeſtimmt, richtete Johanna an dieſelben eine dritte, den früheren gleichlautende Aufforderung, gutwillig die Belagerung aufzuheben. Sie band das Schreiben an einen Pfeil und ließ denſelben durch einen Bogenſchützen in eine der Engliſchen Schanzen ſchleudern nnter dem Rufe: Leſet, es iſt Botſchaft! Geſchloßen hatte Johanna den Brief mit den Worten:„Das ſchreibe ich Euch hiermit zum dritten und letzten Male, ich werde nicht nochmals ſchreiben.“ Gezeichnet: Iheſus Maria, Johanna die Jungfrau. Ganz unten war die Bemerkung beigefügt: Ich hätte Euch meinen Brief auf eine ehrenvollere Art überſandt, allein Ihr nehmt meine Herolde feſt, habt Ihr ja noch meinen Herold Guienne. Schickt ihn mir zurück, und ich will Euch einige von Euren in der Sanct Lupusfeſte gefan⸗ genen Leuten ſchicken, denn ſie ſind nicht alle todt.“ Die Engländer ſchrieen laut auf: Da iſt Botſchaft von der Dirne der Armagnaken. Johanna ſeußzte darüber und weinte bitterlich, in⸗ dem ſie den Herrn des Himmels zum Zeugen ihrer Unſchuld anrief. Bald aber fühlte ſie ſich getroͤſtet, denn, ſagte ſie, ich habe Botſchaft von meinem Herrn empfangen. Dunois entrüſtet über das Benehmen der Engländer, entbot ihnen in ſeinem Namen, daß wenn ſie Guienne ſammt dem Boten, der den Brief von Blois überbracht, nicht ſofort frei gäben, er ſämmtliche Gefangene eines elenden Todes ſterben laßen würde und die Herolde obendrein, welche ſie wegen Auslöſung der Gefangenen nach Orleans geſandt hätten. Ambleville übernahm dieſe Botſchaft, nachdem ihm Johanna die Zuſicherung gegeben, er werde ohne ein Leid zu erdulden mit den übrigen Herolden zurückkehren. So geſchah es 126.
Ann demſelben Tage verſammelten ſich die Franzöſiſchen Feldherrn und Kriegshäupter ſo⸗ wie die vornehmſten Bürger von Orleans in Bouchers Hauſe, um ſich über einen beſtimmten Kriegsplan zu berathen. Alles erwogen, erachteten ſie es für das Beſte, einen Scheinangriff auf die nördlichen Belagerungsburgen zu machen, um den Feind von der Südſeite herüberzu⸗ locken und dann ſchnell mit der Hauptmacht über die geſchwaͤchten Beſatzungen der Südſchanzen herzufallen. Nachdem ſie ſich über dieſen Plan verſtändigt hatten, zogen ſie auch die Jungfrau hinzu. Johanna war der Anſicht, die Engländer in den Nordſchanzen, alſo auf ihrer ſtärkſten Seite anzugreifen und zu dem Ende mit der Sanct Laurentiusbaſtille den Anfang zu machen. Den Feind ins Herz zu treffen war immer ihr Grundſatz. Zweifelt nicht, ſagte ſie, wir wer⸗


