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1 (1857)
Entstehung
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den Heiligen erneuert 195. Dieſe haben ihr auf ihre Bitte verſprochen, ſie in das Paradies zu führen 196. Da nun die Heiligen nie etwas verſprechen ohne göttliche Erlaubnis, ſo iſt Jo⸗ hanna ihres Heiles eben ſo ſicher, als wäre ſie ſchon im Paradieſe, vorausgeſetzt natürlich, daß ſie das eidliche Gelübde der Jungfrauſchaft treulich hält ¹97. Ermuthigend rufen die Heili⸗ gen ihr zu in ihrem Kerkerelend: Nimm alles mit Dank hin, gräme dich nicht über dein Mär⸗ tyrerthum, du wirſt zuletzt ins Reich des Paradieſes eingehen, und nennen ſie in dieſer Vor⸗ ausſicht bereits vor der Befreiung von Orleans und ſeitdem alle Tage, wo ſie mit ihr reden, häufig: Jungfrau Johanna, Tochter Gottes 198. Einen anderen Lohn als die Rettung ihrer Seele erwartet ſie nicht und hat auch nie einen anderen begehrt, wie denn von Verdienſt über⸗ haupt keine Rede ſein kann, ſondern nur von Gottes Wohlgefallen, durch ein einfaches Mädchen große Dinge zu thun 199.

Vor der Abreiſe von Domremy geboten ihr die Stimmen ſich nach Frankreich aufzumachen, um die Belagerung von Orleans aufzuheben 9 Zu dem Ende ſolle ſie ſich nach Vaucouleurs zu dem königlichen Hauptmann des Platzes, Robert von Baudricourt, begeben; er werde ſie zwar zweimal abweiſen, aber zum dritten Male ſich bereit finden laßen, ihr Leute auf den Weg nach Frankreich mitzugeben 206; der König von Frankreich werde, möchten es ſeine Gegner wol⸗ len oder nicht, ſein ganzes Reich wiedererhalten durch Gottes Hülfe und Johannas Mühewal⸗ tung 201¹. Johanna machte Gegenvorſtellungen. Ich bin, ſagte ſie, nur ein armes Mädchen und verſtehe nicht zu reiten, geſchweige Krieg zu führen 202. Später hat ſie gerade das, wovor ſie anfangs zurückſchreckte, als beſondere Gnade aus freien Stücken von den Heiligen erbeten, ja! unter den drei Bitten, welche ſie noch in der Heimat an ihre Stimmen richtete, nimmt die Bitte, nach Frankreich entſendet zu werden, den berſen Platz ein**). Die zweite, daß Gott den Franzoſen beiſtehen und die treuen Städte unter ſeinen Schutz nehmen möge, iſt der erſten nahe verwandt. Erſt die dritte betrifft das Heil ihrer eignen Seele 203.

Alles nun, was die Stimmen je befohlen haben, hat Johanna ſtets nach beſtem Wißen und mit allen Kräften erfüllt. Und dies deshalb, weil die Stimmen nichts gebieten, was nicht Got⸗ tes arhri nicht ſein Wohlgefallen wäre 2⁰4, ſo daß alſo den Stimmen gehorchen, Gott ge⸗ horchen heißt. Alles Gebot kommt von Gott, denn die Stimme kommt von ihm und nach ſei⸗

*) Man vergleiche mit den Bekenntniſſen der Johanna dasjenige, was darüber der Predigermönch Seguin, einer von ihren Examinatoren in Poitiers, im Reviſionsproceſſe mitgetheilt hat, Q. III, 204. Man wird in dem kurzen Abriß manche ächte Züge des Bildes wiederfinden, welches wir nach den Acten entworſen haben. Als Johanna, das ſind Seguins Worte, das Vieh hütete, erſchien ihr eine Stimme, welche zu ihr ſprach, Gott habe großes Mitleid mit dem franzöſiſchen Volke, und Johanna müße ſich nach Frankreich begeben. Als Johanna dies hörte, fing ſie an zu weinen. Die Stimme ſagte weiter, Johanna ſolle nach Vaucouleurs gehen, daſelbſt werde ſie einen Hauptmann ſde Neweigher ihr ein ſicheres Geleit nach Frankreich und zum Könige geben würde; Johanna

lle ni aran zweifeln.

**) Einen ſprechenderen Beweis kann es nicht geben, daß das, was Johanna für Gottes Willen hielt, zugleich ihres Herzens heißeſtes Verlangen war. Ob das Verlangen, ſelbſt das Organ der göttlichen Hülfe werden zu können, ſchon vor der erſten Viſion in der Seele der Johanna gelegen habe, ob etwa in einzelnen Augenblicken wie aus geheimnißvoller Tiefe in ihr eine ſolche Sehnſucht auſgeſtiegen ſei, darüber läßt ſich begreiflicher Weiſe nichts ermitteln. Unwahrſcheinlich iſt es keineswegs, da der welt⸗ hiſtoriſche Beruf Frankreich zu retten, ihr angeboren war. Daß ſie ſchon als Kind großes Verlan⸗ gen(magnam voluntatem seu affectionem) gehabt hat, der König möge ſein Reich wiedererhalten, wißen wir aus 0. 1, 66. Geſetzt, die Idee Frankreichs Befreierin zu werden, habe ſich ſchon vor Mi⸗ chaels erſtem Erſcheinen dann und wann bei Johanna angemeldet, ſo dürfte uns ihr anfängliches Zu⸗ rückbeben und Einwandmachen nicht wundern.Der Menſch, ſagt Göthe in W. Meiſters Lehr⸗ jahren(XIX, 127) ſcheint mit nichts vertrauter zu ſein, als mit ſeinen Hoffnungen und Wün⸗ ſchen, die er lange im Herzen nährt und bewahrt, und doch, wenn ſie ihm nun begegnen, wenn ſie ſich ihm gleichſam aufdringen, erkennt er ſie nicht und weicht vor ihnen zurück. Das wird um ſo gewiſſer der Fall ſein, je größer die Sache iſt, auf welche Wunſch und Hoffnung ſich richten.