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2 (1858)
Entstehung
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zweitens die Unterſuchung ihres ſittlichen Wandels. Beide Wegen ſchlug die Prüfungsbehörde ein.Gott will nicht, ſprach Seguin, daß man dir glaube, wenn du nicht ein Zeichen thuſt, wodurch es offenbar wird, daß man dir glauben darf, und wir werden dem ⸗König nicht rathen, dir auf dein bloßes Wort Kriegsleute anzuvertrauen und dieſelben in Gefahr zu bringen, wenn du uns nicht eines anderen berichteſt.Im Namen Gottes, erwiederte Johanna, ich bin nicht nach Poitiers gekommen, um Zeichen zu thun; aber geht mit mir nach Orleaus, dort will ich euch die Zeichen zeigen, um derentwillen ich geſandt bin. Der Dauphin gebermir Leute, ſo viele euch gut dünkt, und ich gehe nach Orleans ½ dar. Renn.

Auf die Ergründung des ſittlichen Wandels der Jungfrau legte man wie in Chinon ſo in Poitiers das gröſte Gewicht. Hat die Jungfrau mit guten oder böſen Geiſtern Gemein⸗ ſchaft, das war die Frage. Nicht bloß der GattinRabateaus, ſondern noch andern edlen Frauen und Jungfranen hatte der königliche Rath die genaueſte Beobachtung der Johanna zur Pflicht gemacht. Dieſe erſtatteten dem Rathe Bericht und gaben den Examinatoren Aus⸗ kunft über das ganze Verhalten und Gehaben der Johauna bei Tag und bei Nacht. Allerer⸗ theilten ihr das Zeugnis, daß ſie eine gute Chriſtin ſei, Gott diene, ein katholiſches Leben führe, häufig zur Meſſe und zum Abendmahl gehe und ſich nie auf Müßiggang betreffen laße. Iusbeſondere hob die Wirtin hervor, Johauna liege täglich nach Tiſche auf den Knieen, oft gehe ſie in die Hauskapelle, um dort lauge zu beten, ja ſogax des Nachts bete ſie 62. in

Allmählich geſtaltete ſich auf dieſe Weiſe auch die öffentliche Meinung zu Gunſten der Jungfrau. Herrn des Parlamentes, Leute aus allen Ständen, Männer und Weiber kamen, die wunderbare Perſon zu ſehen. Ehe ſie mit Johanna geſprochen, meinten ſie, die Verheißungen derſelben wären nichts als Traumereien und Einbildungen, kehrten ſie aber von ihr zurück, dann war auch nicht einer, der nicht ſagte: Sie iſt ein Kind Gottes. Manche, beſonders die Frauen, weinten ihre hellen Thränen 6s. Johann von Metz und Bertrand von Ponlengy er⸗ zählten auch in Poitiers, wie ſie o wunderbar behütet worden ſeien auf ihrer gefahrvollen Reiſe 6a. Hohe und Niedere wurden zum Glauben an Johannas himmliſche Berufung hin⸗ gerißen. Der Beichtvater des Königs ſprach, laut ſeine Ueberzeugung aus, Gott habe Johanna geſandt, die Weiſſagung, eine Jungfrau werde Frankreich retten, ziele auf ſie es. Viele Mit⸗ glieder der Commiſſion, Seguin, Macon, Peter von Verſailles, Aimeri und andere waren der⸗ ſelben Anſicht, Erault deutete die Viſioneu der Maria von Avignon zuverſichtlich auf Johanna 66. In dieſe Stimmung hinein erſchallte laut und lauter der Angſtruf der durch Hunger und Feind aufs äußerſte bedrängten Bewohner von Orleans, denen jeder Verzug um ſo nnerträglicher werden muſte, je näher ſie ſeit der Rückkunft ihrer nach Chinon Abgeordneten den helfenden Arm Gottes glauben durften. Nach alle dem trug die Prüfungsbehörde dem königlichen Rathe ihr Gutachten vor, deſſen weſentlicher Inhalt folgender war: 212 inh 1274

Die heilige Schrift lehrt eine zwiefache Weiſe der Prüfung. Erſtlich ſoll man nach der Vorſchrift des Apoſtels Paulus:Prüfet die. Geiſter, ob ſie aus Gott ſind Wandel⸗ und Werke derſelben unterſuchen. Zweitens ſoll man, wie Ahas und Gideon, in andächtigem Ge⸗ bete Gott um ein Zeichen anflehen, woraus man ſeinen Willen erkennen könne. Beides hat der König gethan. Er hat die Jungfrau wohl ſechs Wochen lang bei ſich: behalten und ſie prüfen laßen in Bezug auf ihn Leben, ihre Geburt, ihre Sitten, ihr Vorhaben von erfahrenen Leuten, von Gelehrten, Geiſtlichen und Weltlichen, von Weibern und Männern öffentlich und insgeheim. Und man hat an der Jungfranu nichts böſes) nichts dem katholiſchen⸗ Glauben wider⸗ ſtrebendes wahrgenommen, ſondern eitel Gutes, Demuth, JungfraulichkeitFroͤmmigkeit Ehr⸗ barkeit, Einfalt. Ferner hat man ein Zeichen von der Nunfeän gefordert, worauf ſie geant⸗ wortet, vor Orleans wolle ſie das Zeichen geben, dennalſo ſei es ihr von Gott verordyet. In Anbetracht alles deſſen und des allgemeitten Roͤthſtandes, der keine andere Hoffnung übrig läßt, als die Hülfe von Gott, darf der Fönig lyr⸗ Dienſte annehmen und ſie mit Mannſchaft nach Orleans entſenden, Sie verſtoßen, ohne daß ſich ein Uebeles au ihr zeigte, hieße dem heiligen Geiſte widerſtreben und ſich des göttlichen Wſieeen unwürdig machen 567. enn

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