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und weckte ihn init lautem Rufe. Nach der Urſache befragt, antwortete ſie:„Im Namen Got⸗ tes, mein Rath hat mir geſagt, ich ſolle mich aufmachen gegen die Engländer, aber ich weiß nicht, ob ich gegen ihre Schanzen oder gegen Falſtolf gehen ſoll.“ Pasqguerel, der inzwiſchen mit einigen Prieſtern eingetreten war, hoͤrte ſie rufen:„Wo ſind meine Wappner? das Blut unſerer Leute fließt zur Erde!“ Indem d'Aulon emporſprang und nach Johannas Waffen griff, ſtürmte dieſe die Treppe hinunter. Sie fand ihren Pagen Ludwig von Contes ſorglos mit der Wirtin plaudernd, denn rings war alles ſtill und ruhig.„Ha, blutiger Knabe, fuhr ſie ihn an, Du ſagteſt mir nicht, daß das Blut Frankreichs vergoßen ward. Bei Gott, das iſt übel gethan. Weshalb hat man mich nicht früher geweckt? Unſere Leute ſind in großer Noth. Geh und hole mein Pferd.“ Darauf eilte ſie in ihr Zimmer zurück und ließ ſich von d'Au⸗ lon unter Beihülfe der Frau und Tochter des Hauſes ſchleunigſt die Rüſtung anlegen. Wäh⸗ rend ſie noch damit beſchäftigt waren, vernahmen ſie bereits großes Geſchrei und Getöſe auf der Straße. Das Gerücht von einer Niederlage der Franzoſen hatte ſich vom öſtlichen Stadt⸗ viertel bis in das Weſtende fortgeflanzt. Johanna lief hinunter und ſchwang ſich auf das Roſs, welches der Page vorführte. In der Haſt hatte ſie ihre Fahne zurückgelaßen. Der Page rannte hinauf und reichte ſie ihr durchs Fenſter. Nun gab ſie dem Pferde die Sporn und ſprengte mit Blitzesſchnelle, ſo daß die Funken aus dem Pflaſter ſprühten, durch die große Straße geradewegs nach dem Burguuderthore hin, woher der Lärm kam. D'Aulon und de Contes erreichten ſie erſt beim Thore wieder, wo das Gedränge der Menſchen und der Anblick einer Menge Verwundeter die Jungfrau in ihrem Laufe eine Weile aufhielt. Der Jammer ging ihr ſehr zu Herzen. Einen ſchwer Getroffenen betrachtend, rief ſie aus: Nie habe ich Franzöſiſches Blut fließen ſehen, ohne daß ſich mir die Haare geſträubt hätten ¹10¹.
Was war geſchehen? Mehrere Befehlshaber hatten um die Mittagsſtunde ohne Vorwißen der Jungfrau mit einer beträchtlichen Kriegerſchar, welche theils aus Bogenſchützen, theils aus Bürgerwehr beſtand, einen Angriff auf die Sanct⸗-Lupusbaſtille unternommen. Anfangs hatten ſie Vortheile errungen und ſogar die vor der Feſte errichtete Schanze erſtürmt, dann aber wa⸗ ren ſie mit Verluſt zurückgeworfen worden ¹0². Hatten ſich die Befehlshaber durch den begeiſter⸗ ten Aufſchwung des Volkes fortreißen laßen? Oder beabſichtigten ſie die allgemeine Sie⸗ geszuverſicht unverweilt zu einer rettenden That zu benutzen? Die Quellen ſchweigen ebenſo über die Beweggründe, wie über die Namen der Befehlshaber).
*) Weder Johanna(0. 1, 78. 293), noch Dunois, welcher die Eroberung der Sanct Lupusbaſtille ganz mit Stillſchweigen übergeht, noch die übrigen Augenzeugen(4. III, 68 sd. 79. 106. 121. 126. 127. 212 sd.) klären das Dunkel auf. Unter den Chroniken erwähnt allein die Chronik der Jungfrau(0. 1V, 222 sq.) den unbefugten Ausfall auf die Sanct Lupusfeſte und das wun⸗ derbare Erwachen der Jungfrau. Daß aber ihr Bericht ſich auf Wahrheit gründet, beweiſen auf's beſtimmteſte die angeführten Augenzeugen. Die übrigen Chroniken(Q. IV, 6. 42. 56. 282. 364 sd. 408. 492 V, 291), das Tagebuch der Belagerung von Orleans(0. IV, 157) nicht ausgenom⸗ men, wißen nicht das Geringſte von einem unberufenen Angriff auf jenes Bollwerk, laßen vielmehr
das Unternehmen von Anfang an auf Befehl und unter Leitung der Jungfrau geſchehen. Nur inſofern weichen ſie von einander ab, als nach der Mehrzahl derſelben(0. IV, 57. 157. 365) die Befehlshaber zu gleicher Zeit und im Verein mit Johanna aus der Stadt rücken, nach Per⸗ ceval von Cagny dagegen(0. 1V, 6) Johanna mit der Bürgermiliz vorauseilt, die Feldherrn et⸗ was ſpäter folgen.(Dieſe Angabe Percevals mag auf Verwechſelung mit der von ihm nicht er⸗ wähnten Thatſache beruhen, daß ein Theil der Feldherrn mit 600 Soldaten erſt dann die Stadt verließ, als die Engländer aus den benachbarten Bollwerken der Sanct Lupusfeſte zu Hülfe zo⸗ gen. Ich ſchließe das auch daraus, daß unter den vier Namen der Feldherrn, welche Perceval nennt, ſich zwei befinden(Graville und Sainte. Sévere oder Bouſſac), welche das Tagebuch bei dem letzteren Ereigniſſe anführt). Wie es uns bedünkt, gibt es nur zwei Mäglichkeiten, die widerſprechenden Angaben zu verſöhnen. Entweder muß man zwei Auszüge unterſcheiden und annehmen, daß erſtlich: Environ midy, aucuns des nobles issirent d'Orléans avec grand


