Druckschrift 
2 (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15

fängnis zu entgehen und ſich nach Spanien oder Schottland zu retten, wo von Alters her Waffenbrüder und Verbündete der Franzöſiſchen Könige wohnten, weshalb er dieſelben zur letzten Zuflucht auserſehen habes: Dieſes ſtille Herzensgebet, das nicht über die Lippen des Königs gekommen war, iſt es alſo nach den drei Chroniſten, welches Johanna dem König wiederholt hate), um ihn von ihrer göttlichen Sendung zu überzeugen. An dieſen Vorhalt des Gebetes ſchließt ſich unmittelbar das Troſtwort der Erhörung, welches nach Pasgquerel Johanna im Namen Gottes dem König überbrachte:Ich ſage Dir von Seiten meines Herrn, daß Dubiſt der wahre Erbe von Frankreich und der Sohn des Konigs(Karls VI.) Und er ſendet mich an Dich, um Dich nach Reims zu führen, wo Du Deine Krönung und Salbung empfaugen ſollſt, ſofern Du es willſt as. Silbe für Silbe lautet dieſer Ausſpruch als die Antwort Gottes auf des Königs Gebet, jeden Zweifel Karls an der Recht⸗ mäßigkeit ſeiner Geburt niederſchlagend und Gottes ⸗Gnadenrath verbürgend, ihm das ange⸗ ſtammte Scepter zu bewahren. Klar iſt ſomit der Gegenſtand des Geheimniſſes: Des Konigs Zweifel an der Echtheit ſeiner Geburt, durch der Mutter Laſterleben und unnatürlichen Haß hervorgerufenz klar auch der Grund, weshalb Johanna vor den Richtern ſo ſtandhaft ſchwieg. Denn was hätte dem Feinde beßer dienen können, das Anſehn des Königs vellends zu unter⸗ graben, als deſſen Zweifel an ſeiner Abſtammung und Erbberechtigung?

Iſt obige Zuſammenſtellung der Chroniken mit Pasquerels Ausſage die allein ſtatthafte, dann hat Quicherat Recht, wenn er die Offenbarung des Gebetes als unumſtöͤßlichen Beweis für die Wundergabe der Johanna anführt, die allergeheimſten Gedanken gewiſſer Perſonen zuerkennen*). l) eelin e füntne elin 3 Liu.

Anders urtheilt Haſe(S. 17):Was Johanna nach dem Berichte des Prieſters zum König geſprochen, war für ſie eine einfache, ſich von ſelbſt verſtehende Rede, für den König eine Antwort auf ſein Gebet und auf den bitterſten Zweifel, den der Haß und der Leichtſinn der Koͤnigin⸗Mutter in ſeine Bruſt geworfen hatte. In der ſpäteren Er⸗ zählung(Salas) mochte ſich dieſe Antwort leicht zur Offenbarung des Ge⸗ betes ſteigern, und die Jungfrau ſelbſt, wenn ſie durch die tiefe Bewegung des Königs davon erfuhr, wird darin ein Zeichen des Gottes, der durch ihren Mund Jenruchen, erkannt haben. Nach Haſes Anſicht bleibt demnach nur das Gebet des Königs und Johannas Aus⸗ ſpruch, wie ihn Pasquerel aufbewahrt hat, als Thatſache ſtehen, dagegen fällt die Wiederholung des Gebetes als ſpätere Zuthat hinweg. Unleugbar iſt die Geſchichte der Jungfrau frühzeitig

19 or 12021. 122 1 1 1 2 1ot enune im. 1

*) S. auch Thomas Basin, O. Aperc. p. 66: Fertur enim dixisse rex(quod et a comite Da- nensi, qui sibi familiarissimus erat, audivisse meminimus) eam sibi tam secreta atque occulta ad dictorum fidem adduxisse, quæ nullus mortalium præter se ipsum, nisi divinitus habita

revelatione, scire potaisset. ,9 un a en brg 1

**) 0. Apergç. p. 61: Les communications que Jeanne regevyait de ses voix, étaient ou des en- couragements et des conseils conformes aux monvements intérieurs qui accompagnent'exercice de la volonté, ou des révélations par lesquelles il lui arrivait, tantot de connattre les plus

Secrètes pensées de certaines personnes, tantèt de percevoir des objets hors de la portée de ses sens, tantôt de discerner et d'annoncer Pavenir. On ne s'est jamais beaucoup arrèté aux ſaits du pr ier ordre; mais les autres sont de telle nature que, bien qu'ils aient été cent fois laconef. G voudra les entendre redire poür se convainere qu'ils sont bien et düment

prouxés. Dans mon opinion, les documents fournissent pour chacune des trois espèces de révélations qui viennent d'etre énoncées, aun moins un exemple assis sur des bases si solides, qu'on ne peut Ie rejeter sans rejeter le fondement meme de T'histoire. Die Unterſuchung ſelbſt üder den votliegenden Gegenſtand ſ. S. 62 68. Dieſelbe leidet an dem weſentlichen Mangel, daß Quicherat die Worte Pasquerels, wie wir ſie ohen angeführt haben, gänzlich außer Acht läßt,

weshalb er über die Linie der Chroniſten nicht hinauskommt.