Druckschrift 
2 (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

18

Häupter vereint, welchen ihre Miſſion galt. Ihre Verehrung für den Schwiegervater trug ſie auf den Schwiegerſohn über und ſchenkte dieſem das gröſte Vertrauen während der ganzen Dauer ihrer Kriegsgenoßenſchaft 37.. r n 215 ue n4 J2 10 e ii wif Am folgenden Morgen wohnte Johanna der Meſſe in der königlichen Kapelle bei. Nach dem Gottesdienſte nahm ſie der König mit in ein Gemach. Nur der Herzog von Alencon und der Herr von La Tremoullle folgten, die anderen Hofleute erhielten Befehl, ſich zu entfernen. Da richtete Johanna mehrere Bitten an den König, unter andern die, er möge ſein Reich dem Himmelskönige ſchenken, dann werde der Himmelskönig ihm thun, wie Er ſeinen Vorfahren ge⸗ than, und ihn in den früheren Stand einſetzen*). Die Unterhaltung dauerte bis zur Mittags⸗ mahlzeit. Nach derſelben machte der König mit dem Herzog einen Spaziergang nach den Wieſen des Schloßes. Da ſahen ſie Johanna mit einer Lanze in der Hand auf einem Roſſe daher⸗ jagen. Der Herzog, erfreut und verwundert, daß Johanna Roſſ und Lanze ſo geſchickt zu handhaben wuſte, machte ihr ein Pferd zum Geſchenk 38.3 S e r n 25 701 Der König war nun wohl darüber im Klaren, daß Johanna mit ungewöhnlichen Kräften ausgeſtattet ſei. Auch glaubte er vielleicht an die Möglichkeit einer übernatürlichen Hülfe. Aber er hatte doch keine Gewisheit, ob der Geiſt, welcher Johanna beſeelte, von Oben oder von Unten ſtamme, ob ſie ein Werkzeug Gottes oder des Fürſten der Finſternis ſei. Darüber aber muſte er beruhigt ſein, ehe er der Jungfrau ſein Heer anvertrauen und ſie an die Spitze einer Unternehmung ſtellen durfte, von deren Ausgang vorausſichtlich das Schickſal Frankreichs wie ſein eignes Wohl pder Wehe abhing. Denn wie konnte er anders ſich des göttlichen Bei⸗ ſtandes getröͤſten, ohne den zuletzt alles zerrinnt? Wie ſonſt das Unerhörte wagen ohne Scheu vor dem Urtheil der Welt? Und war es denkbar, daß Scharen zügelloſer Soldaten ſich der Leitung eines ſchwachen Weibes fügen, daß ergraute Feldherrn und Kriegshelden ſich ohne Murren und Widerſetzlichkeit dem Oberbefehl eines Mädchens unterwerfen würden, dem es an jeder militairiſchen Bildung und Kriegserſahrung mangelte; konnte den ſtolzen Fürſten und Baronen zugemuthet werden, einem Dorfkinde von niederer Herkunft Gehorſam zu leiſten, ohne das Gefühl der Herabwürdigung, wenn nicht die Ueberzeugung allgemein durchdrang, daß dieſe arme Bäuerin eine vom heiligen Geiſte Regierte, von Gott beſonders Begnadigte ſei? Deshalb ordnete der König nach Anhörung ſeines großen Rathes die Vornahme weiterer Prüfungen an, durch welche ermittelt werden ſollte, vh ſich nicht für die Göttlichkeit der Sendung Johannas augenfällige Beweiſe entdecken ließen, auf Grund deren man ihren Worten glauben, ihre Dienſte aunehmen und die Erfüllung ihrer Verheißungen hoffen dürfe. Gleichzeitig gab Karl den Befehl, der Jungfrau einen Turm des Schloßes von Coudray*) zum Aufenthalte anzu⸗ weiſen und ſie unter die Aufſicht und fürſorgende Obhut ſeines Hausmeiſters Wilhelm Bellier zu ſtellen?*²*), deſſen Gattin in dem Rufe großer Frömmigkeit ſtand 30. In Coudray fanden denn auch die Prüfungen ſtatt. Beauftragt mit denſelben waren des Königs Beichtvater Gerard Machet, nachmals Biſchof von Caſtres 40, die Biſchöfe von Maguelonne und Poitiers(Hugues de Combarel), die Magiſter Simon Bonnet(ſpäter Biſchof von Senlis), Peter von Verſailles (hernach Biſchof von Meaux), Jordan Morin und viele andere Geiſtliche. Täglich kamen

1

) So Alencon, 0. III, 91. Eberhard von Windecken, 0. IV, 486: Als die Magd zu dem vorge⸗ nannten König kam, da mußte er ihr drei Dinge verheißen zu thun: das Erſte, daß er ſich ſeines Reiches begebe, und darauf verzichte und es Gott wiedergebe, dieweil er es von ihm hätte; das Andere, daß er allen den Seinen verzeche, die wider ihn geweſen waren und ihm je Leid gethan; das DOritte, daß er ſich ſoviel demüthige, daß Alle, die zu ihm kämen, arm oder reich, und Gnade begehren, daß er die zu Gnaden nähme, es ſei Freund oder Feind. nnliu dußetees en ) Jetzt Le Coudray-Montpensier, eine Meile von Chinon. sgiut gnun **) Des Nachts hatte Johanna ſtets Weiber um ſich, zum Dienſt am Tage ward ihr Ludwig von Contes, ein Edelknabe von 14 bis 15 Jahren beigegeben., Er hat Johanna oftmals die Kniee beugen und unter Thränen beten ſehen, Q. III, 66. ³ 1410 nnum nun