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Noch ein Mittel gab es, um Gewisheit darüber zu erlangen, daß Johanna nicht in Ge⸗ meinſchaft mit dem Teufel ſtehe. Nach dem Glauben der Zeit hatte der Teufel keine Macht über eine uffraunae der Bund mit dem Satan ward nur um den Preis der Keuſchheit ge⸗ ſchloßen. Hatte Johanna ſich in unbefleckter Reinheit bewahrt?, War ſie nicht etwa ein Mann unter der Maske des Weibes? Ueber dieſe Punkte begehrte Karl Sicherheit, bevor er einen unwiderruflichen Entſchluß faßte. Seine Schwiegermutter, die Königin von Sieilien Yolande von Aragon, nebſt den Frauen von Gaucourt(Johanna von Preuilly) und von Treves (Johanna von Mortimer) uͤbernahmen die Unterſuchung und beruhigten den König durch das gewißenhafte Zeugnis, daß Johanna eine lautere, unverdorbene Jungfrau ſei 89. 2 Nunmehr war jede Vorſicht angewandt, welche Pflicht und Gewißen erheiſchte, und Karl durfte ſich vor Gott, vor der Welt und vor ſeinem Volke gerechtfertigt glauben, wenn er die Jungfrau in ſeine Dienſte nahm. Aber wie er⸗ von Anbeginn nie bloß auf eigne Verantwor⸗ tung gehandelt hatte, ſo wollte er auch den letzten Schritt der Entſcheidung nicht ohne ſeine Räthe thun. In großer Rathsſitzung ward vom König der Beſchluß gefaßt, Johanna in der Hoffnung, daß es ſo der Wille Gottes ſei, zum Befreinngskampfe und zwar zunächſt nach Or⸗ leaus mit einem Convoi von Lebensmitteln auszuſenden 7o. e eeeee 13ili- In der erſten Hälfte des April kehrte Karl nach Chinon zurück, gleichzeitig auch Jo⸗ Aanna 71I. ⁴ 1:n 147tjs utd dic nn idtis lo n fT hilann 1 214 ) Mit dieſem entſcheidenden Erfolge betritt die Jungfrau das Feld der öffentlichen Thätig⸗ keit, Werfen wir an der Grenzſcheide einen Blick zurück und ſtellen eine Frage an die Zu⸗ kunft. Johannas Aufgabe, in der Kraft Gottes, die in den Schwachen mächtig iſt, König und Vaterland zu retten, ſchließt von vorn herein einen zwiefachen Kampf in ſich, einen Schlachten⸗ kampf mit dem Feinde und einen Glaubenskampf mit dem Unglauben von Freund und Feind. Die erſte Seite dieſes Doppelkampfes bildet die Glanzpartie ihres⸗ Wirkens, Freund und Feind hat in den Kriegsthaten der Jungfrau etwas übermenſchliches, natürlich in verſchiedenem Sinne, gefunden. Gewaltiger, ergreifender, erſchütternder iſt die andere Seite des Rieſenkampfes. Hier liegen die gröſten Thaten des Heldenmädchens, aber weil Seelenthaten, vollbracht mit geiſtigen Mitteln auf geiſtigem Gebiete, entziehen ſie ſich mehr dem äußeren Auge, und deshalb hat die Welt nur die hervorragendſten Momente derſelben nach Gebühr gewürdigt. Johanna war ganz Glaube in einer ſo ſpecifiſch eigenen Weiſe, wie ihn die Welt ſelten oder nie zuvor geſehen. Solchen Glauben konnte die Welt ihr nicht entgegenbringen. Darum muſte Johannas ganzes Leben, wollte ſie ihre Miſſion erfüllen, ein fortgehender Kampf mit dem Unglauben werden. Die Geſchichte der Jungfrau iſt weſentlich eine Geſchichte dieſes Kampfes. Im Vaterhauſe von Domremy hat er begonnen, hat ſich fortgeſetzt in Vauconleurs Chinon Poitiers, er be⸗ gleitet die Heldin durch alle Stadien ihrer Kriegerbahn und wird in Rouen zu der Flamme, welche ihr den Tod gibt. Sehen wir ab pon den Feinden für welche Glaube an Johannas göttliche Sendung das Selbſturtheil der Verwerfung geweſen wäre, und wenden uns lediglich den Feunden zu, ſo erfordert es die Unparteilichkeit, anzuerkennen, daß der Unglaube derſelben beim erſten Anftreten der Jungfrau natälich, ihr Zandern berechtigt war. Johanna konnte die Engel und Heiligen, welche ſie mit Angen ſah, keinem Menſchen zeigen, ſie hatte keine von Gott ſn. verbriefte Vollmacht aufzuzeigen, überhaußt keine objective Garantie zu bieten. Was ſie hatte, war das Zeugnis, das ſie von ſich ſelber zeugte, war die Suerſicht eines ſeiner ſelbſt bis an den Thron Gottes gewiſſen Glaubens, war die makelloſe Lanterkeit eines echten Chriſtenwandels. Sind das die Mächte, womit die Jungfran in Vaucouleurs Chinon Poitiets über alle Zweifel der Geiſtlichen und Geleh rten, uber! de Stolz der Kriegsoberſten, über die Verzagtheitder Hofleute, über die Schlaſtheit eines dem Singengettuß fröhnenden Königs geſiegt hat? Die Zeugen ſagen wie ausei ii Minde väſgdas mit eiſerner Wucht auf dem Kriche laſtende ngtae die Verzpeiftin an ſalter Kert Stt Sahd ütje den Ausſchlag ge⸗ geben hat. Wir dürfen deshalb anzſict, daß bei⸗ el⸗ der Gläube nichts anderes war, als das durch die Noth abgepreſte Zugeſtändnts der Moglichteit, daß Gott hehfen wolle. Iſt


