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der Franzöſiſchen Entſatztruppen, welche der Burgunder Monſtrelet zu 7000 angibt, auch nur auf 3000 Mannos und die wehrhafte Mannſchaft in Orleans bloß zu 2000 Mann an, ſo er⸗ hellt, daß die Streitkräfte auf beiden Seiten mindeſtens gleich waren. Dieſer Umſtand iſ von einem gewiſſen Belang, wenn wir die Beſchaffenheit der Belagerung in Erwägung ziehen. Or⸗ leans war ſowohl auf der Süd⸗ als auf der Nordſeite der Loire mit Belagerungswerken einge⸗ ſchloßen. Die Feſten der Nordſeite erſtreckten ſich in einem großen Bogen um die Stadt. Dieſe zahlreichen, in weitem Umfang die Stadt umgebenden Werke muſten, um plötzlichen Ausfällen der Belagerten gewachſen zu ſein, ſämmtlich mit hinreichender Beſatzung verſehen werden. Da⸗ m brauchte man, wenn man recht ſicher gehen wollte, etwa die Hälfte der geſammten Heeres⸗ ſtürte Wie nun, mochten ſich die Feldherrn mit ängſtlicher Bedächtigkeit fragen, wenn wir, um den Feinden den Einzug in Orleans zu wehren, denſelben eine der ihrigen gleiche Trup⸗ penmaſſe entgegenwerfen, gefährden wir unſere Stellungen nicht? Iſt es nicht rathſamer, das Heer ſammt den Vorräthen ungehindert in die Stadt eingehen zu laßen, als Widerſtand zu leiſten und auf dieſe Weiſe alles an alles zu ſetzen? Aus mehreren Gründen konnten ſie ſich bewogen fühlen, die Frage zu bejahen. Erſtens erwarteten auch ſie in nächſter Zeit Hülfstrup⸗ pen unter Falſtolfos, in denen ſie einigen Erſatz für die Vermehrung der Franzöſiſchen Armee zu finden gedachten. Hauptſächlich aber ſtützten ſie ſich auf die vermeintliche Uneinnehmbar⸗ keit ihrer Vollwerke. An der Feſtigkeit derſelben hofften ſie den Enthuſiasmus der Franzoſen zerſchellen zu ſehen, den Vortheil einer ſtarken Defenſive hatten ſie ohnehin in vielen Schlach⸗ ten, zuletzt noch bei Rouvray erprobt. Und wie ſtark ihre Plätze waren, zeigt der Umſtand, daß die Franzöſiſchen Heerführer und Soldaten behaupteten, die Erſtürmung derſelben ſei nicht durch menſchliche Kraft, ſondern durch ein Wunder Gottes vollbracht worden?7. Auf die Feſtig⸗ keit ihrer Burgen und Schanzen ſich trügend, betrachteten ſie vielleicht, wie Renzi glaubt, den Einzug der letzten Hülfskräfte, welche der Franzöſiſche König aufzubieten hatte, ſogar als ein erwünſchtes Ereignis. Stand ja bei ſolchem Zuwachs von Mannſchaft die Aushungerung der Stadt noch ſchneller in Ausſicht, während ihnen die Zufuhr nach wie vor geſichert blieb. So mochten ſie ſich täuſchen durch die Vorſpiegelung, die Stadt um ſo raſcher zur Uebergabe zu nöthigen und durch Vernichtung der letzten feindlichen Streitkräfte Frankreichs Eroberung zu beſchleunigen. Wir halten uns nicht dabei auf, im einzelnen die Schwächen dieſer Erwägungen und Berechnungen nachzuweiſen, von denen keine einzige wirklich ſtichhaltig, jede von zahaſter Bedenklichkeit eingegeben iſt; nur auf die hervorragendſten Punkte wollen wir aufmerkſam ma⸗ chen, welche die Feldherrn außer Acht gelaßen hatten. Zuvörderſt die Thatſache der Erfahrung, daß dem eiſernen, von religiöſer Begeiſterung beſeelten Muthe am Ende keine Feſte unbezwing⸗ bar iſt. Namentlich aber war der Einfluß von Johannas Perſönlichkeit nicht hoch genug in Anſchlag gebracht. In der Jungfrau gewann die Franzöſiſche Armee einen einheitlichen Mittel⸗ punkt, die Kriegführung eine einheitliche Idee, indem die Heldin, auf ihre gttliche Berechti⸗ ung vertrauend und getragen von der Begeiſterung des Volkes, ihrem Willen gegen die wider⸗ Mehenden Anſichten der Feldherrn nöthigenfalls mit rückſichtsloſer Energie Geltung zu verſchaf⸗ fen wuſter). Die herrſchende Unordnung, der Mangel an Zucht unter Hohen und Niederen,
*) Die häufigen Zwiſtigkeiten zwiſchen Johanna und den Feldherrn berührt Ro 1uTp ) Dian 32. Sesglelchen Saln, 0. IN, 273 und J. harnter, 3. 1d, c zabert von Fareizulr, estoit ledit bastard et autres capitaines ensamble pour conseillier ce qu'il estoit à ſaire; et qu'elle conclusion qu'ilz prensissent, quant ycelle Jehanne la Pucelle venoit, elle concluoit aulcune aultre chose au contraire; et contre l'oppinion de tous les capitaines, chiefz de guerre et autres, faisoit souvent de belles entreprinses sur ses ennemis dont tonjours bien lui pre- noit. Et n'y fut fait guerez de choses de quoi y fache à parler, que ce ne fust à P'entre- prinse d'icelle Jehanne la Pucelle. Et combien que les capitaines et autres gens de guerre exécutassent ce qu'elle disoit, fadicte Jehanne aloit tousjours à Pescarmuche en son harnoiz,


