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dem ſo, dann iſt der Unglaube, wenn er nicht noch nachträglich in ſeinem Grunde gebrochen wird, nicht für nimmer gebannt, nur für eine Weile iſt zer niedergehalten durch äußere Ge⸗ walten, aber nicht in ſein Gegentheil gewandelt, und wir dürfen ſicher ſein, daß wenn auf die eine oder die andere Weiſe der Druck der Noth nachläßt, der alte Unglaube ſammt allem leidigen Zubehör eben ſo keck, als zuvor, die Stirn erheben wird. Ja es ſteht zu befürchten, daß die Gemeinheit, je mehr ſie ſich an das Außerordentliche gewöhnt, deſto mehr daſſelbe in die Sphäre der Gewöhnlichkeit herunterzuziehen ſucht und ſich zu gleichen Leiſtungen befähigt wähnt. Die Thaten ſelbſt aber, werden ſie nicht ein überwältigendes Gegengewicht abgeben? Selbſt die gröſten Thatenwunder überwinden den Unglauben nicht nothwendig, weil derſelbe von außen allein überhaupt nicht zu überwinden iſt. Auch da, wo er das Uebermenſchliche zugeben muß, fehlt es ihm an Ausflüchten nicht, im äußerſten Falle ſchiebt er den Teufel als Urheber unter. Es iſt erlaubt, das Geringere im Spiegel des Höchſten zu betrachten. Der Herr der Herrlichkeit durfte fragen: Wer kann mich einer Sünde zeihen? Hat man ihm nicht ſeine die Sünder und Zöllner ſuchende Liebe zur Sünde gemacht? Erntrich Teufel aus. Iſt nicht gerade an dieſem ſchlagendſten Beweiſe ſeiner Gottkraft der Unglaube zur Läſterung des heiligen Geiſtes geworden? Nur von inneu ſtirbt der Unglaube, das Aeußere kann fordern, aber entſcheidet nicht. Selbſterkenntnis und Buße iſt des Unglaubens Tod. Hat Frankreich— das iſt die Frage— endlich begriffen, daß alle Demüthigung, die ihm ſeither geworden, nur die verdiente Züchtigung geweſen iſt für die herrſchende Laſterhaftigkeit und Gottloſigkeit? Hat namentlich der Fürſt und haben die Großen erkannt, daß Unglanbe mit ſeiner ſauberen Ge⸗ leitſchaft von Hoffahrt, Selbſtſucht, Pflichtvergeßenheit, Lüderlichkeit, die Reiche ſtürzen, aber nimmer auferbaun? Dann, aber auch nur dann, iſt Frankreich genugſam vorbereitet, um das ganze Herz dem Glauben zu öffnen und in den Thaten der Jungfrau die göttliche Beglaubigung ihres Selbſtzeugniſſes zu ſchauen. Von der Vaterlandsliebe und dem Glaubeusfeuer ſeiner Heldin durchglüht, wird das Volk zur Thatenluſt und zum Opfermuth einer geheiligten Na⸗ tionalbegeiſterung entbrennen, der kein Feind unbeſiegbar, weil Gottes Beiſtand alle Wege gewis iſt. Jusbeſondere wird der Fürſt, die rettende Hand Gottes ergreifend, ſein haltloſes Schwanken, das indolente Gehenlaßen mit der beharrlichen Stetigkeit eines hoffnungsfreudigen Handelns vertauſchen, dem Gott wie die Ziele geſteckt, ſo die Wege gebahnt hat. An den Früchten wird ſich's zeigen, ob und in wie weit eine ſolche Wandelung in den Geiſtern bereits vorgegangen iſt oder noch vorgehen wirrr. 2189
12§. 3. Johauna in Cours, Plois, Orleans.
Ohne Säumen ſchritt Karl zur Ausführung des in Poitiers gefaßten Beſchlußes. Um den Zug von Lebensmitteln nebſt der erforderlichen Kriegsmannſchaft aufzubringen, ſchickte er den Admiral Ludwig von Culant mit dem gewandten Hauptmann Ambroſius von Loré nach Blois. Die oberſte Leitung der ganzen Angelegenheit übertrug er ſeiner Schwiegermutter Yolande, welcher der Herzog von Alencon thätig zur Seite ſtehen ſollte. Johanna erhielt die Erlaubnis, während der Zwiſchenzeit bis zur Bereitſchaft ihren Aufenthalt in Tours zu nehmen, wo ſie in dem Hauſe eines angeſehenen Bürgers, Johann Dupuy, Wohnung ſand 2. Der König ſorgte nunmehr auch für die kriegeriſche Ausſtattung der Jungfrau. Er Lab ihr ein Gefolge, wie es einem Befehlshaber der Armee zukam 3. Seinen Stallmeiſter Johaun von Aulon, einen Ritter von auerkaunter Rechtſchaffenheit und Weisheit, beſtellte er zu ihrem Haus⸗ intendanten: und übertrug ihm als ſolchem die ſchützende Aufſicht üher Johanuas Perſon und Hausweſen. Zum Kaplan erwählte ſich Johanna den Leſemeiſter in dem Auguſtiner Eremiten


