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ner Anordnung ²05. Dies haben auch die Franzoſen in Chinon erkannt 206. Bei Johanna ſteht der Glaube, daß die Stimme von Gott ſei, ebenſo feſt, wie der Glaube an die Lehre Chriſti und das von Gott geſtiftete Erlöſungswerk 207. Nicht daß die Stimme unmittelbar von Gott aus⸗ ginge oder daß Johanna mit Gott ſelbſt redete 20s. Gott bedient ſich der Engel und Heiligen als dienender Geiſter, um Johanna ſeinen Willen wißen zu laßen, und Johanna wendet ſich durch dieſelben an Gott, um deſſen Rathſchluß zu erfahren. Aber da die Engel und Heiligen von Gott geſchickt ſind, da ſie nichts ſagen, was Gott nicht, wohlgefällig, nichts verſprechen, was ihm nicht genehm wäre, da ſie lieben, was Gott liebt, und haßen, was Gott haßt 2⁰9, mit anderen Worten: da ſie keinen Willen neben dem göttlichen haben, und eben damit ihre Ver⸗ mittlung eine vollkommen zuverläßige iſt, ſo verſteht es ſich ſchon von ſelbſt, daß das, was die Stimme ſpricht, ebenſo gut iſt, als ſpräche es Gott ſelber, und daß mit den Engeln und Heili⸗ gen reden ſoviel heißt, als unmittelbar mit Gott reden.
Als treue Vollſtreckerin des göttlichen Gebotes darf Johanna von ſich ſagen, daß ſie von Gott gekommen, von ihm geſandt ſei 210. Würde ſie ſagen, Gott habe ſie nicht geſandt, ſo würde ſie ſich ſelbſt verdammen, denn Gott hat ſie wahrhaftig geſandt 211. Ohne die Gnade Gottes vermag ſie nichts zu thun 212. Ihre Worte und Werke ſind alle in Gottes Hand; nichts ſagt, nichts thut ſie, es ſei denn auf Gottes Geheiß, durch Offenbarung und Vorſchrift des Herrn, oder, was daſſelbe iſt, der Engel und Heiligen 213. So thut ſie nur, was Gottes Wille iſt, und was ſie thut iſt, eben damit recht gethan 214. Gott wird ſich, ſo hofft Johanna, dazu bekennen. Und zwar thut ſie den Willen Gottes unbedingt, ob auch noch ſo viele Hinderniſſe im Wege ſtänden. So gewis ſie nur auf Gottes Befehl nach Frankreich gegangen iſt und ſich lieber von Pferden hätte zerreißen laßen, als daß ſie ohne ſeinen Auftrag einen ſolchen Schritt gewagt hätte, ſo gewis war es ihre Pflicht, dem göttlichen Gebote Folge zu leiſten, und Johanna hätte ſich nicht zurückhalten laßen, wenn ſie auch hundert Väter und Mütter gehabt hätte und ſelbſt des Königs Tochter geweſen wäre 216. In allen Stücken iſt's beßer, Gott gehorſam ſein, als den Menſchen 2²16; auf ſeinen Willen kommt es an, was zu thun, was zu unterlaßen iſt 217. Freilich wird es oft ſchwer, ſich unbedingt dem göttlichen Willen zu unterwerfen. Nicht gern hätte Johanna den Ausfall aus Compiegne gemacht, wenn die Stimme ihr geſagt hätte, ſie würde bei dieſer Gelegenheit in Gefangenſchaft gerathen; ſchließlich würde ſie gleichwohl der Vor⸗ ſchrift der Stimme Gehorſam geleiſtet haben, was auch daraus entſtanden wäre 21s. Nun ſie durch Gottes Fügung wirklich gefangen iſt, muß auch das zu ihrem Heil gereichen 218. Und wie bisher, ſo wird ſie auch in Zukunft Gottes Willen jederzeit vollbringen, wer auch immer in der Welt das Gegentheil gebieten möchte 21e. Denn Gott ſoll man zuerſt und vor allen die⸗ nen*). Er iſt Johannas oberſter Herr, iſt ihr Meiſter und iſt es ſtets geweſen in allen ihren
*) Einige ſpäter zu erwähnende Fälle kommen allerdings vor, wo Johanna gegen das Gebot ihrer Stimmen gehandelt hat. Quicherat, Aperc. 53 sq., knüpft daran folgende Betrachtung: La foi méme la plus prononcée, chez ceux qui la possèdent, risque à tout moment de perdre de sa ferveur, soit par la révolte des sens ou de l'esprit, soit par l'influence des choses exterieures. Mais ne semble-t-il pas que celle de Jeanne, ravivée incessamment par des manifestations si marquées, était à P'abri de tout accident! De ce que ses sens eux-memes étaient au service du conseil qui la di- rigeait, elle aurait donc du obéir à cette direction dune manieère constante et absolue. Cependant les faits contredisent cette conséquence où conduit le raisonnement. La vie intellectuelle du Jeanne présente ce phénomène que, sans avoir perdu un seul instant le sentiment ni le respect de sa mission, il lui fut possible de se soustraire aun commandement si impérieux qui lui tracait la marche pour l'accomplir. C'est encore dans ses aveux que se trouve la preuve de cela. Ihre Erklärung findet dieſe Erſcheinung in der Sündhaftigkeit der menſchlichen Natur. So ſtark auch Johanna im Glauben war, fertig war ſie nicht. Nur der vollendete Heilige thut allezeit den
Willen Gottes, nur der vollkommen Sündloſe kann nicht mehr abweichen von des Herrn Wort und Gebot. Bevor dieſes Ziel erreicht iſt, wird niemand von ſich rühmen dürfen: Nie iſt die Sünde mächtiger in mir geworden, als das erkannte Geſetz Gottes, nie habe ich mich von der


