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1 (1857)
Entstehung
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beſonderen Führung, daß die Schreckniſſe des Krieges lange Zeit ihre engere Heimat verſchon⸗ ten. Die Aufgabe, welche Johanna zu löſen hatte, erforderte eine ſtille Bereitung, welche durch den zermalmenden Tritt der Heermaſſen geſtört worden wäre. Sollte ſie, ohne gewaltſam aus ihrer Innenwelt hinausgedrängt zu werden, die Richtung auf ihren Lebensberuf gewinnen, ſo muſte ſie das Unglück des Vaterlands zunächſt bloß aus der Ferne ſchauen. Nur 8 nahe durfte ſie dem Kriegsſchauplatze ſtehen, als nöthig war, damit ſie des Vaterlandes Wehe als das eigne mitfühlen und ſich mit ganzem Herzen für des Königs und des Reiches Wohlfahrt begeiſtern konnte. Erſt dann, als ihre Entwickelung ſo weit gediehen war, daß ſie den Gedanken zu fa⸗ ßen vermochte, ſelbſt das Werkzeug des Heils für das Vaterland zu werden, fiel bei Verneuil der ungeheure Schlag, welcher ganz Frankreich in ſeinen Grundfeſten erſchütterte und die Wo⸗ gen des Kriegs bis in die friedlichen Thäler der Maas fortwälzte. Doch erreichte die Heimſu⸗ chung ihr Heimatsdorf nicht früher, als bis Johanna ſich ſo völlig eingelebt hatte in die Idee ihrer himmliſchen Sendung, daß jede Bedrängnis von außen ſie nur tiefer in derſelben gründen konnte. Nachdem ſie endlich an Leib und Seele vollkommen tüchtig geworden war zur Durch⸗ führung ihres Berufs, erſtieg die Noth des Vaterlandes den höͤchſten Gipfel, und damit war der Zeitpunkt eingetreten, wo die Idee zur rettenden That werden ſollte.

Dean erſten Hauptwendepunkt in Johannas Leben, wie in der Geſchichte Frankreichs, bildet die Schlacht bei Verneuil(22. Juli 1424). Gegen Ende des September drangen nämlich die erſten feindlichen Schaaren in das Thal der Maas ein, und im Sommer des folgenden, oder wenn Johanna 1411 geboren wäre, deſſelben Jahres hatte Johanna ihre erſte Viſion. Es iſt nicht moͤglich, an einem Zuſammenhang beider Ereigniſſe zu zweifeln. Die Gefahr ſtieg ſeit 1427, wo die Engländer gegen die untere Maas, die Burgunder in den Kreis von Voucouleurs vor⸗ rückten*). Die Thalbewohner vertheidigten ſich mit unerſchrockenem Heldenmuthe. Erſt nach fünfmonatlicher Belagerung eroberten die Engländer unter dem Grafen von Salisbury einen ſchwach befeſtigten Vorort von Beaumont, Moymer genannt. Beaumont ſelbſt behauptete ſich noch volle anderthalb Jahre, ehe es ſich ergab. Das gleichzeitig belagerte Mouzon erhielt noch eine Friſt von drei Monaten. Nach Ablauf derſelben wanderten die Einwohner, da keine Hülfe vom Könige kam, nach Lüttich aus, um dem Joche der Engländer zu entgehen. Gleich hart⸗ näckigen Widerſtand ſetzte Voucouleurs ſeit 1427 dem Burgundiſchen Heerführer Anton von Vergy entgegen. Am 22. Juni 1428 empfing Vergy den Befehl, Stadt und Schloß um jeden Preis zu nehmen und ſchon am 1. Juli hielt er zu Saint⸗Urbain Muſterung über die zu die⸗ ſem Feldzuge beſtimmten Truppen. Was weiter geſchah, wird nirgends berichtet, nur ſoviel wißen wir, daß auch im folgenden Jahre Voucouleurs noch unbezwungen war. Die Bedräng⸗ niſſe von Domremy fallen demnach in die Jahre 1427, und 1428. Die unmittelbare Erfah⸗ rung der unverdienten Leiden, welche über die Dorfleute ergingen, muſte Entrüſtung und Er⸗ barmen in der Jungfrau hervorrufen und die Ungerechtigkeit der Feinde das Recht Frank⸗ reichs in das hellſte Licht ſtellen, beides aber nicht wenig dazu beitragen, Johannas Entſchluß zur Reife zu bringen. Ueber die Drangſale ſelbſt erfahren wir nur wenige Einzelheiten. Beim Herannahen der Burgunder wurden die Herden nach dem Inſelſchloß, welches vor dem Dorfe zwiſchen zwei Armen der Maas lag, in Sicherheit gebracht 108. Einmal 166 flüchteten ſämmt⸗ liche Bewohner 110 mit ihrem Vieh iin in das befeſtigte Neufchateau. Die Familie d'Arc fand Unterkommen in dem Gaſthauſe einer achtbaren Frau, Namens La Rouſſe 112. Johanna blieb wahrend ihres beinahe fünfzehntägigen Aufenthaltes 113 ſtets in Geſellſchaft ihrer Eltern und der andern Landsleute 1n, half der Atsfrau im Hausweſen ¹1 und führte ihrer Eltern Vieh auf die Weide 116. Zwei⸗ bis dreimal ging ſie zur Beichte 117. Sie ſehnte ſich nach ihrem Dorfe 11s und kehrte, ſobald die Feinde daſſelbe verlaßen hatten 118, mit ihren Eltern und den übrigen Flüchtigen nach Domremy zurück 120. 18 19]

*) Nach G. Aperc. p. 3 und 1013.