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mit legendenartigen Zuſätzen ausgeſchmückt worden, die drei Chroniken ſind ſelbſt Beweiſes ge⸗ nug ³4. In dem vorliegenden Falle indeſſen iſt es nicht einmal nöthig, an eine ſolche Eut⸗ ſtehungsweiſe der Chronikenberichte zu denken. Halten wir feſt, daß Johannas Ausſpruch das treue Gegenbild der Bitte des Königs iſt, nur in anderer, durch die Form der Botſchaft be⸗ dingter Wendung. Dieſer Umſtand drängt nicht allein den Gedanken auf, daß Karl Johannas Rede als Antwort auf ſein Gebet nahm, ſondern berechtigt ebenſowohl zu dem Schluße, daß der König von jener Autwort auf ſein Gebetwie von einer Offenbarung des Gebetes ſelber ſprach. Iſt nicht eine Antwort, welche den Gegenſtand, worauf ſie ſich bezieht, deutlich wiederſpiegelt, eben um deswillen zugleich eine Offenbarung des letzteren? So kann der Konig ſelbſt durch die Art, wie er die Sache darſtellte, das Misverſtändnis ver⸗ anlaßt haben. Nicht ſo leicht löſt ſich die Frage: Wie kam Johanna dazu, dem Könige etwas zu ſagen, was ſich für ſie von ſelbſt verſtand? War's was man den Zufall nennt? Wir würden in einem ſolchen Zuſammentreffen vielmehr eine Fügung von Oben ſehen. Oder wollte Johanna auf Grund ihrer Idee vom Franzöſiſchen Königthum nur ſagen: Weil Du Karls VI. echter Sprößling biſt, ſo will Gott Dir durch mich Deinen Thron retten? Die Worte, wie ſie ſind, ſprechen keineswegs dafür. Oder zweifelte man von mehreren Seiten an der Legitimität des Koͤnigs und ahnete deshalb Johanna den gleichen Zweifel in des Königs Herzen? Die Quellen zeigen keine Spur davon.
Je mehr wir frei ſind von dem Beſtreben, das Wunderbare, wo es auf glaubhaften Zeug⸗ niſſen ruht, unter jeder Bedingung zu erklären oder gar in bloßen Schein zu verflüchtigen, deſto mehr halten wir es für unſere Pflicht, da wo die Quellen ſelbſt den Schlüßel zur Löſung bieten, wenigſtens die Aufmerkſamkeit darauf zu richten. Gleich beim erſten Leſen ſind mir die Worte aufgefallen, welche Pasquerel Johannas Rede unmittelbar vorausſchickt: Nach vielen Fragen, vom Könige gethan, ſprach Johanna abermals: Ich ſage Dir von Seiten meines Herrn u. ſ. w. Nach C. IV, 270 dauerte die geheime Unterredung ſogar eine Stunde. Hat der Koͤnig, deſſen Herz von quälender Sorge gepreſt war, in ſeine vielen Fragen nie einen Ten hineinklingen laßen, der auch nurx von ferne auf die Urſache ſeiner Bangigkeit anſpielte? Wie? wenn er die geheime Unterredung hauptſächlich in der Abſicht begonnen hätte, um zu ſehen, ob die als Botin Gottes Angemeldete auch für den brennendſten Zweifel ſeiner Bruſt einen himmliſchen Troſt habe? Unwillkürlich geht der Mund des über, wes das Herz voll iſt. Iſt dies irgendwie der Fall geweſen, unbemerkt vom König ſelbſt, unmerklich für jedes andere als Johannas Ohr, dann iſt das Räthſel gelöſt. Wer nur einen oberflächlichen Blick in die Acten der Verhöre thut, der ſieht mit Erſtaunen, wie Johanna den Richtern bei jeder Frage die ver⸗ ſteckteſten Gedanken aus der Seele lieſt. Nur ein Anknüpfungspunkt, und die Sache liegt bis in ihren Urgrund aufgedeckt vor Johannas Scharſſinn. Die Richtigkeit meiner Vermuthung vorausgeſetzt, iſt das Wunder in dem Sinne, wie es QOuicherat nimmt, unhaltbar; dagegen bleibt die Fügung aller Umſtände als Fingerzeig göttlichen Waltens, es bleibt die eminente Gabe die Getſer zu durchſchauen, und mit dieſer Gabe hat nicht ein blindes Ungefähr Johanna ausgerüſtet, ſondern der lebendige Gott, welcher ſie zur Ausführung ſeiner Plane auserwählte. Am Schluße der Unterredung fragte Johanna den König, ob er zufrieden ſei. Karl gab ihr dieſe Verſicherung und ließ ſie in ihre Wohnung zurückgeleiten.é Johannas erſter Gang, nachdem ſie ſich aus dem Saale entfernt hatte, war in eine nahe Kapelle, um Gott für den glücklichen Erfolg zu danken 35.
Von nun au hatte Johanna freien Zutritt am Hofe. Schon am folgenden Tage ſinden wir ſie wieder im Schloße. Während ſie ſich mit dem König unterhielt, traf der Herzog Johann von Alengon ein. Dieſer hatte in Saint⸗Florent-les-Saumur, während er ſich gerade an der Wachteljagd erluſtigte, Nachricht von der Ankunft der Jungfrau erhalten und war Tags darauf nach Chinon geeilt. Der König machte Johanna mit dem Herzog bekannt. „Seid willkommen, ſprach ſie, je mehrere vom Blute des Königs von Frankreich beiſammen
ſind, deſto beßer 36.“ Johann von Alengon war nämlich Schwiegerſohn des bei Azincourt


