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1 (1857)
Entstehung
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Wie die Stärke, ſo war auch die eigenthümliche Farbe ihres Patriotismus durch den Glauben bedingt. Für Johanna war Frankreich vorzugsweiſe das Land der göttlichen Liebe, das Franzöſiſche Reich in beſonderem Sinne das Reich Gottes und Chriſti auf Erden ²33. Gott iſt in der Idee der Jungfrau der eigentliche König des heiligen Franzöſiſchen Reiches, von ihm als Oberlehnsherrn ſtammt die Krone, der rechtmäßige Regent trägt ſie als Gottes Stell⸗ vertreter. Folglich ſind die Feinde Frankreichs als ſolche Feinde Gottes, gibt Gott ihnen Sieg, ſo geſchieht es nur, um die Sünden des Franzöſiſchen Volkes zu ſtrafen, das Reich aber werden ſie nimmer erobern, ſondern zuletzt durch eine große Niederlage theils umkommen, theils ver⸗ trieben werden*). Im Lichte dieſer Ideen war die Liebe für König und Vaterland das noth⸗ wendige Ergebnis der Liebe zu Gott, denn wer Gott liebt, der liebt auch was Gottes iſtund der Kampf für König und Vaterland ward ein Kampf für die Sache Gottes, für ſein heiliges Recht zu ſeines Namens Ehre. So innig ſind in Johannas Perſönlichkeit Liebe und Treue ge⸗ gen Fuͤrſt und Vaterland mit dem Glauben verbunden, und dürfen wir dieſen das Herz ihres

eiſtigen Lebens nennen, ſo ſind jene die mächtigen Schlagadern, welche unmittelbar aus dem⸗ ſelben entſpringen.

Aus dem Glauben erklärt ſich ferner der unerſchütterliche Muth, die unerſchrockene That⸗ kraft der Johanna. Wohl war ihr von Natur ein unverzagtes Herz gegeben, aber die rückſichts⸗ loſe Energie, womit ſie, ihrer ſelbſt vergeßend, Gefahr und Wunden**) nicht ſcheuend, ſich in das Schlachtgewühl ſtürzte, war nicht bloß die Frucht natürlichen Heldenſinns. Zum größeren

*) Es leuchtet ein, daß die patriotiſchen Ideen der Jungfrau vielfach an die theokratiſch⸗particulariſti⸗ ſchen des Volkes Israel anſtreifen. Eine Beſchränktheit iſt das offenbar, gerade dieſe Beſchränkt⸗ heit aber hat nicht wenig dazu beigetragen, um der Vaterlandsliebe der Johanna ihre gewaltige Intenſität zu geben. Keineswegs artet indeſſen die nationale Befangenheit zu dem engherzigen Vorurtheile aus, als wären die übrigen chriſtlichen Völker ausgeſchloßen von der Liebe und Gnade Gottes. 0. I. 65. 251. 262 wird Johanna gefragt, ob ihr als Kind die Stimmen geſagt hätten, ſie ſolle die Burgunder haßen. Nachdem ich, antwortet ſie, inne geworden war, daß die Stimmen für den König von Frankreich waren, habe ich die Burgunder nicht geliebt. Die Burgunder wer⸗ den Krieg haben, ſofern ſie nicht thun, was ſie müßen. Ob ſie in ihrer Jugend großes Ver⸗ langen gehabt, den Burgundern zu ſchaden? Ich habe aus Herzensgrunde gewünſcht, daß mein König ſein Reich erhalte.(Was denn auch die Stimme verhürgt, 0. I, 87. 88. 139. 141. 253. V, 27.) 0. 1, 178: Ob ſie wiße, daß Katharina und Margareta die Engländer haßen? Sie lie⸗ ben, was Gott liebt, und haßen, was Gott haßt. Haßt Gott die Engländer? Von der Liebe oder dem Haß, den Gott gegen die Engländer hegt, oder was er an ihren Seelen thun wird, weiß ich nichts; aber wohl weiß ich, daß ſie werden vertrieben werden aus Frankreich, mit Ausnahme de⸗ rer, welche daſelbſt bleiben und ſterben werden, und daß Gott den Franzoſen Sieg geben wird ge⸗ gen die Engländer. War Gott auf Seite der Engländer, als dieſelben Glück hatten in Frank⸗ reich? Ich weiß nicht, ob Gott die Franzoſen haßte, glaube aber, daß er ſie ſtrafen laßen wollte für ihre Sünden, ſo ſie deren hatten. 258 sq. 0. I, 86: Wie ſollte Margareta Engliſch reden, da ſie nichr auf Seite der Engländer iſt. 269. 335. Was den großen Sieg der Franzoſen be⸗ trifft, durch den die Engländer in Frankreich alles verlieren werden, ſo verweiſen wir vorläufig auf O. I, 81. 178. 252 sq. 258. 331 sq..5 1 1e

**) Johanna war nicht ſicher vor Verwundungen, hat vielmehr vorausgeſagt, ſie werde verwundet wer⸗ den, und iſt mehrmals ſchwer verwundet worden, O. I, 57. 79: Interrogata an bene praesciebat quod laederetur(in Orleans), respondet quod hoc bene sciebat, et dixerat suo regi; sed quod, hoc non obstante, non dimitteret ulterius negotiari. Et fuerat hoc sibi revelatum per voces duarum Sanctarum etc. 252. 260. III, S. 97. 109. 111. 217. 86(Touroulde): Dieit insuper quod(quum) aliquando fabularentur ad invicem, et eidem Johannae diceretur quod ipsa non dubitabat ire ad insultus, quia ipsa bene sciebat quod non caederetur: ipsa respondebat huod non habebat aliquam securitatem amplius quam caeteri armati. IV, 27. 61. 87.

160. 172. 199.227. 228. 324. 393. 426.457. 480. 494. 515. V, 42. 70. 145. 4 Sa0