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3 (1859)
Entstehung
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13 Johanna, durch das blutige Schauſpiel noch mehr entflammt, ritt mit d'Aulon und meh⸗

reren Kriegern, die ſich zu ihr geſellt, im Fluge durch das Burgunderthor und erſchien in we⸗ nigen Augenblicken auf dem Kampfplatze. Von der großen Maſſe der verſammelten Krieger mit lautem Freudenrufe begrüßt, machte ſie nicht eher Halt, als bis ſie mit wehender Fahne vor der Sanct Lupusfeſte angekommen warlos. Es war das erſte Mal, daß ſie dem Feinde Auge in Auge gegenüberſtand. Und gleich hier zeigte ſich ihr Feldherrntalent in vollem Glanze. Mit Ruhe die Kampfesſcene überſchauend, entdeckte ſie bald die Bedingung des Gelingens: vollſtändiges Abſondern der Feſte und damit Abſchneiden jeder Ausſicht auf Unterſtützung. Sie übergab daher dem Grafen Dunois den gröſten Theil der Truppen mit dem Befehl, ſeine Stellung ſo zu nehmen, daß die Engländer der benachbarten Bollwerke ihr nicht in den Rücken

nombre de gens de traict et de commun(0. IV, 222), eine Nachricht welche durch die Zeugen aus 0. III, hinlänglich geſtützt wird; und daß zweitens: Aprez midy, se partirent de la cité la Pucelle et le bastart d'Orléans, menans en leurs compaignies grans nombres de nobles, et en- viron quinze cens combatans, et s'en allèrent assaillir la bastille Sainct-Loup(Q. IV, 157. Vergl. 57 und 6), welche letztere Stelle wir dann ſo zu deuten hätten, daß ziemlich zu derſelben Zeit, wo Johanna vor dem Burgunderthor erſchien, auch Graf Dunois und andere Kriegsoberſten an der Spitze von 1500 Mann zur Unterſtützung ihrer Landsleute daſelbſt eingetroffen wären. Oder man muß die beiden Auszüge, wovon 0. IV. 222 und 157 die Rede iſt, nicht als ver⸗ ſchiedene betrachten, ſondern den von Journal, IV, 157, erwähnten mit dem erſteren, IV, 222 in Eins zuſammenſaßen. Natürlich wäre dann zu der Zeit, als die Jungfrau auf dem Kampf⸗ platze anlangte, die geſammte Truppenſtärke längſt vereinigt geweſen. Dieſe Annahme hat ſoviel für ſich, daß wir uns unbedenklich dafür entſcheiden. Im vollſten Einklange ſteht damit die Art, wie die Chronik der Jungfrau, welche über die ganze Begebenheit aufs beſte unterrichtet iſt, die Sache darſtellt. Nur von einem Auszug ſpricht ſie und läßt Johanna ohne Begleitung vor Sanct Lupus ankommen, IV, 223: Et durant iceluy y vint très hastivement la Pucelle armée, à estendart desployé: parquoy l'assault enforgça de plus en plus. Ebenſo wißen die Augenzeugen weder von zwei Auszügen, noch von großen Heerſcharen, welche Johanna auf den Kampfplatz mitgebracht hätte, ſondern bloß von einigen Kriegsleuten, welche ſich am Burgunderthor zu ihr geſellten. So namentlich d'Aulon, welcher an Jahannas Seite aus der Stadt ritt, Q. III, 213: à celle heure, ladicte Pucelle, il qui parle, et plusteurs aultres gens de guerre en leur com- paignie, yssirent hors de ladicte cité pour donner secours ausdits Francois et grever lesdits ennemis à leur povoir; mais ainsi qu'ilz(eben als) furent hors d'icelle cité, fut advis(meinte, ſchien es) à il qui parle que oncques n'avoit veu tant de gens d'armes de leur parti comme il fist lors. Kurz wir vermögen den Verdacht nicht zu unterdrücken, daß die Befehishaber, inſon⸗ derheit diejenigen, welche bisher Orleans beſchützt hatten, unter Dunois Oberleitung den Angriff gegen die Sanct Lupusfeſte auf eigne Verantwortung gewagt haben, da ſie die Kampfluſt und Freiheitsbegeiſterung des Volkes ſahen(O. 1V, 42. 43). Innere Gründe erhöhen die Wahrſchein⸗ lichkeit. Wir erfahren ja von J. Chartier, IV, 59. sd, daß es dem Ehrgeiz der Fel dherrn zur Zeit noch ſchwer fiel, ſich durch die Jungfrau von der Anfübrung der Truppen verdrängt zu ſehen. Sie verlangten von ihr weiter nichts, als daß ſie die Soldaten zum Siegesvertrauen em⸗ porhebe, und dieſem Begehren war bereits vollkommen genügt. Ueberdies ſcheint ein wohl durch⸗ dachter Plan dem ganzen Unternehmen zu Grunde zu liegen. Der Ausfall auf die Sanct Lupusfeſte ſteht in unverkennbarem Zuſammenhang mit dem von den Feldherrn und vornehmſten ürgern Orleans gegen Johanna ſo entſchieden vertretenen Plane, vor allem die Bollwerke der Südſeite zu zerſtören. Von Sanct Lupus aus konnten nämlich die Engländer den Uebergang der Franzoſen über den Strom bedeutend erſchweren. Man muſte alſo, um freie Hand zu be⸗ kommen, die Sanct Lupusfeſte erobern. Sonderbar, daß Dunois gar nichts von der Erſtürmung der Sanct Lupusfeſte erwähnt. Unterließ er es etwa darum, weil ſich für ihn unangenehme Erinnerungen an dies Ereignis knüpften? Dagegen befremdet es durchaus nicht, daß der Ver⸗ faßer des Tagebuchs, 1V, 157, ſo wenig von dem Angriff ohne Vorwißen der Jungfrau, als von deren wunderbarem Aufwachen etwas berichtet. Ihm war die Erſtürmung der Feſte und die Rettung ſeiner Vaterſtadt dermaßen die Hauptſache, daß er darüber jene Thatſachen als Nebendinge unberückſichtigt ließ.