Druckschrift 
1 (1857)
Entstehung
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Ehren Deiner heiligen Paſſion bitte ich Dich, wenn Du mich lieb haſt, daß Du mir offenbareſt, wie ich antworten ſoll dieſen Leuten der Kirche. Ich weiß wohl, in Betreff der Kleidung, das Gebot, infolge deſſen ich ſie angelegt habe, aber ich weiß nicht, auf welche Art ich ſie ablegen ſoll. Deshalb möge es dir gefallen, mir dies kund zu thun. Alsbald nach Beendigung des Gebetes erſcheinen die Heiligen, um Johanna zu verkündigen, was Gottes Wille iſt 1835. Sonach bleibt Johanna in keinem Falle rathlos, wo ſie der göttlichen Offenbarung bedarf. Sie iſt deſſen alle⸗ wege gewis und vor jedem Betruge ſicher. Käme irgend ein Chriſtenmenſch der Welt zu ihr und ſpräche, er habe für ſie eine Offenbarung von Gott, ſo würde ſie durch ihre Heiligen erfah⸗ ren, ob er die Wahrheit ſpräche oder nicht, bevor ſie aber von den Heiligen ein Zeichen darüber hätte, würde ſie ihm den Glauben verſagen 184. 4

Gemeinſam bringen Katharina und Margareta die göttliche Botſchaft, immer von beiden zugleich empfängt Johanna Rath*), und weder widerſprechen die Heiligen einander, noch laßen ſie ſich je auf einer Doppelzüngigkeit betreffen 185. Alles dieſes begründet und rechtfertigt Jo⸗ hannas Vorſatz, die Heiligen ſo lange ſie lebt zur Hülfe zu rufen, wenn ſie deren bedarf 186. Dagegen iſt es Gewißensſache für ſie, Gott(durch die Heiligen) nicht ohne Noth um Offenba⸗ rungen zu bitten 182.

Johannas Bitten beziehen ſich vorzugsweiſe auf das ihr von Gott verordnete Rettungswerk des Vaterlandes und auf alles, was damit im Zuſammenhange ſteht(Proceſſ ꝛc.); doch iſt es dhr auch verſtattet, rein perſönliche Wünſche den Heiligen vorzutragen. Dahin gehört z. B. der Wunſch, dereinſt ins Paradies zu gelangen ¹ss. Auch verſpricht ſie wohl den Heiligen etwas aus eigenem Antriebe, ohne daß dieſelben dazu auffordern. So hat ſie ſich den Heiligen gegen⸗ über ſogar eidlich verpflichtet, das dem Könige gegebene Zeichen vor jedermann geheim zu hal⸗ ten; ſie wollte nämlich dadurch, daß ſie ſich durch einen feierlichen Eid band, vor jeder Verſuchung des Ausplauderns geſchützt ſein 18s. Bisweilen ſtellen es die Heiligen ganz in Johannas Belie⸗ ben, gewiſſe Offenbarungen zu entdecken oder zu verſchweigen, ſie handelt dann nach Rückſichten der Klugheit. Es war ihrem eignen Ermeßen überlaßen, von dem Befehle, nach Frankreich zu gehen, ihren Eltern etwas zu ſagen oder nicht. Johanna ſchwieg aus Furcht vor dem Vater und den Burgundern 190.

Etwas Schriftliches, einen Brief oder dergleichen, hat ſie niemals von Michael oder den Heiligen erhalten, ſondern nur von Mund zu Mund mit ihnen verkehrt 191.

Mit denſelben Gefühlen und Ehrenbezeugungen, wie die Engel, empfͤngt ſie auch die Hei⸗ ligen 192. Wird ſie von letzteren im Schlafe überraſcht, ſo erwiedert ſie den Gruß derſelben, rich⸗ tet ſich zum Sitzen im Bette auf und faltet die Hände 193. Beim Abſchied wird das Herz ihr ſchwer. In dem feſten Glauben, daß durchaus kein Unterſchied iſt zwiſchen der Katharina und Margareta, welche zu ihr kommen, und den gleichnamigen Heiligen des Paradieſes, hat ſie den in der Kirche befindlichen Bildern und Statuen derſelben, nicht aber den Heiligen ſelbſt, wenn ſie ihr erſchienen, oftmals Kränze gegeben, auch brennende Kerzen zu Ehren der heiligen Katharina bei der Meſſe durch des Prieſters Hand dargebracht, doch nicht ſo viele Kerzen ange⸗ zündet, wie ſie ſo gern beiden Paradieſesheiligen ſpenden möchte. So oft ſie Lichter vor das Bild der Katharina ſetzt, thut ſie es zur Ehre Gottes, der Jungfrau Maria und der heiligen Katharina, welche im Himmel iſt und ihr erſcheint 13. 1

Das vor dem Erzengel abgelegte Gelübde der Jungfräulichkeit Leibes und der Seele hat ſie

*) O'Aulon fragte einſt(. III, 219) Johanna über ihren ſogenannten Rath. Johanna erwiederte: Drei ſind meine Rathgeber, der eine verweilt beſtändig bei mir, der andere geht und kommt oftmals zu mir und beſucht mich, und der dritte iſt der, mit welchem die beiden andern ſich berathen(Katha⸗ rina? Margareta? Michael). Neugierig wünſchte d'Aulon den Rath zu ſehen, erhielt aber von Johanna den Beſcheid, er ſei dazu nicht würdig und tugendhaft genug. Rath, geheimer Rath werden die Stimmen bisweilen von Johanna und den Richtern genannt, ſ. 0. 1, 45. 55. 64. 88. 162. 20I. III, 12. 212..