Druckschrift 
1 (1857)
Entstehung
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ſie, daß es die Stimme eines Engels und zwar des Erzengels Michael war 1²⁰. Michael war nicht allein, ſondern umgeben von vielen Engeln des Himmels. Ob der Erzengel Gabriel bei Michael war, iſt nicht zu ermitteln, daß aber Gabriel der Johanna ebenfalls erſchienen iſt, un⸗ terliegt keinem Zweifel 130. Dafür daß der Engel wirklich der Erzengel Michael war hat Johanna drei Gründe*). Erſtlich hat ſie den Erzengel Michael, gleichwie die anderen Engel, mit ihren leiblichen Augen geſehen ¹31... Zweitens hat ſie Michael an ſeiner Sprache und an der eigenthümlichen Redeweiſe der Engel erkannt 1³2. Drittens hat der Engel nach ſeiner erſten Erſcheinung Johanna ſo vieles gelehrt und ihr ſo vieles gezeigt, ſie ſtets ſo wohl behütet, daß ſie feſt glaubt, er ſei Michael 133. Aus dieſen Gründen iſt Johanna ſo feſt überzeugt, daß der Engel, der ihr erſchien, der Erzengel Michael iſt, wie ſie überzeugt iſt, daß es einen Gott gibt 134, und daß der Herr Je⸗ ſus für uns in den Tod gegangen iſt, um uns von den Höllenſtrafen zu erlöſen 135. Daſſelbe glaubt ſie von Gabriel und den andern Engeln ¹36. Johanna hat die Stimme wohl verſtan⸗ den ¹37. Michael ſagte ihr, ſie ſolle ein gutes Mädchen ſein, ſich gut aufführen, fleißig in die Kirche gehen. Gott würde ihr beiſtehen. Ferner ſprach er von dem großen Unglück, welches in Frankreich**) herrſche, und offenbarte ihr unter anderem, daß ſie ihrem König zu Hülfe kom⸗ men müße ¹58. Endlich kündigte Michael ihr an, die heilige Katharina und Margareta würden zu ihr kommen, um ihre Leitung zu übernehmen. Johanna ſolle nach dem Rathe derſelben handeln und ihren Worten Glauben ſchenken, denn Katharina und Margareta ſeien gute Gei⸗ ſter, verordnet ſie zu führen und ihr zu rathen, was ſie zu thun habe. Dies ſei Gottes Vor⸗ ſchrift 140. Johanna glaubt ſo feſt an das, was Michael geſagt und gethan, wie ſie glaubt, daß Jeſus Chriſtus für uns gelitten hat und geſtorben iſt. Was ſie zu dieſem Glauben bewegt, iſt eben der gute Rath, die gute Lehre und der gute Beiſtand, den er ihr ertheilt 14o. Wenn ſich der Teufel in die Geſtalt eines guten Engels kleidete, ſo würde Johanna leicht erkennen, ob der heilige Michael es wäͤre oder ein ihm nachgeäfftes Weſen 141. Ueber die Geſtalt, in welcher Michael und Gabriel erſchienen, gibt Johanna nur ausweichende Antworten. Zwei Aeußerun⸗ gen ſind alles, was ſie ſich darüber hat entlocken laßen, und dieſe beweiſen zur Genüge, daß ihr die Geſtalt der Erzengel klar vor Augen ſtand. Mit einem Ja antwortet ſie auf die Frage, ob ſie glaube, daß Gott Michael und Gabriel in der Weiſe und Geſtalt gebildet habe, in welcher ſie dieſelben ſehe 142; und ſpäter bezeichnet ſie die Geſtalt Michaels als die eines wahrhaft one men Mannes 143. Die außerdem an ſie gerichteten Fragen über Größe, Körperbildung, lied⸗ maßen, Kopf, Haare, Augen, Krone, Kleidung des Michael, ob er nackt ſei, ob er Flügel, ob er eine Wage habe, weiſt ſie ſämmtlich, manche mit einer gewiſſen Verachtung zurück 14.. Die Geſtalt der anderen Engel hat ſie nicht viel geuauer beſchrieben. Einige haben Flü⸗ gel, einige Kronen, manche ſehen einander ähnlich, andere nicht 11s. Am Morgen ihrer Ver⸗ brennung ſoll ſie bekannt haben, die Engel ſähen ganz klein aus 146. Nicht ſehr häufig ſieht Johanna den Erzengel Michael. Seitdem ſie aus dem Schloße von Crotoy nach Rouen abge⸗ führt worden, iſt er ihr gar nicht mehr zu Geſichte gekommen. Aber ſo 23 ſie den Erzengel ſieht, iſt ſie voll Freude, weil ihr der Anblück deſſelben die Gewähr giebt, daß ſie keine Todſün⸗ de begangen hat 147. Sobald ſie ihn, die Engel und die Heiligen erblickt, begrüßt ſie dieſelben mit der geziemenden Chrerbietung, indem ſie ſich verneigt und die Kniee beugt. Hat ſie es ein⸗ mal vergeßen, ſo bittet ſie deshalb nachher um Verzeihung. Manchmal macht ſie auch das Zei⸗ chen des Kreuzes 14s. Alles dies thut ſie, weil ſie die Gewisheit hat, daß die Engel und die Heiligen, welche ſich ihr zeigen, dieſelben ſind wie die Engel und die Heiligen des Paradieſes

*) Auf die bloß ſubjective Gültigkeit derſelben braucht kaum aufmerkſam gemacht zu werden. **) Mit dieſem Namen unterſchied man in der Heimat der Johanna das eigentliche Kronland(d. h. das Innere) Frankreichs von den Ländern der großen Vaſallen.