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Theile floß dieſe ungeſtüme Tapferkeit aus dem Glauben, auf Gottes Geheiß im Kampfe zu ſte⸗ hen, ein Glaube, der keine Furcht, kein Zagen um die eigene Perſon aufkommen läßt. Es ruhte dieſer eiſerne Muth auf einer dauerhaften Geſundheit und nachhaltigen Körperkraft, wie ſie ſonſt dem weiblichen Geſchlechte nicht eigen iſt. Aber wenn irgendwo, ſo iſt es hier wahr und gleich⸗ ſam mit Händen zu greifen, daß der Geiſt den Körper hebt und trägt. Unter den ungeheuren Anſtrengungen, welchen die Jungfrau, bei Tag und Nacht im Stahlkleide, ohne Raſt und Ruhe ſich unterzog, wäre ihre rüſtige Natur unfehlbar zuſammengebrochen, hätte nicht der Glaube die ſinkende Kraft geſtählt und der Erſchöpfung gewehrt. Die Heiligen kamen und ſtärkten ſie! Johannas Thaten und Maßnahmen bezeugen, daß ſie zu ihrem Werke ein entſchiedenes Feldherrntalent mitbrachte. Was ſie ſiegen machte, war jedoch keineswegs allein das Genie. Ein ſiegestrunkenes, der Zahl nach überlegenes Heer, Feldherrn von erprobter Tüchtigkeit, in der Schule des Krieges gebildet, ſtanden der Jungfrau gegenüber. Die Franzoſen, auf allen Punk⸗ ten geſchlagen und an ſich ſelbſt verzweifelnd, hatten die Hoffnung, Orleans und das Reich zu retten, ſo gut wie ganz verloren. War es Johannas Genie, was dieſen den Siegesmuth wie⸗ dergab, ohne den keine Schlacht zu gewinnen iſt, jenen die ſichere Beute aus den Händen riß? Johanna kam mit der felſenfeſten Gewisheit, von Gott erwählt zu ſein, um als ſein Werkzeug ſeine Sache zu führen und die göttliche, vom Feinde zertrümmerte Ordnung im heiligen Frank⸗ reich wieder aufzurichten. Gottes Wille muß geſchehen. In dieſem Glauben verkuͤndigte ſie Orleans Befreiung, des Königs Krönung und die gärzliche Vertreibung der Feinde aus den Grenzen des Reiches. Ihr Glaube weckte Glauben, und ehe noch eine einzige That Johannas Verheißungen beſtätigt hatte, hofften bereits die Bedrängten, was ſie wünſchten*). Ein kleiner Erfolg reichte hin, um der Hoffnung das Siegel göttlicher Verbürgung aufzudrücken. Was Wunder, wenn das Franzöſiſche Heer von einer Siegeszuverſicht erfüllt ward, als ſtände Gott ſelbſt an ſeiner Spitze, um es von Sieg zu Sieg zu tragen; und dagegen das Engliſche Heer, das nur zu ſiegen gewohnt war, bei der geringſten Schlappe in paniſchen Schrecken gerieth, als hätte es mit übermenſchlichen Mächten zu kämpfen. Und nun Johannas Thaten an und für ſich betrachtet. Nicht ohne das Genie ſind ſie vollbracht, das Gelingen hing zumeiſt vom Glau⸗ ben ab. Vermag ſchon der Glaube, der nicht ſieht, Berge zu verſetzen, was wird erſt dem Glau⸗ ben möglich ſein, mit dem das Schauen Hand in Hand geht! In keinen Kampf ließ ſich Jo⸗ hanna ein, ohne daß ſie des Beiſtandes ihrer Heiligen verſichert war. Die Stimmen bezeichne⸗ ten Weg und Ziel**). Auf ſolche übernatürliche Hülfe vertrauend überſprang die Heldin mit kecker Entſchloßenheit tauſend Bedenklichkeiten und machte, alle Berechnungen des Genies über⸗ bietend, das für unmöglich Gehaltene zur Wirklichkeit. So ſank die feindliche Uebermacht vor der weltüberwindenden Kraft und Kühnheit des Glaubens in den Staub. Eine Thatſache, welche d'Aulon erzählt, liefert den ſprechenden Beweis. Die zahlreiche Beſatzung von Saint⸗Pierre⸗la⸗ Mouſtier hatte den Sturm tapfer abgeſchlagen. Die Franzoſen zogen ſich zurück. Nur Johanna nebſt vier oder fünf Soldaten, welche ihre Nähe feßeln mochte, wich und wankte nicht. DAulon, für ihr Leben beſorgt, ritt auf ſie zu und bat ſie, ſich nicht allein der Gefahr bloßzuſtellen. Ich bin nicht allein, war die Antwort, fünfzig tauſend meiner Leute ſind um mich, und ich gehe nicht von der Stelle, bis ich die Stadt genommen habe**). Dann rief ſie mit lauter Stimme die Fliehenden zurück, ließ die Graben mit Faſchinen füllen und eroberte die Stadt nach gerin⸗
*) Der Verfaſſer des Tagebuchs, O. IV, 153, ſagt von den Bürgern und Kriegern Orleans beim Em⸗ pfang der Jungfrau: ſaisans autel joye comme se ilz veissent Dieu descendre entre eux, et non sans cause. Der Aberglaube wähnte, ſie werde Pfeile und Kugeln auffangen.
*) D'Aulon, O. III, 219: Quant la dicte Pucelle avoit ancune chose à faiĩre pour ie fait de sa guerre, elle disoit à il qui parle que son conseil luy avoit dit ce qu'elle devoit faire..
**) Sie meint Legionen von Engeln, 0. 1, 130: Angeli multotiens veniunt inter christianos, et non videntur, et ipsa eos saepe vidit inter christianos. 7 59221.


