Druckschrift 
2 (1858)
Entstehung
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Kloſter von Tours, Johann Pasquerel 5.Zwei Pagen: Ludwig von Contes und Raymond, zwei Herolde: Guienne und Ambleville:¹, nebſt mehreren Knechtens wurden ihr zur Bedienung beigegeben. Außerdem blieben Johann von Metz und Bertrand von Poulengy nach wie vor in Johannas Umgebung, und eben jetzt trafen auch die beiden jüngſten Brüder der Jungfrau, Johann und Peter von Arc, aus der Heimat ein, um an der Seite der Schweſter den Kampf für König und Vaterland mitzukämpfen 10. Auch mit Kleidung 11 und Waffen ward Johanna ausgeſtattet gleich einem Kriegsoberſten. Der König ließ ihr eine vollſtändige Ritterrüſtung) machen vom Scheitel bis zur Sohle 12. Der Herzog von Alencon ſchenkte ihr ein Schlachtroſſ 13. Schwert und Fahne erhielt ſie nach Anweiſung ihrer Heiligen. Höxren wir zunächſt, was Johanna vor ihren Richtern über das Schwert ausgeſagt hat.Während ich in Tours oder in Chinon war, ſchickte ich nach Fierbois, um ein Schwert holen zu laßen, welches ſich in der Kirche der heiligen Katharina befand, hinter dem Altare. Und alsbald nachher ward es ge⸗ funen ganz mit Roſt bedeckt. Auf die Frage, woher ſie gewuſt habe, daß jenes Schwert dort ſei, antwortete ſie:Jenes Schwert lag in der Erde voll Roſt, fünf Kreuze waren darauf, und ich wuſte, daß es dort ſei durch die Stimmen. Nie hatte ich den Mann geſehen, der beſagtes Schwert zu holen ging. Ich ſchrieb den Prieſtern jenes Orts, es möge ihnen gefallen, daß ich das Schwert erhielte. Sie ſchickten es mir. Es lag nicht tief unter der Erde hinter dem Altare, wie mir ſcheint; doch weiß ich nicht gewis, ob es vor oder hinter dem Altare war, glaube indeſſen damals geſchrieben zu haben, daß beſagtes Schwert hinter dem Altare ſei, Sobald das Schwert gefunden war, rieben es die Ortsgeiſtlichen und ſo⸗ gleich ſiel der Roſt ab ohne viele Mühe. Der es holte, war ein Waffenhändler aus Tours. Die Geiſtlichen der Katharinenkirche ſchenkten mir eine Scheide dazu von rothem Sammet, die Bewohner von Tours ebenfalls eine Scheide von Goldſtoff. Ich ſelbſt ließ mir eine ſolche

*) Haſe, S. 21:Man wird nicht überſehen, daß eine Ritterrüſtung, jedes Glied in Erz nach⸗ In bildend, auch einem Mädchen ſchöner ließ als etwa ein Frack, und der purpurne golddurchwirkte 9 Waffenrock über den Beinkleidern näherte ſich ohnedem der Sitte ihres Geſchlechts. Im Kampfe Atrug ſie einen Helm, ſonſt das Haupt unbedeckt oder ein umgekrämptes Barett mit Federn. Der 0. V, 234(Donation du chapeau de Jeanne d'Arc aux oratoriens d'Orléans) erwähnte Hut der Jungfrau war noch vorhanden zur Zeit des Lenglet Dufresnoy, welcher ihn folgender⸗ maßen beſchreibt: Er war von blauem Atlas mit vier goldgeſtickten Krämpen. Ein recht anſchau⸗ liches Bild der Johanna gibt der Brief der Herrn Veit und Andreas von Laval an ihre Mutter und Großmutter, O. V, 10784: Am Montag bin ich mit dem König abgereiſt, um nach Selles in Berry zu gehen, und ließ der König die Jungfrau, die ſchon vorher in Selles war, vor ſich kommen. Einige ſagten, es ſei dies mir zu Gefallen geſchehen, damit ich ſie ſähe, Und nahm die beſagte Jungfrau mich und meinen Bruder ſehr wohl auf, ſie war in vollſtändiger Rüſtung, aus⸗ genommen den Kopf, und hielt eine Lanze in der Hand. Und nachdem wir nach Selles hinabge⸗ kommen waren, ging ich in ihre Wohnung, um ſie zu beſuchen. Sie ließ da Wein kommen und ſagte mir, ſie würde mich bald davon in Paris trinken machen. Und es ſcheint etwas ganz gött⸗ liches in ihrem Weſen, wenn man ſie ſo ſieht und hört. Dieſen Montag iſt ſie zur Vesperzeit voon Selles abgereiſt..... Und ſah ich ſie zu Pferde ſteigen, ganz in blanken Waffen, aus⸗ genommen den Kopf, eine kleine Streitaxt in der Hand, auf einem großen ſchwarzen Roſſ, welches an der Thür ihrer Wohnung gewaltig unruhig war und ſie nicht aufſitzen laßen wollte. Da ſagte ſie: Führt es zum Kreuze hin, welches vor der Kirche ſtand nahe dabei, am Wege. Und da ſtieg ſie auf, ohne daß es ſich gerührt hätte, als wenn es gebunden geweſen wäre. Und dann wandte ſie ſich gegen die Thür der Kirche hin, die ganz nahe war, und ſprach mit einer rechten Frauenſtimme: Ihr Prieſter und Leute der Kirche, ſtellet Prozeſſionen und Gebete zu Gott an. Dann kehrte ſie ſich wieder um nach ihrem Wege, indem ſie ſagte: Ziehet vorwärts, ziehet vorwärts!(und ritt von dannen) mit offener Fahne, welche ein anmuthiger Page trug, und hatte ihre kleine Streitaxt in der Hand. Und einer ihrer Brüder, der ſeit acht Tagen ge⸗ kommen iſt, reiſte auch mit ihr, in voller blanker Rüſtung.. 25¹36 1 1