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3 (1859)
Entstehung
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Im Geiſte einer chriſtlichen Heerfahrt hatte Johanna den Zug geordnet. Voran ſchritten ſämmtliche Prieſter unter dem Vinntn erhigt und ſangen im Chor den erhabenen Gebetshymnus Veni creator spirit nebſt anderen Kirchenliedernso. Dann folgte Johanna mit den Marſchällen von Rais und Sainte-Sévoͤre, dem Admiral von Coulant, den Herrn von Loré, Gaucourt*), Saintrailles und La Hire zuletzt das Heer ſammt den Viehherden, ahlreichen Proviant⸗ und Munitionswagenst. Fortwährend ermahnte Johanna die Krieger, ſich durch Buße und Beichte in den Stand der Gnade zu ſetzen, dann ſei ihnen der Sieg unter Gottes Beiſtand gewis. Sie ſelbſt nahm in Mitte der Krieger das heilige Abendmahls?é. So bewegte ſich der Zug zwei Tage lang durch die im reizendſten Frühlingsſchmuck prangenden Ge⸗ filde der Loire, welche man den Garten Frankreichs nennt, ein Bildmehr einer ruhigen Pil⸗ gerfahrt als eines Kriegszuges. Beide Nächte wurden unter freiem Himmel hingebracht, Jo⸗ hanna ſchlief in voller d üſtung, wovon jedoch wegen der Ungewohnheit eine bedeutende Ab⸗ ſpannung die Folge warss. Am dritten Tage(29. Aprih)st ſetzte das Heer bei Olivet über den Loiretss und ſah von den Höhen, welche ſich längs des Flüßchens hinziehen, die Stadt Or⸗ leans rings von den Bollwerken und Turmfeſten der Engländer umſchloßen. Für Jehanna ein unausſprechlicher Anblick. Das Ziel lag vor ihren Augen, das ihr Gott zunächſt geſteckt, und dem ſie ſeit lange mit ſo heldenmüthiger Ausdauer entgegengerungen Pußtes aber das Auf⸗ jauchzen der Freude blieb nicht ohne die Thräne des Schmerzes, als Johanna ſich durch den Augenſchein uͤberzeugte, daß der erſte Schritt auf ihrer Bahn durch Trug und Unglauben der Generale bezeichnet war*). Nicht lange darnach erreichte der ganze Zug das Caints) Loireufer, etwas oberhalb und ſo nahe der Engliſchen Feſte Saint-Jean-le-Blanc, daß die Krieger beider⸗ ſeits einander erkennen konntenss, dem Platze gerade gegenüber, wo am jenſeitigen Ufer die vom Feinde verſchanzte Lupuskirche ſtands:. Ein Blick, und die Mislichkeit der Lage fiel in die Augen. Die einzige Brücke, welche in die Stadt führte, war durch das Schloß der Türme geſperrt; das Waßer des Flußes ſo ſeicht, daß die Transportſchiffe nicht an's Ufer zu gelangen vermochten; der Wind widrig, ſo daß die Schiffe, zu ſchwer um ſtromaufwärts mit Rudern gelenkt zu werden, keinen Gebrauch von den Segeln machen konnten; überdies Mangel an Schiffen ſelbſt, der Feind in nächſter Nähe und ein Ausfa deſſelben während des Einladens

bunden, unter welcher die Loire ſtrömte. Zwei Schanzen deckten nach der Land⸗ und Waßerſeite hin das Schloß der Türme, gegen welches die Bewohner von Orleans das Bollwerk de la Belle Croix auf der Brücke ſo ziemlich in der Mitte des Flußes angelegt hatten. Südlich von den Tournellen lag in mäßiger Entfernung von denſelben die Baſtille des Augustins, endlich im Oſten nahe am Ufer des Stromes die Baſtille Saint-Jean-le-Blanc. Die Engliſche Nordarmee ſtand unter dem Grafen von Suffolk, deſſen Bruder Johann Pole, Johann Talbot und Tho⸗ mas Herrn von Scales, welche die Boulevards und Baſtillen unter ſich getheilt hatten, Thomas Guerrard führte in der Sanct⸗-Luxusfeſte den Oberbefehl. Glasdale leitete von den Tournellen aus die Belagerung auf der Südſeite. Die Herrn von Molyns und Poynings commandierten in der Auguſtinerbaſtille und Saint-Jean-le-Blanc. Diejenigen Truppen, welche nicht in die Baſtillen vertheilt waren, hatte man in drei Feldlager bei den Baſtillen von Sanct-Lorenz, Pa⸗ ris und der Auguſtinerkirche untergebracht, ſo daß ſie nach mehreren Seiten hin verwendet wer⸗ den konnten. Auf der Inſel Charlemagne, welche mitten in der Loire zwiſchen den Baſtillen von Saint-Laurent und Saint-Privé lag, hatten die Engländer einen Boulevatd gleiches Na⸗ mens errichtet, um mittels fliegender Brücken die Verbindung ihrer Nord⸗ und Südſeite zu ſichern und die Schiffahrt auf der Loire zu beherrſchen. 1

*) ². III, 16 Note: Au temps du siége d'Orléans, il était conseiller, premier chambellan de Charles VII. et bailli d'Orléans par provision du duc d'Orléans, alors prison- nier en Angleterre. 1

*) O. IV, 491. Haſe, S. 22:Es möchte ſchwer ſein zu ſagen, ob eine rettende oder verzögernde Täu⸗ ſchung, jedenfalls ein bedenklicher Anfang ihrer Kriegsführung., Man vergeße bei dieſer Frage den Umſtand nicht in Anſchlag zu bringen, daß das Franzöſiſche Heer nachmals unverſehrt durch die Nordſchanzen der Engländer in Orleans einzog. 170 nin