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1 (1857)
Entstehung
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im Garten ihres Vaters von der Kirche her, der ſie mit ihrer rechten Seite zugekehrt war, eine Stimme*). Ein heller Glanz traf von derſelben Seite ihr Auge 126. Johanna, damals noch ein junges Mädchen, hatte große Furcht und großen Zweifel 1¹²7), obwohl ihr die Stimme eine würdige und gute zu ſein ſchien 128. Erſt nachdem ſie die Stimme dreimal gehört hatte, erkannte

Utrum ipsa sciat aliquod crimen vel aliquem defectum, propter quod vel propter quem ipsa posset vel deberet mori, si fateretur illud, antwortet ſie mit Nein. Soviel iſt übrigens durch⸗ weg klar, daß ſie nicht ihrer Sache, ſondern ihren Richtern mistraut. Um dies Verhal⸗ ten richtig zu beurtheilen und zu würdigen, dürfen wir nicht vergeßen, daß Johanna nur Gott als ihren wahren Richter, ſich als Organ beſonderer göttlicher Offenbarungen nur ihm verantwort lich weiß, ſ., I, 51. 61. 62: Item dixit nobis episcopo praedicto: Vos dicitis quod estis judex meus; advertatis de hoc quod facitis, quia in veritate ego sum missa ex parte Dei, et ponitis vos ipsum in magno periculo, galliceen grand dangier. 154. 395: Se refert suo judici, scilicet Deo. 397. 398. Soviel vorläufig, wir kommen ſpäter auf die angeregten Punkte zurück.

*) Was Perceval von Boulainvilliers, einer der erſten Beamten des Reiches, am 21. Juni 1429 an den Herzog von Mailand ſchreibt, O. V, 116 sq., mag an demſelben Morgen kurz vor dem Ein⸗ treten der Viſion geſchehen ſein. Als Johanna auf einer Wieſe die Schafe ihrer Eltern weidete, ſpielte ſie mit andern Kindern Wettlaufen nach einem Ziele. Dreimal überholte ſie ihre Geſpie⸗ linnen, indem ſie mit ſolcher Schnelligkeit lief, daß ſie den Boden nicht zu berühren ſchien. Ver wundert rief eins der Kinder: Johanna, ich ſehe dich über die Erde hinfliegen. Als Johanna am Ende der Wieſe wie verzückt und von Sinnen(quasi rapta-ravie, et a sensibus alienata-hors de sens) ſich von der Erſchöpfung zu erholen und zu Athem zu kommen ſuchte, ſtand neben ihr ein Jüngling, der zu ihr ſagte: Johanna geh nach Hauſe, deine Mutter verlangt nach dir. In der Meinung, es ſei der Bruder oder ein Nachbarskind, eilte ſie nach Hauſe. Die Mutter fragte, warum ſie gekommen, und verwies ihr, daß ſie die Schafe verlaßen habe. Haſt du mich nicht ru⸗ fen laßen, fragte Johanna? Nein, ſagte die Mutter. Sich von dem Jungen betrogen glaubend wollte ſie auf die Wieſe zurückkehren. Plötlich fiel eine überaus glänzende Wolke vor ihre Augen (Alain Chartier ſagt in einem zu Ende Juli 1429 geſchriebenen Briefe, O. V, 132: voce ex nube nata saepenumero admonita est etc.), und aus der Wolke geſchah eine Stimme:»Johanna, du ſollſt einen anderen Weg gehen und wunderbare Thaten verrichten, denn du biſt die, welche der König des Himmels erwählt hat zur Errettung Frankreichs und zum Schutz und Schirm des aus ſeiner Herrſchaft vertriebenen Königs Carl. Männerkleider ſollſt du anziehen, Waffen nehmen und das Haupt des Krieges ſein. Alle ſollen nach deinem Rathe regiert werden. Darauf ver⸗ ſchwand die Wolke, die Jungfrau ſtand erſchrocken da und ſchenkte den Worten anfangs keinen Glauben u. ſ. w. Philipp von Bergamo berichtet, 0, IV, 524, der Johanna ſei in ihrem ſech⸗ zehnten Jahre, zur Zeit als Orleans in der größten Gefahr ſchwebte, iu einer ärmlichen Kapelle(der Marienkapelle ²), wohin ſie ſich von der Viehweide vor dem Regen geflüchtet hatte, Gott im Traume erſchienen und habe ſie zum Aufbruch nach Frankreich ermahnt. Ueber die geringe Glaubhaftigkeit des Verfaſſers ſ. Q. IV, 521. In dieſer Erzählung geht Wahres und Falſches durch einander. Ge⸗ ſchichtliche Beſtandtheile, welche verſchiedenen Zeiten angehören, ſind in unmittelbare Verbindung geſetzt. Das Hüten des Viehes weiſt auf die Kindheit der Johanna hin, die ſonſtigen Umſtände auf die Zeit vor Johannas Abreiſe nach Vaucouleurs. Le Brun(I, 292) ſchließt aus dem Hüten, die Erſcheinung in der Kapelle ſei der im Garten vorausgegangen, Johanna habe dieſelbe den Rich⸗ tern nicht mitgetheilt des Traumes wegen, von dem die Bosheit hätte einen übeln Gebrauch ma⸗ chen können. Die anderweitigen Umſtände(Alter, Orleans Noth, alsbaldige Abreiſe) rechtfertigen jedoch die Vermuthung, daß Johanna kurz vor ihrer Abreiſe von Domremy in der Marienkapelle eine ihrer Erſcheinungen gehabt hat, durch welche ſie zum Aufbruch gedrängt wurde. Die Beru⸗ fung von der Herde weg kann Philipps eigne Zuthat ſein, da ſie ſehr gut zu dem legendenartigen Character ſeiner Darſtellung paßt; verdankt er ſie dem Manne am Hofe Carls, den er als ſeine Quelle anführt, ſo haben wir uns zu erinnern, daß man ſich am Hofe darin gefiel, Johanna eine Schäferin zu nennen und ſie als ſolche bis zu ihrer Ankunft in Chinon zu denken. Wie oft mö⸗ gen Thatſachen, welche an und für ſich geſchichtlich richtig ſind, durch willkürliche Verknüpfung verdorben ſein, oder eine falſche Beleuchtung erhalten haben.