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3 (1859)
Entstehung
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der Vorräthe und Einſteigens der Soldaten zu gewärtigenss! Nur an einer Stelle wäre Landung möglich geweſen, aber dieſe einzige Stelle hatten die Engländer durch das Bollwerk von Saint⸗Jean⸗-le-Blanc unzugänglich gemacht, um die Ueberfahrt über den Strom zu be⸗ herrſchens. Johanna, in ihrem Glaubensmuthe nimmer zagend, wuſte allein Rath, ſie ver⸗ langte, die Feſte ſofort mit ſtwmender Hand zu nehmen. Zu ſolchem Wagſtück aber glaubten die Feldherrn ihre Truppen dermalen nicht im Standeso.

Schon am Morgen war indeſſen ſichere Kunde vom Anmarſch des Heeres nach Orleans und Dunois hatte in Erwartung, der Feind werde zum Angriff ſchreiten, die ganze treitbare Mannſchaft unter die Waffen treten laßen 64. Als nunmehr der Ruf erſcholl, die Jungfrau halte mit dem Zuge am jenſeitigen Ufer, beſtieg Graf Dunois mit dem Herrn von Termes und andern einen Kahn, um ſie zu empfangensꝛ².Seid Ihr der Baſtard von Or⸗ leans? redete ihn die Jungfrau an.Ja, der bin ich, erwiderte Dunois, und freue mich Eurer Ankunft.Seid Ihr der, fuhr ſie im Tone des Vorwurfs fort, welcher den Rath ge⸗ geben, daß ich an dieſer Seite des Flußes ziehen ſollte und nicht gerades Weges dahin, wo Talbot und die Engländer ſtehen? Dunois ſagte zu ſeiner Rechtfertigung, er und einſichts⸗ vollere Leute als er hätten dieſen Rath gegeben, weil ſie denſelben für beßer und ſicherer ge⸗ halten. Worauf Johanna entgegnete:Im Namen Gottes, der Rath unſeres Herrgottes iſt ſicherer und weiſer, denn der Eure. Ihr habt geglaubt, mich zu betrügen, und Cuch ſelbſt habt Ihr mehr betrogen; denn ich bringe Euch eine beßere Hülfe, als je einem Ritter oder einer Stadt geworden 55 weil ſie die Hülfe iſt vom Könige der Himmel. Doch kommt ſie nicht aus Liebe zu mir, ſondern von Gott ſelbſt, der auf die Fürbitte des heiligen Ludwig und des heiligen Karl des Großen ſich erbarmt und nicht gewollt hat, daß die Feinde den Leib des Herzogs von Orleans und ſeine Stadt zugleich haben ſolltenés. Zuletzt fand der Vorſchlag allgemeine Billigung, zwei Stunden weiter ſtromaufwärts zu gehen, bis zu der Stelle, welcher egenüber am rechten Loireufer das Dorf Checy liegt, weil ſich daſelbſt eine Franzöſiſche Be⸗ aun befand und der Waßerſtand höher warsz. Immer aber blieb auch ſo das Hindernis des widrigen Windes. Johanna verkündigte mit Prophetenſtimme:Im Namen Gottes, alle Vorräthe werden ungefährdet in die Stadt eingehen, Wind und Wetter werden ſich alsbald än⸗ dern. Wie ſie geſagt, ſo geſchah's. Im Augenblick ſchlug der Wind um und wurde günſtig für die Schiffahrt. Dieſe Thatſache wirkte mit der Gewalt eines Wunders. Die Verlegenheit wich begeiſterter Zuverſicht, Dunois erkannte die Hand Gottes und faßte großes Vertrauen zu der Jungfrau, Pasquerel glaubte das Waßer wachſen zu ſehenés. Dunois fuhr darauf nach Orleans zurück. Hier war alles zur Abfahrt in Bereitſchaft. Ein Scheinangriff auf die Sanct⸗ Lupusfeſte wurde ſofort unternommen. Dunois trat mit dem Ritter Nicolaus von Giresme in ein Schiff, alle Segel wurden aufgeſpannt und die kleine Flotte fuhr dicht neben den Kanonen von Sanct-Lupus vorbei*), ohne von dem Feinde beläſtigt zu werden, deſſen ganze Aufmerkſam⸗ keit durch den Ausfall in Anſpruch genommen war. Bald nach den Landtruppen kamen auch die Schiffe bei Cheey anss. Sogleich wurde mit Verladen der Vorräthe begonnen, zur Auf⸗ nahme auch der Mannſchaft aber war die Zahl der Fahrzeuge zu gering. Da wurden in der Umgebung der Nahenm einige Stimmen laut, man müße nach Blois zurückkehren und hier über die Loire ſetzen, weil in des Königs treuen Landen keine nähere Brücke zu finden ſei. Johanna gerieth über dieſe Aeußerungen in tiefen Unwillen, weil ſie ſchon einmal ge⸗ täuſcht hinter denſelben die verſteckte Abſicht vermuthete, man wolle ſie im Stiche laßen und die Ausführung ihres gottbefohlenen Werkes vereiteln. Mittlerweile war Graf Dunois ans Land gekommen. Er näherte ſich ihr mit der Bitte, ohne die Truppen mit ihm über den Fluß zu fahren und in Orleans einzuziehen, wo man ſie mit Sehnſucht erwarte. Johanna weigerte

*) Das Fahrwaßer war bei Sanct-Lupus ſehr beengt durch eine große Inſel('isle aux Boeufs) welche den Fluß in zwei Arme theilte.