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Knurz nach dieſer Zeit 12²1 fällt wahrſcheinlich der Proceſſ, welchen ein junger Mann gegen Johanna bei der geiſtlichen Behörde zu Toul wegen eines angeblichen Ehegelöbniſſes anhängig machte. Der Freier wurde von Johannas Eltern begünſtigt, welche, wie es ſcheint, ihre Tochter durch eine Verheirathung von überſchwenglichen Ideen abzubringen hofften 122. Johanna begab ſich ſelbſt nach Toul und gewann den Proeeſſ, wie ihr die Heiligen verheißen hatten, indem ſie eidlich betheuerte, dem jungen Menſchen nie ein Eheverſprechen gegeben zu haben 1¹²³. Wie hätte ſie wohl dem Gedanken an eine eheliche Verbindung Raum geben können, da ſie ſchon im kind⸗ lichen Alter ihren Heiligen Jungfrau zu bleiben gelobt hatte?
Viſionen der Johanna.
Nach zurückgelegtem dreizehnten Lebensjahr hatte Johanna im Sommer 1425 124 die erſte Viſion*). Der Tag zuvor war ein Faſttag geweſen ¹²5. Gegen die Mittagsſtunde vernahm ſie
*) Die Ueberſchaulichkeit macht es rathſam, alles, was Johanna über ihre Viſionen ausgeſagt hat, in gedrängter Ueberſicht zuſammenzuſtellen. Das Wenige, was wir durch andere über dieſen Gegen⸗ ſtand erfahren, werde ich in Anmerkungen beifügen, damit Johannas Ausſagen von jeder fremden Zuthat rein bleiben. Schade daß die Protokolle über die Prüfungen, welche Johanna zu Poitiers zu beſtehen hatte, und worauf ſie ſich wiederholt vor ihren Richtern beruft, ſ. 0. 1, 71. 72. 73. 94. 171. 310, verloren ſind. In Poitiers konnte ſich Johanna mit völliger Unbefangenheit über ihre geheimſten Erlebniſſe ausſprechen, weil ſie es mit Freunden zu thun hatte; anders in Rouen, wo ſie den ärgſten Widerſachern gegenüber ſtand. Quicherat ſagt in ſeinen Aperç. p. 71:»Pose
dire qu'elle n'a pas toujours répondu vrai aux questions de ses juges. Ne s'agit il que de sa personne! sa parole est marquée de cette irrésistible franchise à laquelle je rendais hommage tout à l'heure, elle avoue, elle affirme au risque d'encourir mille morts. Mais si la demande couvre la moindre tendance vers une accusation qui pourra retomber sur autrui, alors elle élude, elle hésite, elle enveloppe sa pensée, et, pressée davantage, elle feint: douloureux sa- crifice où l'on s»'aperçoit que son coeur la pousse et la désavoue tout ensemble.“ Wir bemer⸗ ken dazu, daß Johanna den Richtern ins Geſicht ſagt, ſie werde nicht alles offenbaren, und ſich des undedingten Eides weigert. Die größte Zurückhaltung beobachtet Johanna rückſichtlich der Offenbarungen, welche die Perſon des Königs betreffen, ſ. Q. I, 45. 63. 71: Sed de hoc quod tangit revelationes tangentes regem Franciae, ipse non dicet sine licentia vocis suae. 72. 75. 88. 90. 248. 311 u. ſ. w. Nicht minder behutſam iſt ſie in ihren Ausſagen über die Viſionen. Sie betrachtet ſich als Bewahrerin heiliger Geheimniſſe, nur was Gott erlaubt, nur was ihm ge⸗ fällt, will ſie antworten, ſ. z. B. 0. I, 71: Interrogata utrum vox sibi dederat consilium de aliquibus: respondit quod de aliquibus punctis habuit consilium, et de aliquibus poterit sibi peti responsio, de quibus non respondebit sine licentia. Et si absque licentia responderet, forsan non haberet voces in garantizationem, gallice en garant, sed quando habebit licentiam a Domino, non formidabit dicere, quia bene habet garantizationem. I, 171 sq.: Respondit quod, die sabbati, extunc proximo futuro responderet, cum una alia re unde debet respondere, illud scilicet quod de hoc placebit Deo. 73. 249. 281. 63: IIla vox venit ex parte Dei; et credo quod ego non dico vobis plane illud quod ego scio, et habeo majorem metum deficiendi, dicendo aliquid quod displiceat illis vocibus, quam ego habeam de respondendo vobis etc 64. 95. So oft ſie daher fürchten muß, der Argliſt eine Handhabe zu ſophiſtiſcher Entſtellung oder dem Unglauben Gelegenheit zu herabwürdigender Deutelei zu geben, kurz wo ſie beſorgt, ihre Stimmen irgendwie in den Augen der Richter bloßzuſtellen, da verweigert ſie die Antwort entwe⸗ der ein für allemal oder verſchiebt ſie auf eine ſpätere Zeit, um ſich zuvor mit ihren Heiligen zu berathen. So iſt es meiſtens die Rückſicht auf die heilige Sache, welche ihr Schweigen auferlegt. Daneben läßt ſie aber auch hin und wieder, wenn Fragen über die Heiligen an ſie gerichtet wer⸗ den, eine Beſorgnis für die eigne Perſon durchblicken und äußert diefelbe geradezu, ſ. z. B. 1, 65: Et tunc petitum fuit sibi utrum illa vox a quo consilium petebat, habebat visum et oculos. Respondit: Vos non hoc habebitis adhuc. Et dixit quod dictum parvorum puerorum est quod aliquando homines suspenduntur, pro dicendo veritatem. Deshalb zur Nede Jeſtelte 172, 249:


