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welcher dem König die Krone bringt und ihm den Beſitz des ganzen Reichs verheißt! Am Morgen ihres Todes ſoll ſie dies ſelbſt bekannt haben-.).. e e ener.
„DSonach geben die Proreſſacten in Betreff des Geheimniſſes wohl einen neuen Beweis für die Thatſache, doch keinen Aufſchluß über den Inhalt. Aber was Johanna um jeden Preis vor dem Haß der Richter verbarg, hat ſie auf eine ganz unverfängliche Weiſe in die Seele ihres redlichen Kaplans niedergelegt. Auch der König hat nicht immer geſchwiegen, ſondern in ſpäteren Jahren ſeinem innigſten Freunde, dem Herrn von Boiſy, Wilhelm Gouffier, das Ge⸗ heimnis entdeckt. Dieſer lebte noch unter Karl VIII. als deſſen Kammerherr und Erzieher ſeines Stiefſohnes. Zum Hofhalte des letzteren gehörte auch Peter Sala, der ſich mit beſonderer Liebe an Gouffier anſchioß und von ihm das Geheimnis erfuhr, welches er ſeinem im Jahr 1516 Franz l. gewidmeten Buche: Hardiesses des grands Rois et Empereurs(O. IV, 257 sg.) einverleibte. Zwei Seitenſtücke zu Salas⸗Erzählung, im Weſentlichen mit derſelben überein⸗ ſtimmend und gleichfalls aus dem Anfange des ſechszehnten Jahrhunderts, finden ſich in dem Auszuge aus dem Proceſſ(Q. IV, 257. sq.) und in dem Spiegel tugendhafter Frauen(0. IV, 271.) Die Geſtändniſſe der Johanna und des Königs ergänzen einander dergeſtalt, daß über den Gegenſtand des Geheimniſſes kein Zweifel obwaltet. Beginnen wir mit Sala.„Gouffier erzählte mir das Geheimnis, das zwiſchen dem König und der Jungfrau beſtanden, und wohl konnte er es wißen, denn in ſeiner Jugend hatte ihn der König ſo lieb gehabt, daß er niemand in ſeinem Bette ſchlafen ließ, als ihn, In dieſer großen Vertrautheit theilte ihm der König die Worte mit, welche die Jungfran zu ihm geredet hatte, wie ihr ſie ſogleich hören werdet. Es iſt wahr, daß es dieſem guten König Karl VII. zur Zeit ſeines groͤſten Unglücks ſo erbärmlich ging, daß er nicht mehr wuſte, was er anfangen ſollte und nur auf ein Mittel dachte, ſein Leben zu retten. Denn er war rings von ſeinen Feinden eingeſchloßen. Als der König nun ſo an das Aeußerſte dachte, trat er eines Morgens in ſein Betzimmer ganz allein, und da richtete er in ſeinem Herzen ein domüthiges Gebet an den Herrn, ohne ein Wort auszuſprechen**). Er bat andächtig, wenn esiſo wäre, daß er der wahre Erbe ſei, entſproßen aus dem edlen Hauſe von Frankreich und das Reich von rechtswegen ihm gehoͤrte, daß Gott es ihm bewahren und ſchirmen, oder ſchlimmſten Falls ihm die Gnade verleihen möge, dem Tode oder dem Ge⸗
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*) G. I, 479. 480. 481. 484(Loiselleur): Jpsetloquens a dicta Johanna audivit dici quod ipsa- met Johanna fuerat quae nuntiaverat illi quem dicit regem suum, coronam de qua fit sermo, et qinod ipsamet fuit angelus, nec fuerat alius. Et tunc fuit interrogata si illi, quem dicii suum regem, fuerat realiter tradita una corona. Respondit quod nihil aliud fuit, nisi pro- missio coronationis illius quem dicit regem suum, quam fecit eidem, promittendo scilicet quod ipse coronaretur. Wegen dieſer Täuſchung wird Johanna von den Advocaten im Reviſions⸗ proceff vertheidigt, Q. II, 182. 247: Etsi non licet mentiri, licet tamen, fingendo seu caute res-
pondendo, veritatem occultare laco et tempore. Sic Abraham locutus est coram Pharaone.
**) In dem Auszug aus dem Proceſſ, Q. IV, 258iſt das Gebet zu drei Bitten erweitert, welche wir hier poörtlich anführen.„Herr, die erſte Bitte, welche Ihr an Gott richtetet, war die, daß Ihr batet, wenn Ihr nicht wahrer Erbe von Frankreich wäret, er nach ſeinem Wohlgefallen Euch den Muth nehmen möchte, darnach zu trachten, damit Ihr nicht länger Urſache wäret, Krieg zu führen und
Krieg auszuhalten, um das Reich wieder zu erobern, woraus ſoviel Unheil entſteht. Die zweite
itte war, daß Ihr batet, wofern die großen Widerwärtigkeiten und Drangſale, die das arme Franzöſiſche Volk erdulde und ſo lange ſchon erduldet habe, von Eurer Sünde herrührten, und Ihr Schuld daran wäret, daß es Gott gefallen möge, das Volk davon zu befreien und Euch allein dafür zu ſtrafen und zu züchtigen, ſei es durch Tod oder ſonſt ein Leid, das ihm genehm wäre. Die dritte Bitte war, daß wenn die Sünde des Volkes der Grund dieſer Trübſale wäre, es Gott gefallen möge, dem Volke zu verzeihen und Seinen Zorn zu ſtillen und das Reich ſeiner Drangſale zu entledigen, die bereits zwölf Jahre und darüber auf ihm laſteten.


